Seestar S50 Pro im Test – Meine Erfahrungen aus 60 Tagen Praxis

Das Seestar S50 Pro ist die Weiterentwicklung des bekannten Seestar S50 und soll die Astrofotografie noch einfacher und vielseitiger machen. Doch was kann das Smart-Teleskop wirklich? Lohnt sich der Kauf für Einsteiger und ist ein Wechsel vom bisherigen S50 oder einem anderen Smart-Teleskop sinnvoll?

Ich hatte die Möglichkeit, das Seestar S50 Pro über 60 Tage im praktischen Einsatz zu testen. Dabei ging es mir nicht nur darum, möglichst schöne Bilder aufzunehmen. Ich wollte auch herausfinden, wie sich das Gerät im Alltag schlägt, welche Funktionen wirklich überzeugen und wo es noch Schwächen gibt.

In dieser Zeit habe ich unter anderem den Alt-Az- und den EQ-Modus ausprobiert, mich mit der Mosaikplanung beschäftigt und die Bildqualität sowie den möglichen Sensor-Tilt genauer untersucht. Nicht jede Funktion konnte ich ausführlich testen, aber es sind einige Erfahrungen zusammengekommen, die bei der Kaufentscheidung helfen können.

In diesem Artikel fasse ich meine wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Dabei geht es nicht um einen Labortest mit Messwerten unter kontrollierten Bedingungen, sondern um meine persönlichen Erfahrungen aus der Praxis – mit den Dingen, die mir am Seestar S50 Pro gefallen haben, und denen, die mich weniger überzeugt haben.

Hinweis zum Test: Das Testgerät wurde mir von Astroshop* (NIMAX GmbH) für einen 60-tägigen Praxistest zur Verfügung gestellt. Es wurde mir nicht geschenkt, und auf meine Einschätzung oder die Inhalte meiner Berichte wurde kein Einfluss genommen.

Lieferumfang – Was bekommt man?

Das Seestar S50 Pro* wird mit dem wichtigsten Zubehör geliefert. Nach dem Auspacken und Laden kann man im Grunde direkt loslegen. Ein zusätzliches Netzteil für die Steckdose ist allerdings nicht enthalten.

Das Seestar S50 Pro mit dem mitgelieferten Zubehör und dem Transportkoffer

Im Lieferumfang des Seestar S50 Pro befinden sich:

  • Seestar S50 Pro
  • Stativ
  • Transportkoffer
  • Sonnenfilter
  • USB-C-Kabel
  • Kurzanleitung
  • Sicherheitshinweise
  • Astronomie-Aufkleber

Der Lieferumfang ist zweckmäßig und auf das Nötigste beschränkt. Alles, was man für den Einstieg braucht, ist dabei. Große Überraschungen gibt es hier nicht, aber das Wichtigste ist vorhanden.

Technische Daten – Seestar S50 Pro

Bevor wir uns die Erfahrungen aus der Praxis ansehen, zunächst die wichtigsten technischen Daten des Seestar S50 Pro im Überblick.

EigenschaftTechnische Daten
Optisches System4-Element-Apochromat (APO) mit ED-Glas
Öffnung50 mm
Brennweite (Tele)260 mm (f/5,2)
KamerasystemDual-Kamera (Tele und Weitwinkel)
Hauptsensor (Tele)1/1,2″ CMOS, 8,3 MP (3840 × 2160 Pixel)
Sichtfeld Tele (FOV)2,8°
Weitwinkelsensor1/2,0″ CMOS (Sony IMX586, 8,3 MP)
Sichtfeld Weitwinkel (FOV)63°
Interne FilterUV/IR-Sperrfilter,
Dualbandfilter (O III/Hα),
Dark-Frame-Shutter
FokussierungAutomatischer und manueller Fokus
Montierung und NachführungAlt-Azimut standardmäßig,
EQ-Modus mit entsprechendem Zubehör
Interner Speicher128 GB eMMC
DateiformateBilder: JPEG, FITS
Video: MP4, AVI
KonnektivitätWLAN (2,4/5 GHz),
Bluetooth,
NFC,
USB-C
Akku und Laufzeit10.000 mAh Li-Ion, bis zu 9 Stunden Betrieb
Abmessungen140 × 149 × 268 mm
GewichtCa. 2,8 kg
StativanschlussStandard 3/8″-Gewinde

Verarbeitung, Aufbau und Bedienung

Verarbeitung und Design

Das S50 Pro ist zweckmäßig aufgebaut, aber kein Gerät, bei dem man den Eindruck hat, dass besonders viel Wert auf ein möglichst kompaktes oder ausgefallenes Gehäusedesign gelegt wurde. Hier gilt ganz klar: Form follows function.

Auch der verwendete Kunststoff passt zu diesem Eindruck. Er wirkt durchaus robust, vermittelt aber nicht ganz die Stabilität, die man aufgrund des recht massiven Gehäuses vielleicht erwarten würde. Fast könnte man meinen, die Technik sei zuerst fertig entwickelt und anschließend einfach ein passendes Gehäuse darum gebaut worden.

Das funktionale Gehäusedesign zeigt sich auch im aufgebauten Zustand.

