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Dieser Artikel ist Teil meines 60-Tage-Praxistests zum ZWO Seestar S50 Pro*. Das Testgerät wurde mir für diesen Zeitraum von Astroshop / NIMAX GmbH zur Verfügung gestellt. Es handelte sich um keine Schenkung, und es gab keinerlei inhaltliche Vorgaben oder Einflussnahme auf meine Bewertung. Sämtliche Eindrücke, Urteile und Testergebnisse spiegeln ausschließlich meine persönliche, unbeeinflusste Meinung als Astrofotograf wider.
Normalerweise ist ein kleiner Versionssprung bei einer App für mich noch kein Grund, gleich einen neuen Tagebucheintrag zu schreiben. Doch manchmal steckt hinter einer unscheinbaren Versionsnummer mehr, als man zunächst vermuten würde. Das aktuelle Update der Seestar-App scheint so ein Fall zu sein.
Neben einigen Verbesserungen bringt es gleich mehrere interessante Neuerungen mit. Besonders spannend finde ich die neuen Möglichkeiten für Kometenaufnahmen, das Video-Stacking und die Änderungen bei der Mosaikplanung. Einige davon muss ich erst noch selbst ausprobieren, eine Neuerung habe ich mir aber bereits genauer angesehen.

Schauen wir uns an, was sich getan hat.
Die Neuerungen im Überblick
Das offizielle Changelog ist ziemlich umfangreich. Neben den großen Neuerungen gibt es unter anderem Empfehlungen für interessante Aufnahmeziele auf dem Startbildschirm, Verbesserungen beim Smart Tracking, eine Verwaltung der Dark-Frame-Bibliothek und zusätzliche Möglichkeiten bei der Bildbearbeitung.
Auch die Photometrie wird als neue Funktion aufgeführt. Damit kommen weitere Möglichkeiten hinzu, die über die reine Aufnahme von Astrofotos hinausgehen könnten. Wie umfangreich sich das in der Praxis nutzen lässt, muss sich allerdings erst noch zeigen.
Vier Bereiche finde ich besonders interessant:
- Comet Nucleus Stacking für Kometenaufnahmen
- Video-Stacking und Keyframes
- Anmerkungen und One-Tap-GoTo
- Verbesserungen bei der Mosaikplanung
1. Comet Nucleus Stacking: Endlich einfacher zu bearbeitende Kometenaufnahmen?
Wer schon einmal einen Kometen über einen längeren Zeitraum aufgenommen hat, kennt das Problem: Während sich der Komet vor dem Sternhintergrund weiterbewegt, stehen die Sterne im Bild nicht still. Richtet man die Einzelbilder auf die Sterne aus, wird der Komet länglich. Richtet man sie dagegen auf den Kometen aus, werden die Sterne zu Strichen.
Bisher war es deshalb häufig nötig, Komet und Sternhintergrund getrennt zu stacken und die Ergebnisse anschließend in der Bildbearbeitung zusammenzufügen. Das funktioniert, ist aber mit zusätzlichem Aufwand verbunden.
Mit dem neuen Comet Nucleus Stacking führt Seestar eine eigene Funktion für Kometenaufnahmen ein. Die Idee dahinter klingt vielversprechend: Die Aufnahmen sollen so verarbeitet werden können, dass der Kometenkern besser zur Geltung kommt.

Schon die Möglichkeit, die Aufnahmen beim Stacken am Kometenkern auszurichten, wäre für mich ein Fortschritt. Bisher orientiert sich das normale Stacken am Sternhintergrund. Gerade bei lichtschwächeren Kometen kann sich deren Licht bei längeren Aufnahmezeiträumen dadurch zu länglichen Spuren verteilen.
Wenn das neue Comet Nucleus Stacking die Einzelbilder stattdessen am Kometenkern ausrichtet, könnte dieser im Ergebnis deutlich schärfer dargestellt werden. Allerdings könnten dann die Sterne zu Strichspuren werden. Ob die App zusätzlich einen separat gestackten Sternhintergrund erzeugt und beide Ergebnisse automatisch zu einem fertigen Bild kombiniert, ist für mich noch offen.
