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Dieser Artikel ist Teil meines 60-Tage-Praxistests zum ZWO Seestar S50 Pro*. Das Testgerät wurde mir für diesen Zeitraum von Astroshop / NIMAX GmbH zur Verfügung gestellt. Es handelte sich um keine Schenkung, und es gab keinerlei inhaltliche Vorgaben oder Einflussnahme auf meine Bewertung. Sämtliche Eindrücke, Urteile und Testergebnisse spiegeln ausschließlich meine persönliche, unbeeinflusste Meinung als Astrofotograf wider.
Die letzten Tage hatte ich beim S50 Pro noch eine kleine offene Baustelle. Der Test im reinen EQ-Modus stand allerdings schon lange fest und scheiterte bisher lediglich an der fehlenden Schnellwechselplatte* für mein TH10*. Nachdem nun auch noch das Thema Sensor-Tilt aufgekommen war (siehe Tagebuch Eintrag Tag 32), bot sich der Test geradezu an. So konnte ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und nebenbei schauen, ob sich die auffälligen HFD-Werte unter anderen Bedingungen überhaupt reproduzieren lassen. Wobei ich daraus auch keine endlose Fehlersuche machen wollte. Meine bisherigen Aufnahmen sehen gut aus und zeigen keinen offensichtlich störenden optischen Fehler.
Und ich bin es auch nicht leid zu erwähnen, dass das S50 Pro für mich in erster Linie ein Spaßgerät mit Ambitionen zum Reiseteleskop ist. Ich möchte damit vor allem unkompliziert fotografieren und Spaß an der Astronomie haben. Wenn dabei am Ende auch noch richtig gute Bilder herauskommen, umso besser. Deshalb sehe ich keinen Sinn darin, mich wochenlang mit Messwerten zu beschäftigen, wenn sich aus den bisherigen Tests kein praktisch relevanter optischer Fehler ergibt.

Jetzt war die benötigte Schnellwechselplatte für das TH10 aber endlich da. Die Platte bei Astroshop hatte ich am 24. September bestellt und damit sogar später als die Platte direkt bei Seestar, die bereits am 18. September bestellt wurde. Bei der Seestar-Bestellung steht bis heute noch „In Vorbereitung“.

Erst einmal das Stativ ausrichten
Bevor es mit dem EQ-Test losgehen konnte, musste ich allerdings erst einmal herausfinden, wo bei meinem Stativ die tatsächliche Nullstellung liegt. Aus dem bisherigen Betrieb im Alt-Az-Modus wusste ich bereits, dass die eingebaute Libelle nicht stimmt. Für den EQ-Test wollte ich deshalb nicht einfach nach dieser Libelle ausrichten, sondern einen möglichst zuverlässigen Referenzpunkt schaffen.

Dafür habe ich mir zunächst eine wirklich waagerechte Plattform gebaut. Mit einer Holzplatte und entsprechenden Unterlagen bzw. Keilen konnte ich das S50 Pro darauf in alle Richtungen exakt ausrichten. Anschließend habe ich das S50 Pro über die Funktion „Adjust Level“ in der App auf dieser exakt waagerechten Fläche kalibriert.
Danach kam der interessante Teil. Ich habe das S50 Pro von der Holzplatte genommen und auf das originale Stativ geschraubt. Nun konnte ich schauen, wo die Blase der eingebauten Libelle tatsächlich steht, wenn das S50 Pro laut seiner elektronischen Ausrichtung exakt waagerecht ist.
Und siehe da: Die Blase stand deutlich außerhalb der Mitte. Genau diese Position habe ich anschließend mit einem kleinen Punkt auf dem Stativ markiert. Damit habe ich jetzt zumindest einen reproduzierbaren Nullpunkt, an dem ich mich beim Ausrichten des Stativs orientieren kann.

Erst danach habe ich das TH10 montiert. Dessen eigene Libelle konnte ich nun ebenfalls mit diesem markierten Nullpunkt vergleichen. Und dabei gab es tatsächlich noch eine kleine Überraschung: Das TH10 lag mit seiner Libelle erstaunlich genau auf dem ermittelten Nullpunkt – und damit sogar genauer als das originale Seestar-Stativ. Trotz der zusätzlichen Polhöhenwiege scheint die Wasserwaage des TH10 hier also die bessere Arbeit zu leisten.