Im direkten Vergleich fand ich beispielsweise das Dwarf Mini deutlich ansprechender. Das Design ist für mich deshalb keine Stärke des Seestar S50 Pro. Es erfüllt seinen Zweck, aber einen Schönheitspreis gewinnt es nicht.

Aufbau und Transport

Beim Aufbau sieht die Sache schon ganz anders aus. Hier macht es Seestar dem Nutzer wirklich einfach. Das Teleskop ist schnell aufgestellt und benötigt nur wenige Handgriffe, bevor es einsatzbereit ist. Vom Auspacken bis zum ersten Livebild vergehen normalerweise weniger als fünf Minuten, sofern nicht gerade ein Firmware-Update ansteht.

Auch beim Transport bleibt Seestar seiner bisherigen Linie treu. Der bekannte EPP-Koffer wurde praktisch unverändert übernommen. Er erfüllt seinen Zweck und schützt das Gerät, wirkt aber ebenso wenig wie das Teleskop selbst wie eine echte Weiterentwicklung. Hier hätte ich mir für die Pro-Version etwas mehr gewünscht. Die Verschlüsse haben bei mir bisher zwar gehalten, machen auf mich aber keinen besonders vertrauenswürdigen Eindruck. Gerade beim Transport möchte ich mich darauf verlassen können, dass der Koffer sicher geschlossen bleibt.

Die Verschlüsse wirken auf mich weniger vertrauenerweckend als der Koffer selbst

Das Carbon-Stativ ist dagegen ein echtes Plus. Es wirkt hochwertig, ist stabil und lässt sich durch die verstellbare Beinspreizung auch flacher aufstellen. Das ist nicht nur praktisch, sondern gerade für den Einsatz im EQ-Modus mit dem TH10 nahezu unabdingbar.

Bedienung und Einstieg

Auch bei der Bedienung zeigt sich, wie einfach Seestar den Einstieg gestaltet. Schon die erste Verbindung mit dem Smartphone funktioniert dank NFC ausgesprochen schnell. Smartphone kurz an das Teleskop halten, die Verbindung bestätigen und schon kann es losgehen. Anschließend sind es nur noch wenige Schritte bis zur Auswahl des gewünschten Objekts.

Zusammen mit dem unkomplizierten Aufbau ist der Einstieg damit wirklich einfach. Man muss sich nicht erst lange mit der Technik beschäftigen, sondern kann sich schnell auf das Wesentliche konzentrieren: die Beobachtung und die Astrofotografie.

Wie gut die App bei der eigentlichen Aufnahme, der Planung und den verschiedenen Funktionen arbeitet, schauen wir uns später noch genauer an.

Bildqualität in der Praxis

Eine der größten Stärken des Seestar S50 Pro ist für mich, wie schnell man zu ansehnlichen Ergebnissen kommt. Man wählt ein Objekt aus, startet die Aufnahme und kann praktisch dabei zusehen, wie sich das Bild nach und nach aufbaut. Die App unterstützt dabei sogar bei der Planung und gibt eine Empfehlung, wie lange ein Objekt belichtet werden sollte. Ist die geplante Zeit unter den gegebenen Bedingungen voraussichtlich zu kurz, weist sie darauf hin.

Auch die automatische Objektsuche über Plate Solving hat bei meinen Tests zuverlässig funktioniert. Bei klarem Himmel konnte ich die gewünschten Objekte problemlos anfahren. Selbst durchziehende Schleierwolken sind nicht automatisch das Ende einer Aufnahmeserie. Das Live-Stacking kommt mit solchen wechselnden Bedingungen erstaunlich gut zurecht.

Noch nicht ganz fertig: Live-Stacking im Mosaik-Modus

Auch bei Satellitenspuren funktioniert die automatische Erkennung meistens gut. Ganz fehlerfrei ist sie allerdings nicht: In einzelnen fertigen Stacks habe ich schon eine schmale Spur entdeckt. Das kam bei meinen Aufnahmen aber nur selten vor.

Bildbearbeitung direkt in der App

Nach der Aufnahme muss man das Bild nicht zwingend am Computer bearbeiten. Die Seestar-App bietet dafür bereits einige Möglichkeiten. Besonders praktisch finde ich die sogenannte Zauberstab-Funktion, die das Bild mit einem einzigen Schritt automatisch optimiert.

Dabei handelt es sich nicht einfach nur um eine Kontrastanhebung. Die Funktion kombiniert mehrere Verarbeitungsschritte, darunter eine Rauschreduzierung und eine Optimierung der Sternabbildung. Zusätzlich kann man die Sterne gezielt verkleinern oder sogar vollständig entfernen. Dadurch treten die Strukturen des eigentlichen Deep-Sky-Objekts stärker hervor. Auch Helligkeit, Kontrast und Farbsättigung lassen sich anschließend noch anpassen.

Die Ergebnisse sind inzwischen deutlich besser als noch vor einem Jahr. Das zeigt auch mein Vergleich von IC 1396A mit dem ursprünglichen Seestar S50 und dem S50 Pro. Die interne Bildbearbeitung hat sich in dieser Zeit spürbar weiterentwickelt. Allerdings muss man bei diesem Vergleich berücksichtigen, dass nicht nur die Software, sondern auch die Gerätegeneration unterschiedlich ist.

