Meine abenteuerliche Konstruktion mag improvisiert aussehen – sie bestand aus zwei Böcken, einem Brett und zwei Schraubzwingen. Doch da bei diesem Ereignis jeder Zentimeter Höhe zählt, war mir jedes transportable Mittel recht. Auf jeden Fall war es stabil, zumindest stabiler als der Wohnwagen aus dem Griechenland-Urlaub.

Der Himmel war noch zu hell und das Zielobjekt nur wenige Grad über dem Horizont. Zum Glück behielt der Wetterbericht recht und der immer dunkler werdende Himmel klarte langsam auf. Stunden zuvor, bei der Vorbereitung zu Hause, hatte ich das Seestar aufgeladen und auf Updates geprüft. Schließlich gibt es nichts Nervigeres, als wenn kurz vor der Aufnahme ein (Zwangs-)Update ansteht. Mein Bauchgefühl bestätigte sich: Noch unter dem bedeckten Taghimmel führte ich das Firmware-Update auf Version 5.5 aus.“
Am Feld vor meinem kleinen Turm angekommen, startete ich das Seestar erneut. Die erste Handlung, das Nivellieren des Geräts, ging wie erwartet problemlos vonstatten. Obwohl der total verfinsterte Mond noch tief stand, dachte ich mir: Warum nicht schon jetzt probieren? Es kostet ja nichts.“
Mein Ziel war eine Zeitrafferaufnahme, die den Mond von der totalen Verfinsterung bis zur vollen Beleuchtung zeigt – und dafür schien das Seestar mit seiner Zeitraffer-Funktion ideal!“
Also öffnete ich in der App die Funktion ‚Solar System‘ und führte ein GoTo auf den Mond durch. Sofort setzte sich die Optik in Bewegung, und auf dem Bildschirm erschien der Schriftzug ‚Finding Moon‘. Das Seestar schwenkte in die richtige Richtung und suchte systematisch den Himmel ab, immer auf der Suche nach einem hellen Objekt, das der Mond sein könnte.
Wie zu erwarten, erschien nach kurzer Zeit die Nachricht ‚Failed to find the Moon‘. Das überraschte mich kaum. Meine Vermutung war, dass das Seestar mit dem total verfinsterten und tief stehenden Mond in Kombination mit dem noch recht hellen Himmel zu kämpfen hatte. Schließlich funktioniert das GoTo bei hellen Objekten nicht mit einem Plate Solving, sondern nur durch das Absuchen des Himmels mittels Kompass und im Falle des Mondes mit der Erkennung einer hellen Scheibe.
Allerdings war ich etwas verwundert, denn anders als in meiner Erinnerung blieb der Bildschirm des iPhones während der Suche tiefschwarz. Ich vermutete, dies sei eine Auswirkung des kürzlich durchgeführten Firmware-Updates. Normalerweise zeigt das Seestar währenddessen ein Live-Bild der Umgebung, was in diesem Fall nicht geschah.
Aus diesem Grund wechselte ich in den manuellen Modus. Ich konnte zwar den Waldrand klar erkennen, aber auch ich fand den Mond nicht.
Mit dieser Erkenntnis lehnte ich mich zurück und wartete eine Weile, bevor ich es erneut versuchte. Doch als das Seestar auch beim zweiten und dritten Versuch die Suche abbrach, während ich den ‚Blutmond‘ schon mit bloßem Auge sehen konnte, wurde ich skeptisch.

Aus lauter Frustration und mit der Gewissheit, dass der Sensor zumindest im manuellen Modus funktionierte, wagte ich einen weiteren Versuch. Ich nutzte die virtuellen Joysticks in der App, um mit dem Seestar langsam den Himmel abzusuchen. Nach wenigen Schwenks wurde der Bildschirm nicht nur heller, sondern es tauchte tatsächlich der der mittlerweile nur Teilverfinsterte Mond auf. Ein kleiner, aber bedeutender Erfolg in dieser frustrierenden Nacht!
Doch mein anfängliches Verwundern über die fehlerhafte automatische Suche wich so langsam der puren Verärgerung. Wie konnte es sein, dass das Gerät den Mond noch immer nicht fand und bei der Suche nach ihm weiterhin ein tiefschwarzes Bild zeigte?
All meine Bemühungen, das Problem zu umgehen, halfen nichts. Das GoTo-System versagte weiterhin bei der Suche nach hellen Objekten. Ich testete es sogar am mittlerweile aufgegangenen Saturn, doch auch hier quittierte das Gerät den Versuch mit einer Fehlermeldung und zeigte während der Suche nur einen schwarzen Bildschirm.
Interessanterweise schien das GoTo bei der Suche nach Deep-Sky-Objekten nicht betroffen zu sein. Hier funktionierte es vorbildlich. Das lag wohl daran, dass das System bei diesen Objekten eine andere Methode, das Plate Solving, zur Orientierung verwendet.
Inzwischen war der Austritt des Erdschattens auf dem Mond bereits in vollem Gange. Mehrere Sterne waren schon sichtbar, und sogar der Saturn leuchtete hell links unterhalb des Mondes. Doch mein Seestar fand weiterhin nichts! Das führte schließlich dazu, dass ich frustriert alles abbauen und mich auf den Heimweg machte.

Dummerweise ist eine Zeitrafferaufnahme nur möglich, wenn das Seestar ein GoTo erfolgreich durchgeführt hat. Und die wenigen Fotos, die ich manuell schießen konnte, wurden natürlich nicht abgespeichert. Ein zwischenzeitlicher Neustart brachte ebenfalls keine Besserung. All dies lässt mich vermuten, dass es sich hier um einen Bug handelt und der Kamerasensor unter diesen bestimmten Umständen einfach nicht eingeschaltet wurde. Anders kann ich mir den schwarzen Bildschirm und das Fehlen jeglichen Bildsignals nicht erklären.
Eigentlich bin ich von dem kleinen Gerät total begeistert, doch dieses Mal hat es mich komplett im Stich gelassen. Ein Blick in den sozialen Medien bestätigte, dass ich nicht der Einzige mit diesem Problem war. Ich bin gespannt, ob sich die Angelegenheit bis zum Dezember 2028 klären lässt – denn dann findet die nächste totale Mondfinsternis statt.
CS, Dimi

































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