Vaonis Hyperia: Das 45.000 $-Wunderwerk zwischen Vision und Verschwinden

Durch den anhaltenden Hype um Smart-Teleskope in den letzten Jahren – dem ich spätestens mit dem Durchbrechen der 500-Euro-Preisgrenze ebenfalls verfallen bin – stieß ich kürzlich wieder auf einen Beitrag, den ich bereits 2021 verfasst hatte. Damals gab es weder das Seestar noch das Dwarf. Es existierten jedoch bereits zwei Firmen, die frühzeitig den (zugegebenermaßen noch sehr hochpreisigen) Kampf um die Gunst der Smart-Teleskop-Nutzer eröffneten: Vaonis [Link] und Unistellar [Link].

Die verlorene Erinnerung und das Hyperia

Meinen ursprünglichen Blogartikel schrieb ich damals noch für die „Dorfkuppel“. Mit der Einstellung dieser Webseite ging der Text leider für immer verloren. Was mir jedoch im Gedächtnis blieb und durch aktuelle Berichte über smarte Astronomie-Hardware wieder in Erinnerung gerufen wurde [Link], war die damalige Ankündigung von Vaonis: das Hyperia.

Das Vaonis Hyperia: Die Ankündigung

Das Vaonis Hyperia wurde im September 2021 als „weltweit leistungsstärkste Erkundungsstation“ und „persönliche Sternwarte“ präsentiert. Das Ziel war ambitioniert: Das Gerät sollte die Lücke zwischen hochentwickelten Hobby-Setups und professionellen Instrumenten schließen.

Das „Wunderteleskop“ und die Spezifikationen

Angekündigt wurde das 45.000 $ teure „Wunderteleskop“ mit dem Hinweis auf eine Lieferzeit von etwa sechs Monaten, da die Komponenten erst nach Bestelleingang individuell montiert werden. Die technischen Eckdaten klangen beeindruckend:

KomponenteSpezifikation
Optik150 mm Apochromat (Triplet Refraktor), 1050 mm Brennweite (f/7)
Sensor61 MP Vollformat (Sony IMX455, mono), BSI, 91% Quanteneffizienz
ModularitätAustauschbarer Sensor für zukünftige Upgrades
MontierungDirect Drive Motorisierung für schnelles Pointing und Tracking
Gewichtca. 75 kg
GehäuseLuftfahrt-Legierung (Zicral)
KühlungIntegrierte Sensorkühlung (bis zu -35 Grad unter Umgebung)
FeaturesAutofokus, Auto-Stacking, integrierte Filter (SII, Ha, OIII, RGB)
KonnektivitätGigabit Ethernet und WLAN

Die Erwartung vs. Realität

Ich war mir damals sicher, dass wir innerhalb der darauffolgenden 12 Monate die ersten Testberichte sehen würden – und sei es nur ein Review der Optik auf Leihbasis. Doch obwohl das Hyperia in Astronomie-Foren immer wieder Thema ist, fehlen bis heute greifbare Informationen über tatsächliche Auslieferungen oder unabhängige Berichte von Endnutzern.

Die Produktseite bei Vaonis existiert zwar weiterhin, ist jedoch kaum mehr als ein Teaser für ein Projekt, das offenbar noch immer in den Kinderschuhen steckt. Dort heißt es pathetisch:

Das Unvorstellbare ist Wirklichkeit geworden. Entwickelt für diejenigen, die sich mit nichts weniger als dem Besten zufriedengeben, ist Hyperia die leistungsstärkste Erkundungsstation der Welt. […] Bleiben Sie dran… Seite im Aufbau.

https://vaonis.com/de/pages/hyperia

Wirkliche Informationen sucht man dort vergeblich. Immerhin ist das ursprüngliche Promo-Video auf YouTube noch abrufbar und vermittelt einen Eindruck davon, was Vaonis technisch anstrebt.

Stand der Dinge und technische Hürden

Der aktuelle Status der Auslieferung wirft jedoch Fragen auf. Trotz der ursprünglichen Ankündigung im Jahr 2021, die eine Lieferzeit von 12 bis 18 Monaten in Aussicht stellte, gibt es bis heute kaum Lebenszeichen des Hyperia in der Praxis. In der Astrofotografie-Community sucht man vergeblich nach unabhängigen Berichten, Nutzerbildern oder Reviews von Geräten, die tatsächlich bei Endkunden installiert wurden. Besonders in Fachforen wie Cloudy Nights wächst daher die Skepsis. Dass wir Ende 2025 noch immer keine bestätigten Installationen sehen, wird von vielen Beobachtern als wenig ermutigendes Zeichen gedeutet.

Auch Vaonis selbst hält sich bedeckt. Die offizielle Produktseite wurde zwischenzeitlich stark reduziert und enthielt zuletzt lediglich den kryptischen Hinweis, dass man demnächst weitere Details erwarten dürfe. Dies lässt vermuten, dass die Entwicklung entweder mit massiven Verzögerungen kämpft oder die Fertigstellung der ersten Einheiten erst jetzt einen entscheidenden Meilenstein erreicht.

Die Gründe für diese Verzögerungen könnten in der enormen technischen Komplexität liegen. Eine altazimutale Direct-Drive-Montierung, die gleichzeitig einen Bildfeld-Derotator präzise steuern muss, ist mechanisch eine Meisterleistung – erst recht, wenn das System lange Belichtungszeiten ohne Bildfelddrehung ermöglichen soll. Zudem ist die Kombination aus einem 150 mm Refraktor und dem hochauflösenden 61 MP Vollformatsensor gnadenlos: Um das Potenzial der kleinen 3,76 Mikrometer Pixel bei über einem Meter Brennweite wirklich auszuschöpfen, ist eine mechanische Präzision und Software-Kalibrierung nötig, die weit über das hinausgeht, was wir von kleineren Smart-Teleskopen kennen.

Ausblick für die Zukunft

Letztlich ist die Geschichte des Vaonis Hyperia bisher weniger die eines erfolgreichen Produkts, sondern vielmehr die einer extrem ambitionierten Vision, deren Realisierung sich als weitaus zeitintensiver – und vielleicht sogar schwieriger – erweist als gedacht. Bei einem Preis von 45.000 Euro liegt die Messlatte für die Qualität und Zuverlässigkeit natürlich schwindelerregend hoch.

Ich persönlich, und mit mir sicher ein großer Teil der Astronomie-Gemeinschaft, warte gespannt darauf, ob das Hyperia tatsächlich noch irgendwann die Bühne betritt. Es bleibt abzuwarten, ob die Technik den stolzen Preis rechtfertigen kann oder ob das Projekt als Fallbeispiel dafür endet, wie der rasante technische Fortschritt bei günstigeren Smart-Teleskopen ein High-End-Produkt rechts überholen kann, wenn dessen Entwicklung zu lange dauert. Man darf gespannt sein, ob die ersten „First Lights“ von echten Kunden die lange Wartezeit mit spektakulären Bildern belohnen werden.

Was meint ihr? Wird das Hyperia jemals in Serie erscheinen?

CS, Dimi

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