Wie viel steckt noch in den Rohdaten?

Wer mehr aus seinen Aufnahmen herausholen möchte, kann die gespeicherten Einzelbilder beziehungsweise Rohdaten auch mit externer Software bearbeiten. Wie viel Potenzial darin steckt, zeigt mein IC-1396A-Stack aus dem Seestar S50 Pro. Ein Leser hat sich freundlicherweise die Daten vorgenommen und das Bild extern bearbeitet. Dafür an dieser Stelle noch einmal vielen Dank!

Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, welches zusätzliche Potenzial in den Aufnahmen steckt. Den ursprünglichen Versuch mit den Rohdaten und die Entstehung des Stacks hatte ich bereits in meinem Tagebucheintrag zur ersten Siril-Bearbeitung beschrieben (Zum Tagebucheintrag).

IC 1396A – dieselben Aufnahmedaten, diesmal extern von einem Leser bearbeitet

Der Unterschied ist deutlich zu sehen. Während die App bereits ein ansprechendes Ergebnis liefert, bietet die externe Bearbeitung wesentlich mehr Kontrolle über den Hintergrund, die Nebelstrukturen, die Farben und die Sterne. Gerade wenn man sich intensiver mit der Astrofotografie beschäftigen möchte, ist das ein großer Vorteil.

Das Seestar nimmt einem also viel Arbeit ab, zwingt einen aber nicht dazu, ausschließlich mit der internen Bildbearbeitung zu arbeiten. Die Rohdaten bleiben eine wichtige Grundlage für alle, die später selbst Hand anlegen möchten.

App und Funktionen

Eine App, die den Einstieg leicht macht

Bei der Software zeigt sich für mich eine der größten Stärken des Seestar S50 Pro. ZWO hat es geschafft, die Bedienung weitgehend einfach und übersichtlich zu halten. Schon die erste Verbindung über NFC funktioniert innerhalb weniger Sekunden. Smartphone kurz an das Seestar halten, Verbindung bestätigen und schon kann es losgehen.

Die Verbindung zum Seestar S50 Pro erfolgt über NFC – Smartphone kurz an das Gerät halten und die Kopplung bestätigen

Auch bei der Bedienung setzt sich dieser Eindruck fort. Man wird nicht mit unzähligen Einstellmöglichkeiten konfrontiert, sondern findet sich relativ schnell zurecht. Das ist meiner Meinung nach auch eine bewusste Entscheidung von ZWO und keineswegs ein Nachteil. Natürlich bietet beispielsweise das Dwarf deutlich mehr Möglichkeiten, selbst Einfluss auf verschiedene Einstellungen zu nehmen. Aber muss ein Einsteigergerät wirklich jede erdenkliche Option bieten? Ich denke nicht.

Gerade wer sich bisher noch nicht intensiver mit Astrofotografie beschäftigt hat, profitiert davon, dass ihm viele Entscheidungen von der Software abgenommen werden. Objekt auswählen, Aufnahme starten und zusehen, wie sich das Bild langsam aufbaut. Genau das macht den Einstieg so unkompliziert.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die App keine Schwächen hat. Gerade bei der Objektplanung und dem Mosaikmodus bin ich während meines Tests auf einige Eigenheiten gestoßen. Dazu aber gleich mehr.

Unterm Strich gefällt mir dieser Ansatz ausgesprochen gut. Ich bin kein Freund davon, möglichst viele Einstellmöglichkeiten nur um ihrer selbst willen anzubieten. Das Seestar S50 Pro soll den Einstieg in die Astrofotografie erleichtern und genau das gelingt ZWO aus meiner Sicht sehr gut.

Objektplanung und Mosaikmodus

Neben der einfachen Auswahl einzelner Objekte bietet die App auch umfangreichere Planungsmöglichkeiten. Besonders der Mosaikmodus ist eine interessante Funktion, wenn das gewünschte Objekt nicht vollständig in das vergleichsweise kleine Bildfeld passt. Damit lassen sich größere Himmelsbereiche aufnehmen, ohne dass man sich selbst um die einzelnen Bildausschnitte kümmern muss.

Auch die Planung mehrerer Objekte und Aufnahmezeiten ist praktisch. Man kann seine Beobachtungsnacht vorbereiten und das Seestar anschließend die geplanten Aufgaben abarbeiten lassen. Das macht die App gerade für längere Aufnahmen interessant.

Ganz ohne Schwierigkeiten lief das bei mir allerdings nicht. Während meines Tests trat ein Problem bei der Übernahme der eingestellten Bildfelddrehung in die Mosaikplanung auf. Die gewünschte Rotation wurde beim erstmaligen Erstellen eines Plans nicht korrekt übernommen. Mit einem späteren App-Update kam immerhin die Möglichkeit hinzu, die Drehung beim erneuten Aufrufen des Objekts innerhalb des Plans nachträglich anzupassen und zu speichern. Das funktioniert inzwischen zuverlässig, bedeutet allerdings einen zusätzlichen Schritt, den man sich bei einer korrekten Übernahme direkt bei der Planung sparen könnte.

