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Dieser Artikel ist Teil meines 60-Tage-Praxistests zum ZWO Seestar S50 Pro*. Das Testgerät wurde mir für diesen Zeitraum von Astroshop / NIMAX GmbH zur Verfügung gestellt. Es handelte sich um keine Schenkung, und es gab keinerlei inhaltliche Vorgaben oder Einflussnahme auf meine Bewertung. Sämtliche Eindrücke, Urteile und Testergebnisse spiegeln ausschließlich meine persönliche, unbeeinflusste Meinung als Astrofotograf wider.
In meinem letzten Tagebucheintrag „S50 Pro Test – Tag 47: Wenn die Mosaikplanung plötzlich anders denkt“ hatte ich über die Probleme bei der Mosaikplanung meines Seestar S50 Pro berichtet. Die manuell eingestellte Bildfelddrehung wurde im Alt-Az-Modus teilweise nur ungenau, manchmal sogar völlig anders in den Aufnahmeplan übernommen.
Da ich trotz verschiedener Versuche keine Lösung finden konnte, hatte ich das Thema für mich erst einmal abgehakt. Mit den begrenzten Möglichkeiten, die mir die App bietet, kam ich einfach nicht weiter.
Doch manchmal kommt man einer möglichen Lösung näher, wenn man eigentlich gar nicht mehr danach sucht.
Eine zufällige Beobachtung
Gestern Abend hatte ich mein Seestar S50 Pro wieder aufgebaut, um die Gelegenheit für ein paar Aufnahmen zu nutzen. Geplant waren NGC 7635, der Blasennebel, und anschließend M45, die Plejaden.
Etwa 30 Minuten vor Aufnahmebeginn erstellte ich wie gewohnt meinen Aufnahmeplan. Dabei fiel mir auf, dass die manuell eingestellte Rahmung diesmal erstaunlich gut übernommen wurde. Bei NGC 7635 passte sie nahezu perfekt, bei M45 immerhin einigermaßen.

Darüber freute ich mich natürlich, machte mir aber zunächst keine weiteren Gedanken. Schließlich wollte ich fotografieren und nicht schon wieder nach einem Fehler in der App suchen.
Gegen 1 Uhr nachts entschloss ich mich dann allerdings, M45 vorzuziehen. Dafür löschte ich den bisherigen Aufnahmeplan und erstellte einen neuen, diesmal nur mit den Plejaden.

Und genau in diesem Moment machte es bei mir Klick!
Warum wurde die Bildfeldausrichtung bei M45 jetzt plötzlich so gut übernommen? Bei meinen bisherigen Planungen hatte ich teilweise erhebliche Abweichungen festgestellt. Diesmal funktionierte es dagegen fast perfekt.
Was war also anders?
Eigentlich nur eines: Ich hatte den neuen Plan unmittelbar vor dem geplanten Aufnahmebeginn erstellt.
Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass die Startzeit der Aufnahme möglicherweise etwas mit meinem Problem zu tun haben könnte. Vielleicht berücksichtigt die App bei der Mosaikplanung nicht richtig, wie sich die Orientierung eines Objekts am Himmel zwischen dem Zeitpunkt der Planung und dem tatsächlichen Aufnahmebeginn verändert.
Da die Aufnahmen bereits liefen, wollte ich nicht weiter in die Planung eingreifen. Stattdessen beschloss ich, dieser Vermutung am nächsten Tag in Ruhe auf den Grund zu gehen.
Ein gezielter Vergleich mit M31
Am darauffolgenden Morgen nahm ich mir deshalb noch einmal M31 vor. Die Andromedagalaxie hatte bereits bei meinen Versuchen an Tag 47 die auffälligsten Abweichungen gezeigt und eignete sich damit besonders gut für einen erneuten Vergleich.
Diesmal wollte ich allerdings nicht verschiedene Rahmungen ausprobieren, sondern gezielt untersuchen, ob die Startzeit der geplanten Aufnahme einen Einfluss auf die Ausrichtung des grauen Planungsrahmens hat.
Dazu stellte ich den roten Rahmen im SkyAtlas einmal auf die gewünschte Bildfeldausrichtung ein und übernahm diese Rahmung anschließend in zwei Aufnahmepläne mit unterschiedlichen Startzeiten.
Wichtig dabei: Die manuelle Rahmung blieb unverändert. Ich habe ausschließlich die Startzeit der geplanten Aufnahme geändert.
Bild 1: Meine gewünschte Rahmung
Zunächst drehte ich den roten Rahmen im SkyAtlas so, wie ich M31 später aufnehmen möchte. Diese Einstellung diente als Ausgangspunkt für den gesamten Vergleich.
