Messier 64: Die Black Eye Galaxy und die Spurensuche nach Asteroid 2006 AD21

Über die Objekt

Messier 64 – Die Black Eye Galaxy

M64 ist eine der markantesten Spiralgalaxien am Frühlingshimmel. Ihren Namen verdankt sie dem gewaltigen, dunklen Staubband, das sich direkt vor ihrem hellen Kern entlangzieht und ihr das Aussehen eines „schwarzen Auges“ verleiht. Diese Galaxie verbirgt jedoch ein dynamisches Geheimnis: Das Gas in den äußeren Regionen rotiert in die entgegengesetzte Richtung zum Gas und den Sternen im inneren Bereich. Man vermutet, dass dies das Resultat einer Verschmelzung mit einer kleineren, gasreichen Satellitengalaxie vor etwa einer Milliarde Jahren ist.

Hintergrund und wissenschaftliche Details

  • Supermassereiches Schwarzes Loch (SMBH): Im Zentrum von M64 befindet sich ein Schwarzes Loch mit einer geschätzten Masse von etwa 15 bis 25 Millionen Sonnenmassen. Es gilt als relativ „ruhig“, beeinflusst aber maßgeblich die Dynamik der inneren Gasscheibe.
  • H-II-Regionen & Sternentstehung: Die Galaxie besitzt extrem aktive Sternentstehungsgebiete in der Scherungszone zwischen den beiden entgegengesetzt rotierenden Gasscheiben.
  • Zwei-Scheiben-System: Die innere Scheibe (bis ca. 3.000 Lj) und die äußere Scheibe (bis ca. 40.000 Lj) rotieren gegenläufig. Das äußere Material stammt vermutlich von einer aufgesaugten Zwerggalaxie.
  • Absolute Leuchtkraft: Mit -20,3 mag besitzt M64 die kombinierte Strahlungskraft von etwa 10 Milliarden Sonnen.
  • Entfernung: Ungefähr 18 Millionen Lichtjahre (Teil der Canes-Venatici-I-Gruppe).
  • Staubstruktur: Das „Auge“ ist eine gigantische Absorptionszone aus interstellarem Staub mit einer Ausdehnung von etwa 8.000 Lichtjahren.
  • Entdeckung: 1779 durch Edward Pigott (kurz darauf unabhängig von Johann Elert Bode und 1780 von Charles Messier katalogisiert).
  • Durchmesser: Etwa 40.000 Lichtjahre (etwas weniger als die Hälfte unserer Milchstraße).

Asteroid (157701) 2006 AD21

Bei dem kleinen Lichtpunkt, der als Strichspur oben links durch das Bild wandert, handelt es sich um den Asteroiden (157701). Er ist ein Bewohner des Hauptgürtels zwischen Mars und Jupiter. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war er etwa Magnitude 19.4 hell – ein schwaches Signal, das erst durch die lange Gesamtbelichtungszeit von über 3,5 Stunden deutlich hervortrat.

Dass er im gestackten Bild als feine Doppelspur erscheint, obwohl er in den Einzelaufnahmen ein punktförmiges Objekt ist, ist ein faszinierendes technisches Phänomen. Da die Sterne im Bild perfekt rund abgebildet werden, liegt hier kein optischer Fehler vor. Stattdessen handelt es sich um einen Aliasing-Effekt beim Stacking-Prozess: Die Eigenbewegung des Asteroiden über das Pixelgitter des Sensors führt in Kombination mit der mathematischen Überlagerung der 114 Einzelbilder zu diesem parallelen Linienmuster. Es dokumentiert eindrucksvoll die digitale Grenzauflösung und das Abtastverhalten (Sampling) der Kamera.

Hintergrund und wissenschaftliche Details

  • Entdeckung: 1. Januar 2006 durch das Mount Lemmon Survey (Teil des Catalina Sky Survey in Arizona, USA).
  • Typ: Hauptgürtel-Asteroid.
  • Umlaufzeit: Er benötigt etwa 4,21 Jahre für eine Reise um die Sonne.
  • Größe: Schätzungsweise 1,5 bis 2,5 Kilometer im Durchmesser.
  • Bahnneigung: Etwa 11,3° zur Ekliptik, was erklärt, warum er im Sternbild Haar der Berenike anzutreffen war.

Objekt Details

Katalognummer(n):M 64 / NGC 4826
Typ:Spiralgalaxie
Entfernung:ca. 18 Mio Lj.
Ausdehnung:ca. 40.000 Lj.
scheinbare Helligkeit:ca. 8,5 mag
Sternbild:Haar der Berenike

Über diese Aufnahme

Dieses Bild zeigt die berühmte „Black Eye Galaxy“ (M64), die ich am 06.04.2026 für insgesamt 3,8 Stunden belichtet habe. Während der Bildbearbeitung fiel mir jedoch ein ungewöhnliches Detail auf: Eine feine, doppelte Strichspur in der Nähe des Bildrandes. In einer Einzelaufnahme wäre dies als Satellit abgetan worden, doch da die Spur im finalen Stack aus 114 Bildern so deutlich erhalten blieb, war klar, dass es sich um ein Objekt mit sehr langsamer Eigenbewegung handeln musste – ein Asteroid.

Um das Rätsel zu lösen, habe ich die Koordinaten meines Bildzentrums mit den Ephemeriden des Minor Planet Center abgeglichen. Durch das Einblenden eines präzisen Koordinatengitters in das gestreckte Summenbild ließ sich die Position der Spur exakt bei RA 12h 56m 30s und Dec +22° 03′ festmachen. Da diese Position auf die Bogensekunde genau mit den Bahndaten des Asteroiden (157701) 2006 AD21 übereinstimmt, besteht so gut wie kein Zweifel mehr an der Identität dieses fernen Wanderers.

Aufnahme Details

Datum:06. 04. 2025
Teleskop:TS-Optics 10″ Astrograph*
Montierung:PetrusII (Eigenbau)
Kamera:Svbony SV405CC (Amazon🛒)
Filter:Astronomik Luminanz UV-IR-Blockfilter L-2 2″*
Zubehör:TS-Optics N-AGK3 Komakorrektor*
Aufnahmezeit :3h 48m
Anmerkung:

Ältere Aufnahmen

Interessiert an der Entstehung? Hier findest du meine früheren Versionen dieses Objekts aus dem Astroarchiv

Messier 1
26. Februar 2023

Messier 1

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