Die Bildfelddrehung lässt sich nachträglich innerhalb eines bestehenden Plans anpassen und speichern

Ob sich die Ursache so einfach beheben lässt, kann ich natürlich nicht beurteilen. Das der Seestar inzwischen eine Möglichkeit zur nachträglichen Korrektur der Bildfelddrehung geschaffen hat, zeigt immerhin, dass man sich der Problematik angenommen hat. Allerdings ist es offenbar nicht gelungen, diese Korrekturmöglichkeit auch direkt in die ursprüngliche Planung zu integrieren. Eine korrekte Übernahme der eingestellten Bildfelddrehung von Anfang an wäre natürlich die bessere Lösung.

Wer sich genauer für den Fehler und meine Tests interessiert, findet die Hintergründe in meinem Tagebucheintrag zur Mosaikplanung.

Remote-Modus – für mich ein echtes Highlight

Eine Funktion, die mich während des Tests besonders begeistert hat, ist der Remote-Modus. Damit lässt sich das Seestar über das ZWO Telescope Network auch aus der Ferne steuern. Voraussetzung ist, dass das Gerät mit dem heimischen Netzwerk verbunden bleibt und eine Internetverbindung hat.

Was zunächst nach einer netten Zusatzfunktion klingt, entpuppt sich in der Praxis als echter Mehrwert. Während einer Aufnahmeserie kann ich von unterwegs auf das Seestar zugreifen, den aktuellen Stand kontrollieren und bei Bedarf eingreifen. Gerade bei wechselhaftem Wetter ist das ausgesprochen praktisch.

Bei meinem ersten größeren Test war ich selbst auf einem Fest, während das Seestar zu Hause auf dem Dach stand. Über die Remote-Verbindung konnte ich sehen, dass gerade Wolken durchzogen. Statt die Aufnahme unbrauchbar weiterlaufen zu lassen, konnte ich aus der Entfernung reagieren, den Stack stoppen und eine spätere Wolkenlücke nutzen.

Auch von unterwegs lässt sich das aktuelle Live-Bild des Seestar S50 Pro über die App kontrollieren – hier während eines Festbesuchs

Das hat mich wirklich begeistert. Ohne zusätzliche Software oder einen separaten Rechner direkt über die Seestar-App auf das eigene Teleskop zugreifen zu können, ist für mich eine der gelungensten Funktionen des gesamten Systems. Der Remote-Modus gehört deshalb definitiv zu meinen persönlichen Highlights.

Mein Eindruck der Software

Natürlich ist nicht alles perfekt. Die Probleme bei der Mosaikplanung zeigen, dass es bei der Software noch Verbesserungsbedarf gibt. Auch manche Neuerungen und Funktionen müssen sich erst noch im längeren Praxiseinsatz beweisen.

Trotzdem überwiegen für mich ganz klar die positiven Erfahrungen. Die App ist übersichtlich, der Einstieg gelingt schnell und die wichtigsten Funktionen sind ohne große Einarbeitung erreichbar. Gerade die bewusst reduzierte Bedienung empfinde ich nicht als Einschränkung, sondern als Teil des Konzepts.

ZWO muss aus meiner Sicht nicht versuchen, jede denkbare Einstellmöglichkeit einzubauen. Viel wichtiger ist, dass die vorhandenen Funktionen zuverlässig arbeiten. Und daran darf gerne noch weiter gefeilt werden.

EQ-Modus – sinnvoller Mehrwert?

Der EQ-Modus ist eine der interessanten Möglichkeiten des Seestar S50 Pro. Allerdings sollte man dabei eines nicht vergessen: Er lässt sich nicht einfach per App aktivieren. Für den Betrieb in der äquatorialen Ausrichtung wird zusätzliche Hardware benötigt. Ich habe dafür den ZWO-Videoneiger TH10* verwendet. Dieser ist allerdings nicht im Lieferumfang enthalten und schlägt als zusätzliche Anschaffung durchaus zu Buche.

Der ZWO TH10 den ich für meine Tests im EQ-Modus verwendet habe

Der Wechsel in den EQ-Modus ist anschließend weniger kompliziert, als man vielleicht vermuten würde. Die App führt einen Schritt für Schritt durch die notwendige Ausrichtung und Einrichtung. Hat man den passenden Aufbau erst einmal vorbereitet, hält sich der zusätzliche Aufwand in Grenzen. Wie das Ganze in der Praxis abläuft, habe ich in meinem Tagebucheintrag zum ersten EQ-Test ausführlicher beschrieben.

Der größte Vorteil liegt für mich in der möglichen Steigerung der Gesamtbelichtungszeit. Unter passenden Bedingungen kann man damit innerhalb einer Nacht durchaus 50 % mehr Belichtungszeit erreichen. Besonders interessant ist das, wenn man den ursprünglichen Bildausschnitt beibehalten möchte und nicht durch eine spätere Beschneidung Bildfläche verlieren will.