Bild 2: Aufnahmebeginn zur aktuellen Uhrzeit
Anschließend übernahm ich die Rahmung in den Aufnahmeplan und wählte eine Startzeit, die ungefähr der tatsächlichen Uhrzeit während der Planung entsprach.
Und siehe da: Der graue Rahmen übernahm die gewünschte Bildfeldausrichtung nahezu exakt!
Bild 3: Aufnahmebeginn etwa 15 Stunden später
Jetzt änderte ich lediglich die Startzeit und verschob den geplanten Aufnahmebeginn um ungefähr 15 Stunden in den Abend. An der ursprünglich eingestellten Rahmung hatte ich nichts verändert.
Das Ergebnis war allerdings ein völlig anderes. Der graue Rahmen hatte sich deutlich verdreht und entsprach nicht mehr meiner gewünschten Bildfeldausrichtung.
Damit hatte ich zum ersten Mal einen konkreten Anhaltspunkt, der meine bisherigen Beobachtungen erklären könnte.
Die gewünschte Rahmung war bei beiden Planungen identisch. Der einzige bewusst veränderte Faktor war die Startzeit. Trotzdem wurde der graue Rahmen unterschiedlich ausgerichtet.
Meine Vermutung: Die Himmelsorientierung zum Aufnahmezeitpunkt
Ich vermute inzwischen, dass die App bei der Mosaikplanung zwar den manuell eingestellten Rotationswinkel speichert, diesen aber möglicherweise nicht korrekt mit der Himmelsorientierung zum geplanten Aufnahmezeitpunkt abgleicht.
Durch die Erdrotation verändert sich die scheinbare Position und Orientierung eines Himmelsobjekts relativ zum Horizont im Laufe der Nacht. Seine Himmelskoordinaten bleiben dabei praktisch unverändert, aber der Winkel, unter dem wir es am Himmel sehen, verändert sich.
Gerade im Alt-Az-Modus spielt diese sogenannte Bildfeldrotation eine wichtige Rolle.
Meine Theorie ist deshalb, dass die App die manuell eingestellte Drehung möglicherweise auf die aktuelle Darstellung im SkyAtlas bezieht, bei der Übernahme in den Aufnahmeplan aber nicht korrekt auf die Himmelsorientierung zum späteren Aufnahmebeginn umrechnet.
Das würde erklären, warum die Rahmung bei kurzfristig erstellten Plänen nahezu perfekt übernommen wird, bei einer Planung viele Stunden im Voraus dagegen teilweise erheblich abweicht.
Natürlich kann ich nicht sagen, ob die App intern tatsächlich so arbeitet. Meine Beobachtungen zeigen lediglich, dass die geplante Startzeit offenbar einen Einfluss auf die dargestellte Ausrichtung des grauen Rahmens hat.
Auch meine bisherigen Beobachtungen passen dazu
Wenn ich meine bisherigen Erfahrungen mit der Mosaikplanung noch einmal betrachte, würden sie durchaus zu dieser Vermutung passen. Mal wurde die Rahmung einigermaßen gut übernommen, mal lag sie völlig daneben. Möglicherweise lag der Unterschied die ganze Zeit darin, wie weit der geplante Aufnahmebeginn von der aktuellen Uhrzeit entfernt war.
Mein Fazit
Eigentlich hatte ich das Thema Mosaikplanung nach Tag 47 schon abgehakt. Umso überraschender war es für mich, dass ausgerechnet eine ganz normale Aufnahmenacht einen neuen Hinweis geliefert hat. Besonders der anschließende Vergleich mit M31 macht mich nachdenklich. Bei unveränderter manueller Rahmung genügte es, die Startzeit um etwa 15 Stunden zu verschieben, um eine deutlich andere Ausrichtung des grauen Planungsrahmens zu erhalten.
Für mich ist das inzwischen ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass die App möglicherweise Schwierigkeiten hat, die gewünschte Bildfelddrehung korrekt auf den späteren Aufnahmezeitpunkt zu übertragen. Ob ich damit tatsächlich die Ursache gefunden habe oder ob noch etwas anderes dahintersteckt, kann ich natürlich nicht sagen. Aber zumindest habe ich jetzt eine Vermutung, die zu meinen bisherigen Erfahrungen passt.
Ich hoffe, dass sich ZWO dieses Verhalten einmal genauer anschaut und gegebenenfalls mit einem zukünftigen App-Update korrigiert.
Habt ihr bei der Mosaikplanung im Alt-Az-Modus ähnliche Erfahrungen gemacht? Vielleicht könnt ihr einmal darauf achten, ob sich die Ausrichtung des grauen Rahmens ebenfalls verändert, wenn ihr bei gleicher manueller Rahmung lediglich die geplante Startzeit verschiebt.
Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies!
Euer Dimi



























