Über diese Aufnahme
Im Norden Deutschlands wird es im Juni gar nicht mehr wirklich dunkel. Man spricht dann von den „Weißen Nächten“, weil es eben gar keine echte astronomische Dunkelheit mehr gibt. Selbst hier bei uns in Bayern sind die wirklich schwarzen Stunden rar, oft bleiben einem nur wenige Stunden tiefste Nacht.
Als ob das nicht schon Herausforderung genug war, gesellt sich ein weiteres Problem hinzu! Messier 16 steht tief und erreicht an seinem höchsten Punkt gerade mal 26 Grad über dem Horizont. Hinzu kam das ich von meinem Beobachtungsstandort nur maximal zwei Stunden Zeit zum aufnehmen hatte, dann nämlich, pünktlich zum Erreichen seiner höchsten Position, verschwand Messier 16 hinter den Bäumen des angrenzenden Waldes. Aus diesem Grund benötigte ich für 7 Stunden Gesamtbelichtung satte 5 klare Nächte.
Aufnahme Details
| Datum: | 18 – 20. 24 & 28. 06. 2025 |
| Teleskop: | TS-Optics 10″ Astrograph* |
| Montierung: | PetrusII (Eigenbau) |
| Kamera: | Svbony SV405CC (Amazon🛒) |
| Filter: | Astronomik Luminanz UV-IR-Blockfilter L-2 2″* |
| Zubehör: | TS-Optics N-AGK3 Komakorrektor* |
| Aufnahmezeit : | 7 h 30 m |
| Anmerkung: |
Über diese Objekt
Teil 1: Wissenschaftliche Ebene Messier 16, bekannt als der Adlernebel, ist ein gewaltiges Sternentstehungsgebiet im Sternbild Schlange. Das Herzstück dieses Nebels bilden die weltberühmten „Säulen der Schöpfung“. Dabei handelt es sich um riesige Finger aus interstellarem Gas und Staub, die von der intensiven Ultraviolettstrahlung junger, massereicher Sterne im benachbarten Sternhaufen (NGC 6611) erodiert werden. Dieser Prozess wird Photoevaporation genannt. Wissenschaftlich gesehen ist M16 ein Labor für die Untersuchung der Sternentstehung. In den Spitzen der Säulen befinden sich sogenannte EGGs (Evaporating Gaseous Globules) – dichte Gasknoten, in denen gerade neue Sterne entstehen. Infrarotaufnahmen des James-Webb-Teleskops haben gezeigt, dass diese Säulen weit weniger massiv sind, als sie im sichtbaren Licht erscheinen, und dass sie von neugeborenen Protosternen förmlich durchsetzt sind.
Teil 2: Astrofotografische Ebene Für uns Astrofotografen ist M16 sowohl ein Segen als auch eine Herausforderung. Die „Säulen“ sind das Ziel schlechthin, erfordern aber eine hohe Brennweite und eine exzellente Nachführung, um die feinen Details der Strukturen herauszuarbeiten. Da der Nebel sehr stark im H-Alpha-Licht leuchtet, ist er ein klassisches Ziel für Astromodifizierte Kameras oder Schmalbandfilter. Die Schwierigkeit liegt oft in der Bildkomposition. Man muss entscheiden, ob man den weitläufigen Nebelkomplex zeigen möchte oder mit viel Brennweite tief in das Zentrum zu den Säulen vordringt. Zudem steht M16 von Deutschland aus gesehen recht tief am Südhimmel, was oft bedeutet, dass man durch eine dickere Luftschicht fotografieren muss, was das Seeing verschlechtern kann.
Hintergrund und wissenschaftliche Details
- Entfernung: Ungefähr 7.000 Lichtjahre.
- Ausdehnung: Der gesamte Nebel misst etwa 70 x 55 Lichtjahre; die größte der Säulen ist etwa 4 bis 5 Lichtjahre lang.
- Alter des Sternhaufens: Die jungen Sterne im Zentrum sind erst etwa 1 bis 2 Millionen Jahre alt.
- Objekttyp: Emissionsnebel mit eingebettetem offenem Sternhaufen.
- Katalogbezeichnungen: M16, NGC 6611 (für den Haufen), IC 4703 (für den Nebel).
- Neueste Erkenntnisse: Daten des James-Webb-Teleskops deuten darauf hin, dass die Sternentstehung in den Säulen noch viel aktiver ist als bisher angenommen. Es gibt Hinweise darauf, dass eine nahegelegene Supernova vor etwa 6.000 Jahren eine Schockwelle ausgelöst hat, die die Säulen bereits zerstört haben könnte. Da das Licht aber 7.000 Jahre zu uns braucht, werden wir dieses Ereignis erst in etwa 1.000 Jahren live beobachten können.
Objekt Details
| Katalognummer(n): | M16 / NGC 6611 |
| Typ: | Emissionsnebel |
| Entfernung: | ca. 7000 Lj. |
| Ausdehnung: | ca. 15 Lj. |
| scheinbare Helligkeit: | ca. 6,3 mag |
| Sternbild: | Schlange |
Weitere Aufnahmen
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1 Kommentar zu „Messier 16 – Wo Sterne geboren werden“