Man sollte meinen, dass kostenpflichtige Erweiterungen, besonders wenn sie elektrische und mechanische Komponenten beinhalten, ausreichend dokumentiert sein sollten. Doch im Falle der bekannten Astro-Firma aus Fernost ist dem leider nicht so. Dabei lag es erst wenige Wochen zurück, dass ich die sehr bescheidene Einbauanleitung des preislich deutlich günstigeren „Skywatcher ST4 Motorsets“ bemängelte [Link zum Blogbeitrag]. Beim weitaus komplexeren PRO GOTO Upgrade Kit* hat man sich nun sogar dazu entschieden, die Einbauanleitung gleich ganz wegzulassen.

Nein, wirklich! Es gibt keine Einbauanleitung, weder im Karton noch in den Weiten des Internets. Zumindest konnte ich, zum Zeitpunkt de Einbaus, absolut nichts finden. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich nach dem Trial-and-Error-Prinzip voranzutasten! So musste es zwangsläufig kommen, wie es kam: Die GoTo-Maschinerie tat alles, nur nicht das Richtige.
Wenn man den Foren des Internets Glauben schenken darf, bin ich dabei kein Einzelfall. Darauf gekommen bin ich, als ich über einen armen Amateurastronomen las, der die exakt gleichen Probleme hatte. Allerdings hatte er seine Montierung zur Wartung in eine Werkstatt gegeben und nach einigem Hin und Her kam man dem Fehler dann auch auf die Spur. Es war genau der gleiche Fehler, den auch ich begangen habe! Aber fangen wir, wie es sich für eine waschechtes Produkt aus dem Internet gehört, zuerst mit dem Unboxing an.
Das Unboxing des GOTO Upgrade Kits
Öffnet man den zugegebenermaßen kleinen Karton und breitet das mitgelieferte Equipment vor sich aus, liegt ordentlich Material vor einem.

Neben allgemeinen Werkzeug wie Schraubendreher, Inbus und verschiedenen Schrauben, findet man auch
- das SynScan Handgerät in der neusten Version (V.5),
- ein dazu passendes Spiralkabel,
- die elektronische Steuerbox,
- den DEC und den RA Motor,
- zwei dazu passende Motorkabel,
- eine Halteschale für das Handgerät,
- eine weitere Halteschale für die Steuerbox,
- ein Zigarettenanzünderkabel und eine
- Bedienungsanleitungen
Die beiliegende Bedienungsanleitung beherbergt keine Einbauanleitung, sondern lediglich eine englische Bedienungsanleitung für das SynScan Handgerät und dessen Verkabelung.
Leider konnte ich für die neueste Version der SynScan Handbox (V.5) keine deutsche Bedienungsanleitung finden. Zwar gibt es im Internet ein deutsches Handbuch für den Vorgänger V.4 – die Software-Unterschiede sollten hier eher gering sein. Doch hardwareseitig wurde ein riesiger Schritt nach vorne gemacht: Die Version 5 bietet endlich einen USB-Anschluss. Ja, Sie haben richtig gelesen: USB! Der absolute Wahnsinn…😂.
Der Fehler im Detail
Wie bereits erwähnt, ist man bei der Montage weitestgehend auf sich allein gestellt. Außer einem einzigen, schlechten Schwarz-Weiß-Foto gibt es keinerlei Unterstützung für den Einbau. Dennoch ging ich optimistisch ans Werk und tatsächlich: Nach knapp 30 Minuten war die Montierung fertig zusammengeschraubt und soweit einsatzbereit.
Der erste „Trockentest“ in der Wohnung verlief zufriedenstellend. Das SynScan Handgerät funktionierte, und alle Achsen wurden korrekt bedient. Nun hieß es abwarten und auf eine klare Nacht hoffen. Und tatsächlich: Schon in derselben Nacht konnte ich meinen Umbau unter freiem Himmel testen. Doch irgendwie wollte das 3-Sterne-Alignment nicht funktionieren. Die mehr oder weniger automatische Ausrichtung der GoTo-Motorisierung nahm irrwitzige Wege, stellenweise sogar unterhalb des Horizonts!
Anfangs dachte ich noch, es läge an falsch eingegebenen Parametern. Doch auch beim x-ten Versuch und der dritten Zurückstellung auf die Werkseinstellungen lief es nicht besser. Irgendwas kam mir bei der chinesischen Montierung spanisch vor.
In derselben Nacht wollte ich mich nicht mehr an die Demontage der Montierung wagen. Erst am nächsten Tag „tranchierte“ ich die Montierung – und überraschenderweise war der Fehler schnell gefunden: Das Zahnrad der DEC-Welle griff auf das falsche Zahnrad des Motors. Ja, man kann tatsächlich ein falsches Zahnrad für die Übertragung der Drehung auf die Achse erwischen! Das GoTo-System für die EQ5 besitzt, dank seiner hohen Drehgeschwindigkeit, ein Zahnrad mit zwei Übersetzungsstufen. Falschherum montiert, greift die Welle auf das „falsche“ Zahnrad und dreht demnach auch in der falschen Geschwindigkeit.
Montage des Skywatcher SynScan PRO GOTO Upgrade Kit
Der Einbau des SynScan PRO GoTo Upgrade Kits beginnt natürlich mit dem „Entkleiden“ der Montierung. Das heißt: Teleskop und Gegengewichte abnehmen.