Bei guter Polausrichtung sind im EQ-Modus übrigens auch Einzelbelichtungen von 60 Sekunden durchaus praktikabel. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber dem Alt-Az-Modus. Ich selbst bevorzuge allerdings weiterhin Belichtungszeiten von 20 bis 30 Sekunden. Für meine Aufnahmen ist das ein guter Kompromiss, und ich sehe momentan keinen zwingenden Grund, die Einzelbelichtungen weiter auszudehnen. Der EQ-Modus bietet also durchaus Reserven, die man bei Bedarf nutzen kann, aber nicht zwangsläufig ausschöpfen muss.

Das Seestar S50 Pro im EQ-Aufbau. Vor der eigentlichen Ausrichtung muss es dunkel genug für das Plate Solving sein

Allerdings sollte man diesen Vorteil gerade als Einsteiger nicht überbewerten. Mehr Belichtungszeit bedeutet nicht automatisch, dass ein Bild aus der Seestar-App heraus entsprechend heller oder schöner wird. Der sichtbare Helligkeits- und Qualitätseindruck nimmt mit zunehmender Belichtungszeit immer weniger stark zu. Eine Verdoppelung der Belichtungszeit führt eben nicht zu einem doppelt so hell oder doppelt so eindrucksvoll wirkenden Bild.

Anders sieht es aus, wenn man die Aufnahmen später auf den PC überträgt und mit Programmen wie Siril oder PixInsight weiterbearbeitet. Auch wenn man die Einzelbilder extern stackt, kann die längere Gesamtbelichtungszeit einen spürbaren Unterschied machen. Das zusätzliche Signal lässt sich bei der externen Bearbeitung besser nutzen, und der EQ-Modus spielt seine Stärken deutlicher aus.

Die extern gespeicherten Aufnahmen lassen sich beispielsweise mit Siril am Computer weiterverarbeiten

Für Bilder, die direkt aus der App kommen und ohne weitere Bearbeitung genutzt werden, ist der normale Alt-Az-Modus meiner Meinung nach aber bereits mehr als brauchbar. Hinzu kommt ein praktischer Unterschied beim Aufbau: Im Alt-Az-Modus kann man das Seestar bereits tagsüber aufstellen und vorbereiten. Für die Ausrichtung im EQ-Modus ist dagegen mindestens die späte Dämmerung erforderlich, damit das Plate Solving zuverlässig funktioniert.

Einen weiteren Punkt sollte man beim Zubehör beachten: Die mitgelieferte Gewindereduzierung von 3/8 auf 1/4 Zoll ist für den EQ-Betrieb nicht ausreichend. Durch die Schräglage wirkt das Gewicht des Seestar seitlich auf die Verbindung. Die kleine Reduzierhülse bietet zu wenig Auflagefläche und Reibung, sodass sich das Gerät trotz fest angezogener Schraube verdrehen kann. Bei mir führte das sogar zu deutlichen Strichspuren in den Aufnahmen. Für einen sicheren Betrieb empfehle ich deshalb die passende ZWO-Schnellwechselplatte* mit nativem 3/8-Zoll-Gewinde.

Mein Fazit zum EQ-Modus fällt deshalb etwas differenzierter aus: Technisch ist er durchaus ein Mehrwert und eröffnet vor allem bei der späteren Bildbearbeitung zusätzliche Möglichkeiten. Man sollte aber die Kosten für den TH10 und den zusätzlichen Aufbau berücksichtigen. Gerade Einsteiger sollten sich davon nicht zu viel versprechen. Wer seine Bilder hauptsächlich direkt aus der App heraus nutzt, wird mit dem normalen Alt-Az-Modus bereits sehr gute Ergebnisse erzielen. Der EQ-Modus ist für mich deshalb eher eine interessante Erweiterung für diejenigen, die später tiefer in die Astrofotografie einsteigen möchten.

Besondere Funktionen und nicht vollständig getestete Features

Neben der eigentlichen Deep-Sky-Fotografie bietet das Seestar S50 Pro noch einige zusätzliche Funktionen, die im bisherigen Test vielleicht etwas zu kurz gekommen sind. Besonders die integrierte Weitwinkelkamera verdient dabei eine eigene Erwähnung.

Die Weitwinkelkamera – Milchstraße einmal anders

Die Weitwinkelkamera ist für mich eine wirklich schöne Ergänzung. Gerade Milchstraßenaufnahmen machen damit Spaß und laden zum Experimentieren ein. Anders als bei der Telekamera geht es hier nicht darum, ein bestimmtes Deep-Sky-Objekt möglichst detailreich abzubilden. Vielmehr kann man die Milchstraße zusammen mit einem passenden Vordergrund in Szene setzen.

Das eröffnet interessante Möglichkeiten für etwas andere Astrofotos. Besonders reizvoll finde ich dabei die Kombination aus Sternenhimmel und Landschaft beziehungsweise Gebäuden. Mein eigenes Milchstraßenfoto mit der Sternwartenkuppel ist dafür ein gutes Beispiel.