Der erste Test
Nachdem alles aufgebaut und ausgerichtet war, ging es zunächst an M13. Ich wollte bewusst verschiedene Belichtungszeiten ausprobieren und habe deshalb Aufnahmen mit 10, 20, 30 und 60 Sekunden gemacht.
Dabei war für mich eine Sache besonders interessant. In meinem bisherigen Test hatte ich mich gefragt, ob sich der vermeintlich starke Sensor-Tilt vielleicht nur unter bestimmten Bedingungen zeigt. Deshalb habe ich mir die einzelnen Aufnahmen anschließend wieder in Siril angesehen und die HFD-Werte der vier Bildecken miteinander verglichen.
Und siehe da: Schon das 10-Sekunden-Bild sah diesmal völlig anders aus als mein damaliger IC1396A-Rohframe.

Die Werte lagen bei 3,33 – 3,41 – 3,34 – 3,17. Das ist für mich eine erstaunlich gleichmäßige Verteilung. Auch bei 20, 30 und 60 Sekunden blieben die Unterschiede überschaubar.

Natürlich ist auch das EQ-Ergebnis nicht mathematisch perfekt gleichmäßig. Beim 10-Sekunden-Bild liegen die HFD-Werte zwischen 3,17 und 3,41. Das entspricht gerade einmal einer Differenz von rund 7 Prozent zwischen der besten und schlechtesten Bildecke. Bei meinem damaligen IC1396A-Rohbild lagen die Werte dagegen zwischen 3,62 und 5,2 – hier beträgt die relative Differenz rund 36 Prozent. Das ist schon eine ganz andere Größenordnung und zeigt ziemlich deutlich, warum mich die erste Messung überhaupt so erschreckt hat.
Der zweite Tilt-Test
Genau deshalb war dieser Test für mich auch so interessant. Ich wollte vor allem wissen, ob sich der massive Effekt aus dem IC1396A-Rohbild unter anderen Bedingungen reproduzieren lässt. Das ist zumindest bei dieser 10-Sekunden-Aufnahme eindeutig nicht der Fall.
Um dabei nicht nur ein einzelnes Objekt in einer bestimmten Himmelsrichtung zu testen, habe ich anschließend noch SH2-142 angefahren. M13 stand zu diesem Zeitpunkt ungefähr im Westen, SH2-142 dagegen im Süden. Das S50 Pro musste für das zweite Objekt also einen ziemlich großen Schwenk machen.
Für diesen zweiten Tilt-Test habe ich den Dual-Narrowband-Filter zunächst weggelassen. Auch hier habe ich wieder einzelne Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten gemacht. Bei 20 Sekunden lagen die HFD-Werte zwischen 3,24 und 3,67, bei 60 Sekunden zwischen 3,20 und 3,52.

Damit zeigte sich auch bei diesem zweiten Objekt kein vergleichbarer Effekt wie bei meinem damaligen IC1396A-Rohbild. Die Unterschiede zwischen den Bildecken sind zwar vorhanden, bewegen sich für mich aber in einer völlig anderen Größenordnung.
Mit zwei Objekten in unterschiedlichen Himmelsrichtungen und Belichtungszeiten von 20 und 60 Sekunden hatte ich damit eigentlich einen ganz guten Gegencheck. Eine massive Verkippung konnte ich jedenfalls nicht reproduzieren. Für mich war der eigentliche EQ-Test damit bereits ziemlich aufschlussreich.
Welche Belichtungszeit verwendet der Plan?
Nachdem die Tilt-Tests für mich erst einmal erledigt waren, wollte ich den EQ-Modus natürlich auch noch einmal so nutzen, wie ich das S50 Pro normalerweise einsetzen würde. Also nicht nur ein paar Einzelaufnahmen machen, sondern einen richtigen Plan über die Nacht laufen lassen.
Dabei war ich vorher auf eine kleine Unsicherheit gestoßen. Beim Erstellen eines Plans kann man die Belichtungszeit nämlich nicht direkt auswählen. Ich hatte deshalb zunächst befürchtet, dass im Plan immer mit den standardmäßig eingestellten 10 Sekunden aufgenommen wird.
Zum Glück ist das nicht so. Der Plan übernimmt einfach die zuletzt ausgewählte Belichtungszeit. Wenn ich also vorher 20 oder 60 Sekunden einstelle, verwendet der anschließende Plan auch diese Belichtungszeit. Während der laufenden Planung kann man sie zwar nicht mehr ändern, aber das ist für mich eigentlich kein Problem. Man muss eben vorher die gewünschte Zeit einstellen.