Anschließend schraube ich die beiden Polhöhenschrauben heraus, ziehe die Kunststoffrädchen der Feinverstellung ab und entferne die viereckige Kunststoffabdeckung der RA-Achse. Hierfür muss lediglich eine kleine Kreuzschraube entfernt werden.

Am Ende sollte die Montierung ziemlich „nackt“ dastehen und für die eigentliche Montage vorbereitet sein.
Montage RA-Motors
Zuerst montiere ich den RA-Motor, den kleineren der beiden Motoren, auf die freigelegte Vorrichtung der RA-Achse der Montierung. Befestigt wird der Motor mit der längeren der beiden mitgelieferten Schrauben. Dafür führe ich die Inbusschraube von der gegenüberliegenden Seite (vom Polsucher aus) durch und verbinde sie auf der anderen Seite locker mit dem Motor.
Ich schreibe bewusst „locker“ und nicht „fest“, denn ein leicht locker sitzender Motor vereinfacht die spätere Montage des Zahnrades erheblich.

Das kleine Messingzahnrad schiebe ich anschließend über die Welle der RA-Achse. Wichtig ist hierbei, dass es in das kleinere Zahnrad des Motors greift.

Sitzt alles und verläuft parallel, können sowohl der Motor als auch das Zahnrad festgezogen werden.

Der letzte Arbeitsschritt besteht darin, die Zahnräder ordentlich mit Fett einzuschmieren. Ein kleines Döschen mit passendem Fett liegt dem Lieferumfang bei. Und denk dran: Wer gut schmiert, der gut fährt!

Kurzer Hinweis: Es sollte egal sein, wie herum man das Messingzahnrad des GoTo-Sets auf die Achse der Montierung schraubt. Entscheidend ist nur, dass das Messingzahnrad auf das kleinere der beiden übereinander liegenden Zahnräder des Motors greift. Wer aufgepasst hat, kann sich sicher schon denken, wo mir der Fehler unterlaufen ist – nicht bei der Montage der Rektaszension, sondern bei der nachfolgenden Deklinations-Montage!
Montage DEC-Motor
Bei der Deklination (DEC) verhält es sich ähnlich wie bei der Montage der Rektaszension (RA). Ich sage bewusst ähnlich, denn genau hier ist mir der fatale Fehler unterlaufen.
Im Grunde genommen schraube ich auch hier wieder den Motor an und schiebe anschließend das Messingzahnrad auf die Welle. Allerdings besitzt der DEC-Motor ein Plastikgehäuse, was es unmöglich macht, das Messingzahnrad im Nachhinein festzuziehen.

Also habe ich das Messingzahnrad rein nach Gefühl auf die Welle geschoben und erst danach den Motor samt Kunststoffgehäuse „eingefriemelt“. Das Ganze war eine ziemlich fummelige Angelegenheit, funktionierte aber irgendwie.

Dummerweise griff nun aber unbemerkt das Messingzahnrad auf das größere der beiden Zahnräder des Motors. Dadurch bewegte sich die GoTo-Montierung in der Deklination natürlich etwas langsamer als sie sollte und führte zu gravierenden Fehlern in der Ausrichtung.
Fehler erkannt, Fehler gebannt
Wie schon erwähnt, kam ich erst über Nacht auf den Gedanken, dass etwas an der Mechanik nicht stimmen könnte. Also schraubte ich am nächsten Tag die Montierung nochmals komplett auseinander. Diesmal entfernte ich auch die Abdeckung am Motor der Deklination.

Wie auf dem Foto gut zu erkennen, griff das obere Zahnrad der Achswelle (DEC) auf das große Zahnrad des Motors, während das untere Zahnrad der Achswelle (RA) korrekt auf das kleine Zahnrad des Motors griff.