Natürlich hat auch die Weitwinkelkamera ihre Grenzen. Aufgrund des vergleichsweise kleinen Sensors sollte der Himmel möglichst dunkel sein. Mondlicht oder stärkere Lichtverschmutzung machen sich hier schnell bemerkbar. Trotzdem glaube ich, dass es selten so einfach war, mit einem Smart-Teleskop ein ansprechendes Milchstraßenporträt zu erstellen.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Tele- und Weitwinkelkamera lassen sich nicht gleichzeitig nutzen. Gerade diese Kombination wäre ausgesprochen interessant, um beispielsweise ein Deep-Sky-Objekt zusammen mit einem größeren Ausschnitt des Himmels aufzunehmen. Erste Erfahrungen mit der Weitwinkelkamera hatte ich bereits bei meinem Mosaik-Test gesammelt. Die Milchstraße möchte ich aber unbedingt noch einmal unter wirklich dunklem Himmel und ohne Mondlicht aufnehmen. Da ist sicherlich noch einiges möglich.

Weitere Funktionen – nicht alles konnte ich ausprobieren

Das Seestar S50 Pro bietet darüber hinaus noch einige Funktionen, die ich während meiner 60-tägigen Testphase leider nicht ausreichend ausprobieren konnte. Dazu gehören beispielsweise das Stacking für Startrails und Kometen. Auch die Funktion „What to Shoot Tonight“ konnte ich bisher noch nicht testen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch keine Bewertung abgeben, die sich nicht auf eigene Erfahrungen stützt.

Sonnen-Stacking – ein echter Mehrwert

Das Sonnen-Stacking habe ich ebenfalls ausprobiert. Dabei werden mehrere Einzelaufnahmen direkt in der Seestar-App zusammengeführt. Im Vergleich zu einer einzelnen Aufnahme lässt sich damit ein sichtbar besseres Ergebnis erzielen. Besonders praktisch finde ich, dass man dafür nicht erst die Aufnahmen auf den PC übertragen und mit zusätzlicher Software wie AutoStakkert! bearbeiten muss.

Das Sonnen-Stacking direkt in der Seestar-App

Besonders angenehm finde ich, dass das Stacking-Ergebnis durchaus überzeugen kann. Auch die anschließende Bildbearbeitung ist direkt in der Seestar-App möglich. Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung und Schärfe lassen sich dort noch anpassen. Diese Bearbeitungsmöglichkeiten stehen allerdings erst nach dem Stacking zur Verfügung. Damit bekommt man vom Zusammenführen der Aufnahmen bis zur anschließenden Bildbearbeitung alles direkt in der App geboten. Gerade für Nutzer, die möglichst unkompliziert zu einem fertigen Ergebnis kommen möchten, ist das ein echter Mehrwert.

Die Vorgehensweise dürfte sich bei Mondaufnahmen grundsätzlich nicht wesentlich unterscheiden. Diese habe ich allerdings ebenso wenig ausführlich getestet wie Planetenaufnahmen. Gerade bei Planeten bin ich aber etwas skeptisch, was die Möglichkeiten des Seestar angeht. Mit 260 mm Brennweite ist die Optik dafür relativ kurz ausgelegt. Ich vermute deshalb, dass sich hier nur begrenzte Details erzielen lassen und auch das Stacking die fehlende Auflösung nicht ausgleichen kann. Das ist allerdings eine Einschätzung und kein Ergebnis aus einem eigenen Test.

Meinen ersten Versuch dazu findet ihr in meinem abschließenden Tagebucheintrag zum 60. Testtag.

Schwächen und Kritikpunkte

Natürlich ist auch beim Seestar S50 Pro nicht alles perfekt. Während meines 60-tägigen Tests sind mir einige Punkte aufgefallen, die ich kritisch sehe. Nicht alles davon ist ein grundsätzlicher Mangel des Gerätes. Manche Kritikpunkte betreffen auch die Software und ihre noch nicht ganz ausgereiften Funktionen.

Mosaikplanung und Software-Eigenheiten

Die Schwierigkeiten mit der Bildfelddrehung bei der Mosaikplanung habe ich bereits im Kapitel zur App ausführlicher beschrieben. Deshalb möchte ich das an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholen. Es zeigt aber, dass die Software trotz ihrer grundsätzlich sehr guten Bedienbarkeit noch einige Ecken und Kanten hat.

Ein weiteres Beispiel ist die Funktion „AI Auto-Plan“. Die Idee dahinter klingt zunächst durchaus interessant: Die App soll passende Beobachtungsziele auswählen und daraus automatisch einen Aufnahmeplan erstellen. In meinem Test war das Ergebnis allerdings alles andere als überzeugend.

Der AI Auto-Plan in der Praxis: M31 taucht mehrfach im Aufnahmeplan auf, ohne dass ein sinnvoller Mosaikplan erstellt wird

So schlug mir die automatische Planung beispielsweise Galaxien mitten im hellsten Mondlicht vor. Außerdem wurden die Belichtungszeiten teilweise in völlig unpraktische Ein-Stunden-Blöcke aufgeteilt, und ein und dasselbe Objekt tauchte unter unterschiedlichen Katalognummern mehrfach im Plan auf. Besonders unverständlich fand ich, dass die Funktion bei größeren Objekten wie M31 kein Mosaik plante, sondern lediglich einen einzelnen Ausschnitt auswählte. Gerade hier hätte ich von einer intelligenten Planung erwartet, dass das Objekt möglichst vollständig erfasst wird.

