Über diese Aufnahme
Am frühen Abend des 3. Juni 2026 bot sich mir in der Kosmotheion Sternwarte in Roth eine der seltenen Gelegenheiten, den innersten Planeten unseres Sonnensystems zu fotografieren. Die äußeren Bedingungen waren erwartungsgemäß schwierig. Das Wetter in Roth präsentierte sich an diesem Junitag warm, aber von einer dichten, wechselhaften Bewölkung geprägt, die tagsüber immer wieder vereinzelte Regenschauer mit sich brachte. Die Aufnahme selber fand in der hellen Abenddämmerung statt, da Merkur aufgrund seiner extremen Sonnennähe nur knapp über dem Nordwesthorizont stand. Zum Zeitpunkt der Videosequenzen betrug die Horizonthöhe lediglich rund 15 Grad, was zu einem massiven atmosphärischen Seeing führte. Die unruhige Luftschicht in Horizontnähe verzerrte das Livebild stark, und das Sammeln von Frames für das Lucky Imaging wurde fortlaufend durch durchziehende Wolkenbänke unterbrochen.
Trotz dieser Widrigkeiten lieferte der Stack aus den kurzen, wolkenfreien Fenstern ein brauchbares Ergebnis. Das fertige Planetenfoto zeigt Merkur als deutlich ausgeprägtes, halbmondförmiges Scheibchen. Auf dem Bild sind die charakteristische Phasengestalt – eine etwa 50 % beleuchtete Oberfläche – sowie zarte Helligkeitsnuancen auf der winzigen Planetenkugel zu erkennen. Zwar verwischt das schlechte Seeing feinste Oberflächendetails, doch die Farbgebung und die exakte Phasenform wurden erfolgreich fotografiert. Damit ist nun endlich das Sonnensystem den klassischen Planeten inklusive Pluto fotografisch komplett.
Aufnahme Details
| Datum: | 03. 06. 2026 |
| Teleskop: | TS-Optics 10″ Astrograph* |
| Montierung: | PetrusII (Eigenbau) |
| Kamera: | ZWO ASI 715 MC Color* |
| Filter: | UV-IR-Blockfilter* |
| Zubehör: | Baader Barlowlinse 2,25x/1,3x* |
| Aufnahmedetails: | ca. 10% aus 240s |
| Anmerkung: |
Über diese Objekt
Wissenschaftliche Ebene
Merkur ist der sonnennächste und mit einem Durchmesser von knapp 4.880 Kilometern auch der kleinste Planet des Sonnensystems. Er besitzt praktisch keine Atmosphäre, sondern lediglich eine hauchdünne Exosphäre aus Atomen, die vom Sonnenwind aus der Oberfläche herausgeschlagen werden. Aufgrund dieser fehlenden Schutzschicht ist der Gesteinsplanet extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Während auf der sonnenzugewandten Seite Temperaturen von bis zu 430 °C herrschen, fällt das Thermometer auf der Nachtseite auf eisige -180 °C. Seine Oberfläche ist von Milliarden Jahren kosmischer Einschläge gezeichnet und ähnelt stark der unseres Erdmondes, durchzogen von riesigen Einschlagbecken und kilometerhohen Steilstufen, die durch das historische Schrumpfen des Planetenkerns entstanden sind.
Astrofotografische Ebene
Für die Astrofotografie repräsentiert Merkur eine der größten Herausforderungen im Sonnensystem. Da sein maximaler Winkelabstand zur Sonne (Elongation) niemals mehr als 28 Grad beträgt, ist er von der Erde aus fast ausschließlich tief am Horizont während der bürgerlichen oder nautischen Dämmerung sichtbar. Das Zeitfenster für Aufnahmen ist extrem kurz und beträgt oft nur 20 bis 30 Minuten, bevor der Planet im Dunst des Horizonts versinkt oder untergeht. Das Fotografieren durch dicke, unruhige Luftschichten erzwingt den Einsatz der Lucky-Imaging-Technik mit Videokameras, um die seltenen Momente stabiler Luft einzufangen. Zudem sorgt das noch helle Tages- oder Dämmerungslicht für einen geringen Kontrast, weshalb spezielle Infrarot-Passfilter oder präzise Nachbearbeitungen nötig sind, um die Konturen des Planeten sauber vom Himmelshintergrund zu trennen.
Hintergrund und wissenschaftliche Details
- Historische Entdeckung: Merkur ist seit dem Altertum bekannt und wurde aufgrund seiner schnellen Bewegung am Abend- und Morgenhimmel von den Römern nach dem fliegenden Götterboten benannt. Die frühesten Keilschriftaufzeichnungen stammen von den Babyloniern um 1400 v. Chr.
- Erste Erkundungen: Die NASA-Sonde Mariner 10 war 1974/75 das erste menschengemachte Objekt, das an Merkur vorbeiflog und rund 45 % der Oberfläche kartografierte. Die Mission MESSENGER trat 2011 als erste Raumsonde in eine feste Umlaufbahn ein und untersuchte den Planeten bis 2015 umfassend.
- Aktuelle Missionen & Gerüchte: Die europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo befindet sich derzeit im Anflug und nutzt mehrfache Vorbeiflüge, um im Dezember 2025/2026 endgültig in den Orbit einzuschwenken. Neueste Daten der Vorbeiflüge nähren die wissenschaftliche Vermutung, dass sich tief im Inneren des riesigen Eisenkerns eine kilometerdicke Schicht aus purem Diamant befinden könnte, die durch den extremen Druck im frühen Sonnensystem gepresst wurde.
- Eis am Merkuräquator: Obwohl Merkur der Sonne am nächsten ist, haben Radarmessungen und die MESSENGER-Sonde Wassereis in tiefen Kratern an den Polen nachgewiesen. Da diese Kraterböden permanent im Schatten liegen, herrscht dort dauerhafte Kälte.
Objekt Details
| Typ: | Gesteinsplanet |
| Entfernung bei Aufnahme: | ca. 136 Mio. km |
| Durchmesser: | ca. 4.879 km |
| scheinbare Größe: | 6,3 Bogensekunden |
| scheinbare Helligkeit: | -0,37 mag |
Weitere Aufnahmen
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