Kurzanleitung: Vom Rohstack zum fertigen Astrofoto in Siril 1.4

In Siril gibt es mittlerweile viele Wege und noch mehr Tools, um ein lineares Bild zu strecken. Hier möchte ich meine persönliche Reihenfolge vorstellen – also einen festen Workflow, mit dem ich am besten fahre. Da es mir hier um den roten Faden geht, erkläre ich nicht jedes Tool im Detail, sondern konzentriere mich auf die Schritte, die einen Rohstack in ein schönes Gesamtkunstwerk verwandeln.


Croppen


Das Zuschneiden ist nach dem Stacken grundsätzlich der erste Schritt, den man immer erledigen sollte.

Dazu ziehe ich einen Rahmen, drücke die rechte Maustaste und wähle „Beschneiden“.


Banding (Optional)

Direkt im Anschluss entferne ich eventuelles horizontales Banding. Das sorgt dafür, dass die folgenden KI-Tools keine Linienmuster fälschlicherweise als Bildinformation interpretieren.

(Bildbearbeitung -> Banding-Reduktion.)


Hintergrund-Extraktion

Als zweites folgt immer die Hintergrund-Extraktion, wofür ich GraXpert nutze.

(Skripte – Pythonskripte – Processing – GraXpert-AI)


Aberration Remover (Optional)


Falls du verzogene Sterne in den Ecken oder Farbsäume hast, ist jetzt der Moment für den Aberration Remover. Er korrigiert optische Fehler, bevor Schärfung und Farbkalibrierung greifen.

(Skripte – Pythonskripte – Processing – Aberration Remover)


Platesolving


Anschließend lasse ich das Bild astrometrisch lösen.

(Werkzeuge – Astrometrie – Astrometrische Lösung)


Spektrofotometrische Farbkalibrierung


Im Anschluss führe ich die Farbkalibrierung für naturgetreue Farben durch.

(Bildbearbeitung – Farbkalibrierung – Spektrofotometrische Farbkalibrierung)


Grünrauschen entfernen (bei OSC)


Erst nach der SPCC entferne ich den verbleibenden Grünschleier, welcher zwangsläufig durch die Bayermatrix der Farbkamera entsteht.

(Bildbearbeitung – Farbe – Grünstich entfernen…)


Bild schärfen

Mein nächster Schritt ist das Schärfen des noch linearen Bildes mit Cosmic Clarity Sharpening. Hier wähle ich die Option „Both“ (bei Sternhaufen stellar only).

(Skripte – Pythonskripte – Processing – CosmicClarity_Sharpen)


Speichern des linearen Bildes

Ich speichere das Zwischenergebnis als 32-bit FITS-Datei ab.


Sternentfernung (Entfällt bei Sternhaufen)


Mittels Starnet++ trenne ich die Sterne sauber vom Hintergrund. Da das Bild noch im linearen Zustand ist, aktiviere ich „Lineares Bild vordehnen“

(Bildbearbeitung – Sternbearbeitung – Starnet Sternentfernung)


Entrauschen (Prism)

  • Prism Mini (kostenlos): Trennt mathematisch echtes Signal von statistischem Sensorrauschen und glättet den Hintergrund. Reicht für den Einstieg völlig aus.
  • Prism Deep (kostenpflichtig): Bietet eine noch präzisere Modellierung für schwache Signale und Details.

Bei grafischen Fehlern empfehle ich, den Wert bei „Target median“ leicht zu senken (ca. 0,15).

(Skripte – Pythonskripte – SyQon– Prism)


Streckung – VeraLux Hypermetric Stretch


Target BG bestimmt im Grunde, wie dunkel oder hell der leere Himmelshintergrund gestreckt werden soll.
Log D bestimmt, wie stark die extrem hellen Bereiche gegenüber den dunklen Bereichen zusammengedrückt (komprimiert) werden.
Ich lasse Log D mit einem Klick auf „Auto-Calc Log D“ automatisiert bestimmen

(Skripte – Pythonskripte – VeraLux – VeraLux_HyperMetric_Stretch)


Nach dem Hypermetric Stretch musst du das gestreckte Bild einmal manuell speichern, damit du dieses in der Stern-Neuzusammensetzung als Hintergrund auswählen kannst.


Sternzusammensetzung

Danach füge ich das gestreckte sternlose Bild und die Sternenmaske mit der Stern-Neuzusammensetzung wieder zusammen.

 
Hierbei strecke ich die Sternmaske etappenweise, bis das Gesamtbild passt. So verhindere ich, dass die Sterne schlagartig ausbrennen, ihre natürlichen Farben verlieren oder sich unschön aufblähen.