Für mich war der AI Auto-Plan in der getesteten Form deshalb praktisch unbrauchbar. Deutlich besser funktioniert für mich die manuelle Planung über den Bereich „Das Beste von heute Abend“ in der Objektsuche. Dort kann ich mir passende Ziele anzeigen lassen und anschließend selbst entscheiden, was ich wann und wie lange aufnehmen möchte.

Dabei wäre das Potenzial durchaus vorhanden. Eine KI, die mich zunächst anhand einiger weniger Fragen nach meinen Wünschen fragt und daraus einen passenden Aufnahmeplan erstellt, wäre für mich ein echter Mehrwert. Beispielsweise könnte ich festlegen, ab welcher Höhe über dem Horizont Objekte berücksichtigt werden sollen, ob ich lieber viele verschiedene Ziele kurz aufnehmen möchte oder mich auf wenige Objekte mit längerer Belichtungszeit konzentrieren will. Auch eine Mischung aus beidem oder eine Auswahl besonders einfach aufzunehmender Objekte wäre denkbar.
So würde aus einer bloßen automatischen Objektauswahl tatsächlich eine persönliche Beobachtungsplanung werden. Genau das hätte ich mir vom AI Auto-Plan versprochen. In der derzeitigen Umsetzung konnte mich die Funktion allerdings nicht überzeugen.

Sensor-Tilt – viel Aufregung, aber keine eindeutige Antwort

Ein Thema, das in den vergangenen Wochen für einige Diskussionen gesorgt hat, ist der mögliche Sensor-Tilt beim Seestar S50 Pro. Auch ich habe mich damit beschäftigt und meine RAW-Aufnahmen wurden mit ASTAP und Siril untersucht.

Bei meinem ersten Test mit einem einzelnen RAW-Frame von IC 1396A zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Bildecken. Die HFD-Werte reichten von 3,62 bis 5,2. Das war zunächst ein auffälliges Ergebnis und durchaus ein Grund, genauer hinzuschauen.

Im späteren Test im EQ-Modus sah die Sache allerdings ganz anders aus. Bei M13 lagen die HFD-Werte nur noch zwischen 3,32 und 3,44 und damit deutlich näher beieinander. Auch bei SH2-142 konnte ich die zuvor beobachtete starke Asymmetrie nicht reproduzieren. Die Unterschiede waren hier deutlich geringer.

Vergleich der HFD-Auswertung von SH2-142 bei unterschiedlichen Einzelbelichtungszeiten. Die zuvor beobachtete starke Asymmetrie ließ sich dabei nicht eindeutig bestätigen

Was bedeutet das nun? Ein ausgeprägter mechanischer Sensor-Tilt sollte sich meiner Meinung nach unter vergleichbaren Bedingungen auch wiederholt in einer ähnlichen Form zeigen. Genau das war bei meinen Messungen nicht der Fall. Deshalb halte ich einen stark ausgeprägten, dauerhaft wirksamen Sensor-Tilt bei meinem Testgerät inzwischen eher für unwahrscheinlich. Ganz ausschließen kann ich ihn allerdings nicht.

Möglicherweise spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Denkbar wären beispielsweise Unterschiede beim Fokus oder bei den Aufnahmebedingungen. Ob hier eventuell auch die Autofokus-Logik Einfluss nimmt und wie die Schärfe über das gesamte Bildfeld ermittelt wird, kann ich nicht beurteilen. Das bleibt letztlich Spekulation.

Natürlich könnte man die Untersuchung noch weiter vertiefen, beispielsweise mit manuellem Fokus und einer zusätzlichen Kontrolle über eine Bahtinov-Maske. Allerdings stellt sich für mich inzwischen die Frage, wie weit man diese Tests überhaupt treiben sollte. Die bisherigen Ergebnisse überzeugen mich für ein Smart-Teleskop dieser Größen- und Preisklasse. Sicherlich gibt es auch beim S50 Pro noch Schwächen und Verbesserungspotenzial. Für mich steht am Ende aber die praktische Leistung im Vordergrund. Und die hat mich während der 60 Tage insgesamt überzeugt. Man sollte bei aller technischen Analyse auch die Verhältnismäßigkeit nicht aus den Augen verlieren.

Nachtrag: Offizielle Stellungnahme zum Sensor-Tilt

Inzwischen gibt es auch eine offizielle Stellungnahme von Astroshop zu diesem Thema. Demnach betrifft das Problem ausschließlich Geräte aus der Erstauslieferung im September. Als Ursache wurde ein fehlerhaftes Kunststoffbauteil identifiziert, das ZWO inzwischen durch eine robustere Metallhalterung ersetzt hat. Die aktuell ausgelieferten Geräte stammen laut Astroshop bereits aus der verbesserten Produktion.

Wer ein Gerät aus der September-Lieferung besitzt und tatsächlich von dem Problem betroffen ist, kann sich an den Kundenservice von Astroshop wenden. Das betroffene Seestar wird laut Anbieter unkompliziert und anstandslos ausgetauscht.