Nachdem ich den Fehler behoben hatte, wurde natürlich alles neu ausgerichtet, festgeschraubt und wieder ordentlich eingefettet.
Montage der Elektronik
Normalerweise sollte euch ein weiteres Zerlegen, wie es mir erging, erspart bleiben. Direkt nach der Montage der Motoren geht es an die Elektronik.
Der DEC-Motor wird ja fertig verkapselt geliefert. Der RA-Motor hingegen steckt noch völlig nackt in der Montierung. Dafür liefert Skywatcher zwei Gehäuseteile mit: Eines davon besitzt die elektronischen Anschlüsse, das andere nicht.
Zuerst verbinde ich die Kabel des Gehäuses mit dem RA-Motor. Das ist nicht weiter schwer, da ein Vertauschen oder falsches Einstecken beinahe unmöglich ist.

Anschließend schiebe ich von der anderen Seite das zweite Plastikgehäuse darüber und verschraube es mit dem ersten. Auch wenn man es kaum glauben mag: Das Ding sitzt dann bombenfest!

Als nächsten Schritt bringe ich die Steuerbox leitend am Metallbein des Stativs an. Hierfür besitzt die Halterung der Steuerbox auf der Rückseite eine Metallklammer, die so Kontakt zum Stativ aufnimmt.

Die Steuerbox selbst wiederum hat eine kleine Metallplatte, die beim Einschieben Kontakt zur rückseitigen Metallklammer und somit auch zum Metallbein des Stativs aufnimmt. Alles ganz einfach.
Die Halteschale für das Handgerät kann dafür irgendwo befestigt werden, da sie außer dem Verstauen des SynScan Handgeräts keinerlei weitere Funktion hat.
Die Verkabelung ist wiederum relativ einfach:
- In den RA-Motor stecke ich ein Kabel in die Buchse mit der Aufschrift „Dec. Out“; das andere Ende kommt in die einzige Buchse des DEC-Motors.
- Das zweite Kabel wird in die Buchse des RA-Motors mit der Aufschrift „R.A. IN“ gesteckt und mit der Steuerbox verbunden.
Soweit ist die Montierung mit der Steuerbox verkabelt. Was noch fehlt, ist eine Verbindung zum SynScan Handgerät. Dafür stecke ich einfach das Spiralkabel in die Buchse mit der Aufschrift „Hand Controller“ und das andere Ende in das SynScan Handgerät.

Jetzt muss nur noch die Steuerbox mit dem Zigarettenanzünderkabel verbunden und ab damit in den Zigarettenanzünder. Außer natürlich, man hat kein Auto parat – so wie ich meistens am Balkon. Dann muss man sich am besten ein ausreichend starkes Netzteil besorgen, welches leider nicht Teil des Lieferumfangs ist. Ausreichend heißt hier mindestens 2A. In den Foren liest man aber des Öfteren von Aussetzern bei zu geringer Stromstärke, also lieber doch gleich 5A.
Netzteile, welche diese Voraussetzungen erfüllen, gibt es viele. Ich habe mich für dieses [Amazon Link] entschieden und bisher keine Probleme damit gehabt. Zu beachten gibt es hierbei vier wichtige Punkte:
- Die richtige Spannung (12 V)
- genügend Stromstärke (mind. 3A)
- Die richtige Polung (Pluspol in der Mitte)
- Und die passende Steckergröße (5,5mm/2,1mm)

Jetzt heißt es nur noch: Montierung einnorden und loslegen! Wobei vorher natürlich das Alignment durchgeführt werden sollte, durch das dich das SynScan Handgerät führt.
Fazit
Abgesehen von der fehlenden Einbauanleitung hat mich die Qualität der Gerätschaften des GoTo Upgrade Kits überzeugt. Sie liegt teils deutlich über der des „Skywatcher ST4 Motorsets“ [Link zum Blogbeitrag], was den höheren Preis rechtfertigt. Hältst du dich an die oben genannten Schritte, sollte der Umbau in knapp 30 bis 45 Minuten erledigt sein.
Etwas rätselhaft finde ich die Tatsache, dass in beinahe jeder Händlerbeschreibung noch vom SynScan Handgerät Version 3 (V.3) die Rede ist. Tatsächlich befindet sich aber die neueste Version 5 (V.5) mit USB-Anschluss in der Schachtel – ein willkommener Bonus!
Das GoTo-System selbst funktioniert hervorragend, vorausgesetzt man hat die Montierung richtig eingenordet und das 3-Sterne-Alignment korrekt durchgeführt. Trotz des anfänglichen „Einbau-Alptraums“ ist es eine lohneswerte Investition für alle, die ihre EQ5 Montierung auf GoTo aufrüsten möchten.
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4 Gedanken zu „Der Skywatcher EQ5 GoTo Upgradekit Einbau-Alptraum: Mein Kampf mit der fehlenden Einbauanleitung“