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Dieser Artikel ist Teil meines 60-Tage-Praxistests zum ZWO Seestar S50 Pro*. Das Testgerät wurde mir für diesen Zeitraum von Astroshop / NIMAX GmbH zur Verfügung gestellt. Es handelte sich um keine Schenkung, und es gab keinerlei inhaltliche Vorgaben oder Einflussnahme auf meine Bewertung. Sämtliche Eindrücke, Urteile und Testergebnisse spiegeln ausschließlich meine persönliche, unbeeinflusste Meinung als Astrofotograf wider.
Am Samstagabend wollte ich wissen, was passiert, wenn man im ganz normalen Alt-Azimut-Modus (AZ) ein Objekt über den Plan ansteuert und dabei stur die Funktion „Speichern Sie jeden Frame“ mitlaufen lässt. Zum einen kam kurz zuvor die Anfrage eines Lesers rein, der sich gerne ein paar unbehandelte Rohdaten zum Anschauen gewünscht hat – die ich so ideal per Google Drive bereitstellen kann. Zum anderen wollte ich die Daten selbst in Siril verarbeiten, um zu sehen, wie gut sich das Seestar S50 Pro für eine klassische Bildbearbeitung nutzen lässt. Als Ziel wählte ich IC 1396A, besser bekannt als der Elefantenrüsselnebel. Da ich am Anfang der Aufnahme wieder unterwegs war, programmierte ich das Ganze vorab in der Seestar-App. Den vorgegebenen Rahmen ließ ich dabei völlig unangetastet: Nicht verschoben, nicht gedreht, nicht gezoomt.

Die automatische Rahmungs-Falle im AZ-Modus
Anfangs wunderte ich mich schon, warum nach knapp einer Stunde Laufzeit erst mickrige 16 Minuten Netto-Belichtungszeit auf der Uhr standen. Als nach insgesamt vier Stunden Beobachtungszeit gerade einmal 99 Minuten Gesamtsignal zusammengekommen waren und das fertige App-Bild keinerlei Bildfeldrotation aufwies, dämmerte es mir.

Bei der Ansteuerung über den Plan hält die Seestar-App das vorgegebene Framing nämlich aktiv bei. Weil sich der Himmel im AZ-Modus aber dreht, korrigiert die Software den Bildausschnitt permanent wie ein kleines Mosaik nach. Früher war das beim S50 nicht so: Da wurde das Objekt einfach stur nachgeführt, ohne Rücksicht auf die Drehung des Bildfeldes.
Für Einsteiger ist das eine feine Sache, weil nach zwei Stunden nicht nur die Bildmitte scharf und gut durchbelichtet ist. Für mein Vorhaben – nämlich möglichst viele FITS-Einzelbilder für ein simples Stacking in Siril zu sammeln – war das teils kontraproduktiv. Warum nur teils? Weil man diese Funktion laut Recherche umgehen können sollte: Klickt man vor dem Start auf die Rahmung und tippt auf „Zurücksetzen“, sollte das Teleskop wieder ganz klassisch nur das Objekt verfolgen, ohne krampfhaft das Bildfeld zu halten. Das werde ich bei einer der nächsten Sessions auf jeden Fall noch selbst in der Praxis überprüfen.
FITS-Auswertung in Siril: Quick & Dirty
Das Stacken von knapp 1.267 Einzelbildern à 10 Sekunden entpuppte sich am Sonntag als echter Härtetest für den Rechner. Der Vorgang dauerte fast zwei Stunden und frisst immens viel Speicherplatz. Richtig Sinn macht die externe FITS-Bearbeitung in Siril erst wieder, wenn ich eine Polhöhenwiege (Wedge) nutze und im EQ-Modus aufnehme. Dort sind dann nämlich bis zu 60 Sekunden Einzelbelichtungszeit möglich, was die Datenmenge drastisch reduziert.

Die Bearbeitung der Rohdaten ging dafür extrem flott im „Quick & Dirty“-Verfahren – im Grunde genommen bin ich zu 80 % nach meiner eigenen Kurzanleitung vom Rohstack zum fertigen Astrofoto in Siril 1.4 vorgegangen:
- Automatisch per Skript gestackt.
- Photometrische Farbkalibrierung durchgeführt.
- Sterne per StarNet entkoppelt.
- Den Nebel mit dem Veralux Hypermetric Stretch-Skript hochgezogen.
- Mit Cosmic Clarity nachgeschärft und mit Prism Deep bearbeitet.
- Die Farbsättigung gezielt angehoben.
- Sterne wieder hinzugefügt und den Kontrast leicht verfeinert.

Dabei zeigte sich, dass die automatische Rahmungskorrektur der Seestar-App erstaunlich präzise arbeitet. Erst beim tiefen Stretchen fielen die typischen Mosaik-Ränder auf. Am Ende musste ich zwar rund die Hälfte des Bildes wegschneiden, um ein wirklich stimmiges Ergebnis zu bekommen, aber das Resultat für so eine kleine Optik im AZ-Modus kann sich absolut sehen lassen.

Auch der direkte Vergleich zum fertigen 212-Minuten-Stack aus der Seestar-App ist spannend: Das App-Bild ist für sich genommen keineswegs schlecht. Aber wenn man es neben das Siril-Ergebnis legt, sieht man sofort, wie viel Bildfläche am Rand der Feldrotation zum Opfer fällt.

Mein Fazit für lange Sessions im AZ-Modus
Exzessive Langzeitbelichtungen von 6 Stunden und mehr machen im reinen AZ-Modus eigentlich nur bedingt Sinn – zumindest dann, wenn man sich ausschließlich auf das interne Stacking der Seestar-App verlässt. Der Unterschied im Signal zwischen 99 Minuten und 212 Minuten ist im App-Ergebnis nicht so gewaltig, wie die reine Belichtungszeit vermuten lässt, zumal enorm viel Zeit für das ständige Nachkorrigieren der Bildfeldrotation draufgeht. Holt man sich hingegen die FITS-Einzelbilder auf den Rechner und bearbeitet sie extern in Siril, sieht die Sache zwar etwas besser aus, aber auch hier bleibt der Gewinn im AZ-Modus überschaubar. Die wahre Stärke in Kombination mit Siril dürfte das Seestar S50 Pro erst im EQ-Modus auf einer Wedge ausspielen, wenn man mit bis zu 60 Sekunden Einzelbelichtungszeit arbeiten kann.
Im Standard-Modus bleibt das S50 Pro ein unkompliziertes Spaßgerät mit richtig herzeigbaren Quick-Results. Sobald man es aber auf eine Wedge schnallt, den EQ-Modus aktiviert und die FITS-Daten in Siril verarbeitet, schlummern hier – da bin ich mir ziemlich sicher – die Gene einer vollwertigen, extrem kompakten Reiseauusrüstung. Ich muss ehrlich zugeben: Beim alten S50 war der Drang nie besonders groß, aber nach diesem Test bin ich jetzt so richtig heiß darauf, mir eine EQ-Plattform zu besorgen und den EQ-Modus auf Herz und Nieren durchzutesten!
Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies
Euer Dimi
