Ein kleiner Wunsch: Diebstahlschutz

Eine Kleinigkeit würde ich mir persönlich allerdings noch wünschen. Das ist vermutlich ein Punkt, mit dem ich ziemlich allein dastehe, aber schon beim alten Seestar S50 ist mir diese fehlende Funktion aufgefallen. Damals, während meines Urlaubs auf den Kanaren, habe ich mir überlegt, wie praktisch ein Diebstahlschutz wäre. Ein einfacher Alarm, der ausgelöst wird, sobald das Seestar angehoben oder unerwartet bewegt wird, wäre schon hilfreich. Noch besser wäre natürlich eine Integration in Apples „Wo ist?“ oder Google „Find Hub“, über die sich der Standort des Geräts jederzeit überprüfen ließe.

Gerade wenn man das Teleskop unterwegs an einem fremden oder etwas abgelegenen Ort aufstellt, wäre das für mich ein beruhigendes zusätzliches Sicherheitsfeature. Zugegeben: Für die meisten Nutzer dürfte das kaum eine Rolle spielen. Ich würde mich darüber trotzdem freuen.

Fazit – Für wen lohnt sich das Seestar S50 Pro?

Dass ich das Seestar S50 Pro nach Ablauf der 60-tägigen Testphase offiziell gekauft habe, sagt eigentlich schon ziemlich viel aus. Das Gerät hat mich für das, was es sein soll, überzeugt. Natürlich ist nicht alles perfekt, aber das Gesamtpaket stimmt für mich.

Für Einsteiger, die bereit sind, rund 1.000 Euro zu investieren, ist das Seestar S50 Pro meiner Meinung nach ein sehr interessanter Einstieg in die Astrofotografie. Ich würde es ein wenig mit Mario Kart vergleichen: Einfach zu erlernen, aber schwer zu meistern. Man kommt unglaublich schnell und unkompliziert zu ansehnlichen Astrofotos. Das geht so einfach, dass es manchem alteingesessenen Astrofotografen vielleicht sogar ein wenig die Freude am mühsam erarbeiteten Handwerk nimmt. 😄

Aber genau darin liegt die Stärke des Seestar. Denn wer sich später intensiver mit der Materie beschäftigt, entdeckt schnell, dass noch viel mehr in den Aufnahmen steckt. Wenn man die gespeicherten Einzelbilder herunterlädt, selbst stackt und anschließend am PC beispielsweise mit Siril oder PixInsight bearbeitet, lässt sich aus den Daten noch einiges herausholen. Das Seestar kann damit durchaus mehr sein als ein Gerät für schnelle Bilder direkt aus der App. Für mich steckt in ihm auch das Potenzial einer durchaus ernst zu nehmenden mobilen Optik.

In diesem Zusammenhang muss ich an eine Aussage unseres Vereinsvorstands denken. Er hat die Astrofotografie noch ganz anders kennengelernt: chemische Fotografie und manuelles Guiding über ein Kreuzokular am Leitrohr. Als er einige meiner Ergebnisse aus dem Seestar gesehen hat, meinte er:

„Sieht doch saugut aus. Für so ein absolut narrensicheres Teil. Vor solchen Bildern haben wir uns vor 10 Jahren noch hingekniet!“

Ich finde, treffender kann man die Entwicklung kaum beschreiben. 😄

Unterm Strich denke ich, dass man als Einsteiger mit dem Seestar S50 Pro nicht viel falsch machen kann. Die Software harmoniert sehr gut mit der Hardware und nimmt einem viele technische Entscheidungen ab. Gerade am Anfang kann es schnell überfordern, wenn man mit unzähligen Einstellmöglichkeiten konfrontiert wird. Man glaubt vielleicht, alles perfekt einstellen zu müssen, und am Ende funktioniert irgendetwas nicht richtig oder eine ganze Beobachtungsnacht ist wegen einer falschen Einstellung verloren.

Hier muss man ZWO trotz aller Kritik, die man am Unternehmen durchaus haben kann, eines lassen: Die Kombination aus Hardware und Software funktioniert ausgesprochen gut. Der Einstieg gelingt schnell, und man kann sich auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht: den Nachthimmel und die eigenen Aufnahmen.

Natürlich ist auch der Preis eine gewisse Hürde. Mit 999 Euro ist das Seestar S50 Pro* kein günstiges Einsteigergerät. Es ist eben das Pro-Modell. Wer weniger ausgeben möchte, findet beispielsweise mit dem Seestar S30* ein deutlich günstigeres Modell für unter 500 Euro. Da ich den S30 allerdings nicht selbst getestet habe, möchte ich mir über dessen Leistung und Möglichkeiten kein Urteil erlauben.

Für mich persönlich hat sich der Kauf des S50 Pro jedenfalls gelohnt. Es macht mir Spaß, liefert schnell schöne Ergebnisse und bietet gleichzeitig genügend Möglichkeiten, sich auch intensiver mit der Astrofotografie zu beschäftigen. Und genau diese Mischung macht es für mich zu einem gelungenen Smart-Teleskop.

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Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies

Euer Dimi


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