Auch wenn die neue Funktion zunächst nur die Ausrichtung auf den Kometen ermöglicht, wäre das bereits eine sinnvolle Erweiterung. Wie weit sie tatsächlich geht und wie gut die Ergebnisse ausfallen, werde ich mir ansehen, sobald ich sie selbst testen kann.
Die Funktion ist jedenfalls angekündigt – jetzt muss sie sich in der Praxis beweisen.
2. Video-Stacking: Mehr Details aus kurzen Videos holen
Auch für die Mond- und Planetenfotografie gibt es eine interessante Neuerung. In der Nachbearbeitung der Seestar-App gibt es jetzt einen eigenen Eintrag für das Video-Stacking.
Das Prinzip kennt man aus der Planetenfotografie: Statt ein einzelnes Bild zu verwenden, werden zahlreiche Einzelbilder aus einem Video ausgerichtet und miteinander kombiniert. Dadurch lässt sich das Rauschen reduzieren und die Detaildarstellung verbessern. Ein bekanntes Stichwort dafür ist Lucky Imaging.
Seestar bestätigt diese Funktion auch in einer eigenen Anleitung. Voraussetzung ist allerdings, dass das Video im RAW-Format aufgenommen wurde. Anschließend kann das Video in der App ausgewählt und automatisch verarbeitet werden. Seestar empfiehlt dafür eher kurze Aufnahmen von ungefähr zehn Sekunden.
Das klingt zunächst so, als würden einige Arbeitsschritte, für die man bisher zusätzliche Programme benötigt hat, direkt in die Seestar-App wandern.
Im Changelog wird außerdem eine neue Unterstützung für die Keyframe-Auswahl beim Stacking in der Nachbearbeitung genannt. Was genau sich dahinter verbirgt und welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben, ist mir bisher noch nicht klar. Sobald ich die Funktion selbst ausprobieren konnte, werde ich mir das genauer ansehen.
Besonders für Mond- und Sonnenaufnahmen könnte das eine interessante Ergänzung sein. Bei Planeten bin ich aufgrund der kurzen Brennweite des Seestar S50 Pro allerdings etwas skeptisch. Schließlich kann auch das beste Stacking keine Details hervorzaubern, die das Teleskop gar nicht erst auflösen konnte. Wie viel die neue Funktion tatsächlich bringt, wird sich erst in der Praxis zeigen.
3. Anmerkungen und One-Tap-GoTo: Objekte leichter entdecken
Eine weitere Neuerung betrifft die Vorschau bereits gestackter Aufnahmen aus dem Stargazing- und Milchstraßen-Modus. Die App unterstützt jetzt Anmerkungen (Annotations), wobei sich die Art der eingeblendeten Informationen auswählen lässt. Welche Objekte und Beschriftungen dabei konkret zur Verfügung stehen, wird im Changelog allerdings nicht näher erläutert.
Ergänzt wird das durch One-Tap-GoTo für die Vorschau von Stargazing-Stacking-Bildern. Damit soll es möglich sein, ein interessantes Objekt direkt aus der Bildvorschau heraus anzusteuern. Wie genau diese Funktion arbeitet und welche Möglichkeiten sie bietet, wird im Changelog allerdings nicht näher erläutert.
4. Plan-Modus: Eine interessante Neuerung bei der Mosaikplanung
Dieser Punkt ist für mich persönlich besonders interessant. Schließlich habe ich mich erst kürzlich ausführlicher mit Problemen bei der Mosaikplanung und der Bildfelddrehung beschäftigt.
In meinem Tagebucheintrag Tag 49 hatte ich beschrieben, dass die manuell eingestellte Rahmung von M31 im Plan-Modus nicht immer so übernommen wurde, wie ich es erwartet hätte. Besonders auffällig war, dass sich die angezeigte Ausrichtung abhängig von der geplanten Startzeit unterscheiden konnte.
