DWARFLAB Draco greift ZWO an: Der unerwartete Preiskampf in der Smart-Teleskop-Mittelklasse

Wer die Entwicklungen auf dem Smart-Teleskop-Markt in den letzten Wochen verfolgt hat, reibt sich verwundert die Augen. Als ich am 7. September über den Start der Vorbestellungen berichtete, rangierten die ersten gelisteten Händlerpreise für den DWARFLAB Draco noch bei rund 1.800 € bis 2.000 €. Das war zwar kein Schock, schließlich bewegt sich das Gerät bei den Hardware-Spezifikationen in einer ganz anderen Liga als ZWO mit seinem Seestar S50 Pro – überraschend ist jedoch, was nun passiert ist.

Die offiziellen Preise liegen nun spürbar unter den ersten Annahmen: Die Standard-Variante des Draco schlägt mit 1.499 € zu Buche (Astroshop*), während die SHO-Edition bei 1.669 € landet (Astroshop*).

Damit schrumpft der Abstand zu ZWO deutlich weiter als vermutet. Wer gehofft hatte, dass ZWO durch diese Ansage den Preis für den Seestar S50 Pro dauerhaft bei den anfänglichen 899 € hält, lag falsch. Das S50 Pro steht stur beim regulären Preis von 999 € (Astroshop*). Dass DWARFLAB sein Oberklasse-Gerät preislich so dicht an die 1.000-Euro-Marke heranschiebt, bringt das gesamte Gefüge gehörig ins Wackeln.

Technik-Analyse: Auf dem Papier meilenweit vor der Konkurrenz

Rein von den Spezifikationen her ordnet sich der DWARFLAB Draco nicht nur deutlich oberhalb von Einsteigergeräten wie dem Seestar S50 Pro ein, sondern greift technisch selbst etablierte Premium-Systeme an.

Während Vaonis beim Vespera III* (UVP ca. 2.490 €) auf ein ungekühltes Linsensystem setzt und selbst Schwergewichte wie das Celestron Origin* weder eine aktive Sensorkühlung noch einen integrierten Rotator mitbringen, verbaut DWARFLAB im Draco eine Ausstattung, die man in dieser Form in der Smart-Teleskop-Welt bisher vergeblich suchte! Eine aktive Sensor-Kühlung (TEC), einen echten physischen Sensor-Rotator sowie ein eigenes drittes Kameramodul für echtes Autoguiding.

Damit ist der Draco im weitesten Sinne fast schon so etwas wie der extrem kompakte, bezahlbare Nachfolger des Vaonis Hyperia. Während das Hyperia mit seinen angedachten 45.000 € bis 89.000 € für Normalsterbliche unerreichbar blieb und nur als exklusives Einzelstück den Weg zu ausgewählten Käufern fand, bringt DWARFLAB das Grundkonzept aus aktiver Kühlung und absoluter Vollautomatisierung nun tatsächlich für die breite Masse serienreif auf den Markt – und das für einen Bruchteil des Preises.

Das Celestron Origin (Astroshop*) bringt mit seiner 152-mm-RASA-Optik zwar die mit Abstand stärkste Lichtsammelleistung ins Feld, schlägt preislich aber mit rund 5.300 € bis 6.400 € zu Buche und wiegt einsatzbereit knapp 19 kg – eine völlig andere

Somit bringt DWARFLAB mit einem Einstiegspreis ab 1.499 € (UVP Standard Astroshop*) bzw. 1.669 € (SHO-Edition Astroshop*) das gesamte Premium-Segment mächtig ins Wanken.

ModellMarktpreis (ca.)Öffnung / OptikGewicht & Maße
ZWO Seestar S50 Pro999 €50 mm Triplet / Apoca. 2,8 kg
ca. 208 x 133 x 81 mm
DWARFLAB Draco1.499 € (Std)
1.669 € (SHO)
90 mm Maksutov (f/3,8)ca. 5,5 kg
ca. 386 x 196 x 133 mm
Vaonis Vespera III~2.490 €50 mm Petzval-Apo (f/4,9)ca. 5,0 kg
ca. 380 x 200 x 90 mm
Celestron Origin~4.599 €152 mm RASA (f/2,2)ca. 18,9 kg Gesamt
ca. 610 mm Tubuslänge

Gelassene ZWO-Strategie trotz aufziehender Draco-Konkurrenz

In den einschlägigen Community-Foren zieht der angekündigte Preisrutsch des Draco bereits erste Kreise. Einzelne Kunden überlegen öffentlich ihre Bestellung zu stornieren oder haben ihre S50-Pro-Vorbestellung bereits storniert, um auf den Auslieferungsstart des DWARFLAB Draco zu warten. Der geringe Aufpreis von etwa 500 € ist angesichts der verbauten Hardware schlicht ein starkes Argument.

Dass ZWO den Preis für das Seestar S50 Pro dennoch stur auf 999 € festsetzt und bisher keine Rabattaktion ansetzt, lässt Raum für zwei marktübliche Strategien:

  • Das Vertrauen auf die eigene Plattform: ZWO besitzt mit der Seestar-App eine extrem ausgereifte, schnelle und bewährte Software. Aus eigener Erfahrung – etwa mit dem DWARF Mini – weiß ich, wie groß der Unterschied bei der Benutzerfreundlichkeit und App-Stabilität in der Praxis sein kann. ZWO hatte hier einen ordentlichen Vorsprung.
  • Die Erwartung von Anlaufschwierigkeiten: Ein 90-mm-Maksutov mit aktivem Sensor-Rotator, Kühlung und internem Guiding bringt enorm viel Mechanik mit sich. Bei ZWO könnte man darauf spekulieren, dass der Draco zum Verkaufsstart mit typischen Erstserien-Kinderkrankheiten bezüglich Auskühlzeit, Tauanfälligkeit oder Nachführung zu kämpfen haben könnte.

Mein Fazit

Diese Marktdynamik ist für uns Konsumenten ein absoluter Glücksfall. Wir bekommen High-End-Features zu Preisen, die vor kurzem noch undenkbar erschienen.

Dennoch steht und fällt beim DWARFLAB Draco alles mit der Praxistauglichkeit der verbauten Technik. Wenn eine der vielen neuen Wundermechaniken – allen voran das synchrone Zusammenspiel der drei Achsen zum Ausgleich der Bildfeldrotation im Alt-Az-Modus – in der Praxis verzieht, ruckelt oder Frust erzeugt, hilft auch der beste Preisvorteil nichts. Es bleibt also extrem spannend, wie die ersten unabhängigen Testergebnisse ausfallen werden.

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Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies

Euer Dimi

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