(Bildbearbeitung – Sternbearbeitung – Starnet Stern-Neuzusammensetzung)


VeraLux Revela (Optional – ideal für Nebel & Details)

Mit VeraLux Revela bringe ich feine Details und schwache Nebelstrukturen zur Geltung. Das Skript verstärkt gezielt den lokalen Kontrast, ohne den Hintergrund aufzuhellen oder Farbrauschen zu verstärken.

Hinweis: Bei Galaxien oder glatten Strukturen fällt der Effekt gewollt extrem subtil aus – am besten wirkt Revela bei Emissionsnebeln und Dunkelwolken.

(Skripte – Pythonskripte – VeraLux – VeraLux_Revela)


HDR Multiscale Transform (Optional – nur äußerst sparsam einsetzen)

Mit HDR Multiscale bändige ich zu helle Zentren (z. B. den Kern der Andromeda-Galaxie oder den Orionnebel) und erhöhe gleichzeitig den Kontrast in den Strukturen.

  • Number of Scales: Bestimmt die Strukturgröße (Wavelet-Ebenen), auf die das Skript zugreift. Kleine Werte bearbeiten feine Details, höhere Werte wirken auf großflächige Strukturen und helle Zentren.

Wichtig: Passe Number of Scales und die Stärke nur in sehr kleinen Schritten an. Bereits minimale Änderungen am Scales-Wert verändern das Bild absolut massiv und führen schnell zu unnatürlichen Halos oder dunklen Rändern!

(Skripte – Pythonskripte – Processing – HDR_multiscale)


VeraLux Vectra (Optional – für Fortgeschrittene)

Mit VeraLux Vectra kannst du die Farbdynamik sowie die Sättigung gezielt verstärken und anpassen.

Achtung: Nutze das Skript nur sehr vorsichtig und mit kleinen Werten. Bei zu intensiver Anwendung entstehen schnell unnatürliche Falschfarben oder buntes Farbrauschen im Hintergrund. Für den Anfang kannst du diesen Schritt bedenkenlos überspringen.

(Skripte – Pythonskripte – VeraLux – VeraLux_Vectra)


Feinarbeiten & Abschluss

Zum Schluss folgen nach Bedarf die letzten kosmetischen Korrekturen. Hierbei hebe ich meist die Farbsättigung leicht an und führe mit GraXpert ein finales Denoising durch.


Das war es im Großen und Ganzen auch schon. Mir ist aufgefallen, dass weniger Fehler an den Sternen wie Halos oder schwarze Ränder entstehen, wenn ich die Sterne unmittelbar nach dem ersten Strecken des Hintergrunds wieder einfüge und dann mit den Feinarbeiten weitermache.

Das fertige Bild von Messier 1 könnt ihr hier anschauen

Ergänzende Erklärungen zu den Schritten

Warum Schärfen und Entrauschen im linearen Zustand? Das Schärfen mit Cosmic Clarity und das Entrauschen via GraXpert erledige ich bewusst, solange das Bild noch linear ist. Der Grund dafür ist simpel: In diesem Stadium sind die Bilddaten noch unverfälscht und direkt mit dem eingefangenen Licht verknüpft. Algorithmen können Rauschen und Details hier viel präziser trennen, bevor das Strecken (Stretching) eventuelle Fehler oder Bildstörungen künstlich verstärkt.

Der Vorteil der frühen Sternzusammenführung Ein häufiges Problem in der Astrofotografie sind Artefakte nach der Sternentfernung. Wenn man das sternenlose Bild sehr aggressiv bearbeitet, passen die ursprünglich entfernten Sterne oft nicht mehr nahtlos in die Lücken zurück. Indem ich den VeraLux StarComposer direkt nach dem ersten Stretch nutze, bleiben die Übergänge natürlich. Die weiteren Detailschritte wie Revela oder HDR Multiscale wirken sich dann harmonischer auf das Gesamtbild aus.

VeraLux Hypermetric Stretch vs. Standard-Methoden Anstatt das Bild mühsam von Hand über die klassischen Regler der Histogramm-Transformation zu verbiegen, nutzt dieser skriptbasierte Ansatz eine logarithmische Skalierung. Das schützt die Highlights davor, zu schnell auszubrennen, während die schwachen Signale bereits angehoben werden. „Target Bg“ dient hierbei als deine grobe Marschrichtung für die gewünschte Streckungsstärke.

Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies

Euer Dimi

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