Jupiter – Der Gasriese im Wettlauf gegen das Wetter

Über diese Aufnahme

Direkt im Anschluss an die Venus-Aufnahme nutzte ich das immer kleiner werdendes Zeitfenster für den größten Planeten unseres Sonnensystems. Das Wetter war frühlingshaft kühl mit rund 5 °C und schwachem Wind, allerdings verschlechterte sich die Situation am Himmel zusehends. Da Jupiter bereits tief am Westhorizont stand und dichte Wolken unaufhaltsam heranzogen, musste ich leider vorzeitig abbrechen, sodass nur zwei Aufnahmen zustande kamen.

Die Auswertung der Rohdaten zeigt trotz der extremen Eile und der atmosphärischen Störungen erstaunlich kontrastreiche Details. Auf der Full-Frame-Aufnahme sind neben der Jupiterscheibe noch die vier Galileischen Monde zu erkennen. Das ROI-Bild bringt die beiden markanten Hauptwolkenbänder (das Nördliche und Südliche Äquatorialband) deutlich zum Vorschein. Besonders bemerkenswert ist die Sichtbarkeit des Großen Roten Flecks, der sich knapp unterhalb des äquatorialen Bandes als rötlich-ovale Struktur abhebt.

Aufnahme Details

Datum:15. 05. 2026
Teleskop:TS-Optics 10″ Astrograph*
Montierung:PetrusII (Eigenbau)
Kamera:ZWO ASI 715 MC Color*
Filter:UV-IR-Blockfilter*
Zubehör:Baader Barlowlinse 2,25x/1,3x*
Aufnahmedetails:24% aus 90s
68% aus 90s (ROI)
Anmerkung:

Über diese Objekt

Wissenschaftliche Ebene

Jupiter ist der mit Abstand größte Planet im Sonnensystem und vereinigt mehr als das Doppelte der Masse aller anderen sieben Planeten in sich. Als klassischer Gasriese besteht er fast vollständig aus Wasserstoff und Helium, weshalb er keine feste Oberfläche im herkömmlichen Sinne besitzt, der atmosphärische Druck geht fließend in einen flüssigen und metallischen Zustand über. Seine extreme Rotationsgeschwindigkeit – ein Jupitertag dauert nicht einmal zehn Stunden – sorgt für eine enorme Abplattung an den Polen und treibt die charakteristischen, parallel zum Äquator verlaufenden Sturmsysteme an. Das markanteste Merkmal in Jupiters dynamischer Atmosphäre ist der Große Rote Fleck, ein gigantischer Antizyklon, der größer als die Erde ist und seit Jahrhunderten ununterbrochen tobt. Begleitet wird der Riese von einem komplexen System aus über 90 bestätigten Monden, angeführt von den vier großen Galileischen Entdeckungen Io, Europa, Ganymed und Kallisto.

Astrofotografische Ebene

Für Astrofotografen gehört Jupiter zu den dankbarsten und zugleich dynamischsten Motiven am Nachthimmel. Seine scheinbare Größe ist unter den Planeten unerreicht, wodurch auch mit kleineren Teleskopöffnungen bereits die äquatorialen Wolkenbänder und die Monde abgelichtet werden können. Die größte Herausforderung und zugleich Faszination liegt in seiner schnellen Rotation. Da sich Oberflächendetails innerhalb weniger Minuten sichtbar verschieben, sind klassische Belichtungsreihen beim Lucky Imaging streng limitiert. Videosequenzen dürfen ohne den Einsatz von Derotation-Software (wie WinJUPOS) selten länger als 90 bis 120 Sekunden sein, da ansonsten Bewegungsunschärfen die feinen Strukturen verwischen.

Hintergrund und wissenschaftliche Details

  • Erstlandung auf einem Jupitermond (Vorbereitungen): Eine direkte Landung auf Jupiter ist physikalisch unmöglich, doch die Erkundung seiner Monde läuft auf Hochtouren. Die ESA-Sonde JUICE und NASAs Europa Clipper sind unterwegs, um die habitablen Ozeane unter dem Eis von Europa und Ganymed zu untersuchen. Konkrete Lander-Konzepte (wie der geplante Europa Lander) befinden sich in der finalen Designphase, um gezielt nach Biosignaturen im Eis zu graben.
  • Schrumpfen des Großen Roten Flecks: Aktuelle Beobachtungen von erdgebundenen Teleskopen und dem Hubble-Weltraumteleskop bestätigen, dass der Große Rote Fleck seit Jahrzehnten kontinuierlich schrumpft und zunehmend eine kreisrunde Form annimmt. Gerüchte und Simulationen in der Fachwelt diskutieren intensiv, ob sich der Jahrhundertsturm innerhalb der nächsten Jahrzehnte vollständig auflösen oder in kleinere Sturmsysteme zerbrechen könnte.
  • Juno-Erkenntnisse zur inneren Dynamik: Die NASA-Sonde Juno hat durch exakte Gravitationsmessungen enthüllt, dass Jupiter keinen scharf abgegrenzten, soliden Kern besitzt. Stattdessen existiert ein „diluter Core“ – ein verdünnter, diffus verteilter Kern aus schweren Elementen, der sich über fast die Hälfte des Planetenradius erstreckt, was bestehende Entstehungstheorien von Gasriesen ins Wanken bringt.
  • Röntgen-Polarlichter: Jupiter besitzt das stärkste planetare Magnetfeld im Sonnensystem. Die dadurch ausgelösten Polarlichter an den Jupiternolen leuchten permanent im Röntgenbereich und werden durch den Einstrom von Schwefel- und Sauerstoffionen gespeist, die aus den gewaltigen Vulkanausbrüchen des nahen Mondes Io stammen.

Objekt Details

Typ:Jupiter
Entfernung:ca. 892 Mio. km
Durchmesser:ca. 142.984 km
scheinbare Größe:33,1 Bogensekunden
scheinbare Helligkeit:-2 mag

Weitere Aufnahmen

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