SH2-142 bei Vollmond
Als Ziel für die Nacht habe ich mir erneut SH2-142, den Wizardnebel, ausgesucht. Diesmal allerdings nicht mehr für einen Tilt-Test, sondern als ganz normale Aufnahme über mehrere Stunden. Mir war dabei durchaus bewusst, dass der Dual-Narrowband-Filter unter den herrschenden Bedingungen einiges zu tun bekommen würde. Bei der kleinen Optik des S50 Pro ist die Filteröffnung relativ breit, sodass das helle Mondlicht bei Vollmond natürlich trotzdem ordentlich ins System kommt.
Genau das wollte ich aber auch einmal ausprobieren. Wie gut funktioniert das S50 Pro mit dem Dual-Narrowband-Filter, wenn der Mond praktisch die ganze Nacht mitmischt?
Der Plan lief über mehrere Stunden und sammelte dabei mit 20 Sekunden pro Einzelaufnahme Daten. Ob während der Nacht tatsächlich durchgehend klare Bedingungen herrschten, kann ich allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Laut Wetterbericht waren zumindest zeitweise Wolken möglich.
Das Ergebnis hat mich trotz der schwierigen Bedingungen durchaus positiv überrascht. Der Gradient ist allerdings unübersehbar. Das dürfte bei Vollmond und der relativ kleinen Optik des S50 Pro auch kaum anders zu erwarten sein.
Trotzdem bin ich mit dem Ergebnis der Nacht zufrieden. Schließlich ging es mir hier nicht darum, unter optimalen Bedingungen das bestmögliche SH2-142-Bild zu produzieren. Ich wollte vielmehr sehen, wie sich das S50 Pro im EQ-Modus über viele Stunden schlägt und was der Dual-Narrowband-Filter bei Vollmond noch herausholen kann.
Und auch hier zeigt sich für mich wieder, dass man die kleinen Geräte durchaus etwas fordern kann. Perfekt ist das Ergebnis unter diesen Bedingungen natürlich nicht, aber der Wizardnebel ist klar erkennbar und es steckt einiges an Struktur in den Daten.
Und damit wäre der EQ-Test für mich erledigt
Damit habe ich jetzt tatsächlich beide Dinge erledigt, die ich mit dem EQ-Test ausprobieren wollte. Zum einen wollte ich sehen, wie sich das S50 Pro auf dem TH10 im reinen EQ-Modus verhält. Zum anderen bot sich die Gelegenheit, den auffälligen Sensor-Tilt aus meinem letzten Test noch einmal unter anderen Bedingungen zu überprüfen.
Und zumindest diesen Teil kann ich für mich erst einmal abhaken. Die massiven HFD-Unterschiede aus dem damaligen IC1396A-Rohbild konnte ich weder bei M13 noch bei SH2-142 reproduzieren. Einen gewissen Unterschied zwischen den Bildecken gibt es durchaus, aber für mich ist das bei diesem kleinen und sehr kompakten System völlig im Rahmen.
Was damals genau zu den auffälligen Werten geführt hat, werde ich vermutlich nicht mehr herausfinden. Vielleicht waren es Seeing, Fokus, Signalqualität oder eine Kombination mehrerer Faktoren. Ich sehe aber auch keinen großen Sinn darin, jetzt noch wochenlang nach der Ursache zu suchen.
Der EQ-Modus funktioniert, 20 und 60 Sekunden sind auch als Einzelaufnahmen möglich und der Plan übernimmt die zuvor eingestellte Belichtungszeit. Und vor allem: Das S50 Pro macht Bilder, mit denen ich weiterhin sehr zufrieden bin.
Damit ist für mich das Thema Sensor-Tilt erst einmal abgehakt.
CS, Dimi


