Mit dem neuen Update gibt es eine Änderung, die in diesem Zusammenhang interessant ist: Die Mosaikrahmung kann nachträglich angepasst werden, nachdem ein Teleobjekt im Plan-Modus hinzugefügt wurde. Außerdem nennt das Changelog die Möglichkeit, mehrere Pläne auf einmal zu löschen und Pläne nach ihrer Bearbeitungszeit zu sortieren.
Ich habe mir bisher nur kurz die nachträgliche Bearbeitung der Rahmung angesehen. Das funktioniert: Die Rahmung eines bereits hinzugefügten Ziels lässt sich nachträglich anpassen und drehen. Die Funktionen zum Sammellöschen und Sortieren habe ich noch nicht ausprobiert. Was genau mit der Sortierung nach Bearbeitungszeit gemeint ist, geht aus dem Changelog für mich nicht eindeutig hervor.

Das ist für mich eine sinnvolle Verbesserung. Damit lässt sich die Rahmung nach dem Hinzufügen des Ziels noch korrigieren, anstatt sich ausschließlich auf die ursprüngliche Einstellung verlassen zu müssen.
Damit ist das von mir in Tag 49 beschriebene Problem allerdings nicht vollständig behoben. Wenn ich einen Plan für einen späteren Aufnahmezeitpunkt erstelle, wird die manuell eingestellte Bildfelddrehung weiterhin nicht wie gewünscht übernommen. Durch die neue Möglichkeit, die Rahmung nachträglich zu bearbeiten, lässt sich die gewünschte Rotation anschließend jedoch einstellen und auch beibehalten.
Weitere Neuerungen
Neben den vier genannten Funktionen bringt das Update noch weitere Änderungen mit:
- Photometrie: Eine neue Funktion, die zusätzliche Möglichkeiten für wissenschaftlich orientierte Auswertungen eröffnen könnte.
- What to Shoot Tonight: Empfehlungen für interessante Aufnahmeziele direkt auf dem Startbildschirm.
- Smart Tracking: Bewegte Objekte können automatisch erkannt und verfolgt werden. Auch eine kontinuierliche manuelle Auswahl wird unterstützt.
- Dark-Frame-Bibliothek: Die Verwaltung der Dark Frames und der Ablauf für Aufnahme und Kalibrierung wurden erweitert beziehungsweise optimiert.
- Sternspuren: Star-Trail-Videos unterstützen jetzt auch einen Effekt mit kometenähnlichen Spuren.
- Bedienung und Stabilität: Unter anderem wurden die Einstellungen innerhalb der Aufnahmemodi überarbeitet und die Stabilität der Fernverbindung verbessert.
Nicht jede dieser Funktionen wird für jeden Anwender gleich wichtig sein. Insgesamt zeigt das Changelog aber, dass ZWO die Software weiterentwickelt und neben der Aufnahme auch die Verarbeitung und Bedienung verbessert.
Fazit
Das neue App-Update bringt einige interessante Erweiterungen für die Seestar-Familie. Besonders das Kometen-Stacking, das Video-Stacking und die neuen Möglichkeiten bei der Mosaikplanung finde ich spannend.
Bei den meisten Neuerungen muss ich mich allerdings noch gedulden, bis ich sie selbst ausprobieren kann. Gerade beim Kometen-Stacking und beim Video-Stacking bin ich gespannt, wie gut die Funktionen in der Praxis arbeiten und ob sie tatsächlich einen Teil der bisherigen Nachbearbeitung am Computer ersetzen können.
Bei der Mosaikplanung konnte ich die neue Anpassungsmöglichkeit bereits kurz ausprobieren. Auch wenn das ursprüngliche Problem mit der Bildfelddrehung weiterhin besteht, lässt sich die gewünschte Rahmung damit nachträglich korrigieren. Das ist zumindest eine praktische Möglichkeit, damit umzugehen.
Es bleibt also spannend. Sobald ich weitere Erfahrungen mit den neuen Funktionen gesammelt habe, werde ich natürlich darüber berichten.
Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies!
Euer Dimi
























