S50 Pro Test – Tag 6: Erstes Mosaik unter schweren Bedingungen – und eine Enttäuschung, die eigentlich keine ist

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Dieser Artikel ist Teil meines 60-Tage-Praxistests zum ZWO Seestar S50 Pro*. Das Testgerät wurde mir für diesen Zeitraum von Astroshop / NIMAX GmbH zur Verfügung gestellt. Es handelte sich um keine Schenkung, und es gab keinerlei inhaltliche Vorgaben oder Einflussnahme auf meine Bewertung. Sämtliche Eindrücke, Urteile und Testergebnisse spiegeln ausschließlich meine persönliche, unbeeinflusste Meinung als Astrofotograf wider.

Bevor wir zur vergangenen Nacht kommen, muss ich kurz ein Thema ansprechen, das mir gestern Abend erst so richtig bewusst wurde: das Thema „Dual Vision“. Der Begriff hatte sich bei mir fest als eine parallele Nutzung der Tele- und Weitwinkelkamera im Live-Stacking eingebrannt. Also ein Bild, das die Daten beider Linsen gleichzeitig verarbeitet. Als ich gestern Abend am Smartphone saß und verblüfft feststellen musste, dass ich schlicht keine Option finde, um so einen kombinierten Live-Stack zu aktivieren, folgte die Ernüchterung.

Denn eine simultane Nutzung ist natürlich nicht vorgesehen. Hätte ZWO das Feature „Switch-Vision“ genannt, hätte ich sofort gewusst, was gemeint ist! Das einfache Umschalten zwischen beiden Kameras ist im Grunde kalter Kaffee und hätte nicht wirklich beworben werden müssen. Das S30 Pro kann das, und gefühlt jedes DWARFLAB-Gerät bringt diese Funktion ebenfalls mit. Am Ende bin ich da schlicht meiner eigenen Erwartungshaltung und der Unfähigkeit, mich genau zu informieren, aufgesessen. Schade drum, aber verbuchen wir das ehrlicherweise unter der Kategorie: „Selber schuld, falsch interpretiert!“

Das Seestar S50 Pro verkabelt auf dem Carport-Dach: Bereit für die nächtliche Mosaik-Session.

Vernunft siegt über Vorfreude: Nebel statt Milchstraße

Eigentlich hatte ich mir für die erste klare Nacht fest vorgenommen, das Seestar im Milchstraßen-Modus auszuprobieren. Das Zusammenspiel aus Weitwinkel und Landschaft im Vordergrund reizt mich extrem, weil ich so etwas mit meinem großen Equipment in der Sternwarte gar nicht machen kann und die Bildverarbeitung eine ganz andere ist als bei klassischem Deep Sky oder Planeten.

Ein Blick nach oben reichte aber für die Ernüchterung: Ein dicker, fast 90-prozentiger Mond strahlte am Himmel. Eine Milchstraßen-Aufnahme unter diesen Bedingungen wäre reine Zeitverschwendung gewesen. Also habe ich das Projekt schweren Herzens auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und mich stattdessen für schmalbandige Emissionsnebel entschieden, bei denen der eingebaute LP-Filter seine Muskeln ausspielen kann.

Der unkluge AI Auto-Plan & Ein fieser UI-Bug

Bei der Vorbereitung wollte ich dem automatischen „AI Auto-Plan“ eine Chance geben – und wurde schmerzhaft daran erinnert, warum ich Automatikfunktionen meist skeptisch gegenüberstehe.

Die KI schlug mir allen Ernstes Galaxien (Kontinuumsstrahler) mitten im hellsten Mondlicht vor. Dazu wurden die Belichtungszeiten völlig absurd in 1-Stunden-Häppchen zerstückelt und ein und dasselbe Objekt wurde teilweise mehrfach unter verschiedenen Katalognummern zu unterschiedlichen Zeiten eingeplant. Das ist schlichtweg nicht durchdacht. Also habe ich die AI-Auto-Planung direkt wieder verworfen und mich für eine traditionelle manuelle Wahl entschieden.

Manuelle Rahmung im SkyAtlas: Ein riesiges Mosaik (1,7-fach) für den gesamten Cygnus-Loop-Komplex.

Also habe ich mir manuell ein in meinen Augen anspruchsvolles Projekt zusammengebaut: Ein fast maximales Mosaik (1,7-fache Vergrößerung inkl. Drehung) des kompletten Schleiernebel-Komplexes (Cygnus Loop / Sh2-103). Geplante Brutto-Laufzeit: Von 21:30 Uhr bis 04:30 Uhr morgens, also stramme 7 Stunden!

Dabei ist mir ein kritischer Bug in der Seestar-App aufgefallen: Wenn man im Planer das Mosaik-Feld manuell dreht und danach den Namen des Objekts anpasst und bestätigt, setzt die App die Rahmendrehung lautlos wieder auf 0° zurück! Hätte ich das nicht zufällig vor dem Start kontrolliert, wäre der gesamte Bildausschnitt völlig in die Hose gegangen. Vermutlich hilft es hier nur, den Namen zuerst anzupassen und den Rahmen erst ganz zum Schluss zu drehen – das muss ich beim nächsten Mal aber noch genauer austesten.

21:30 Uhr: Das Seestar startet pünktlich aus der Warteschleife in das geplante Beobachtungsprogramm.

21:30 Uhr: Das Seestar startet pünktlich aus der Warteschleife

Pünktlich um 21:30 Uhr erwachte das Seestar auf dem Carport zum Leben, hob den Arm und steuerte das Ziel an. Und was soll ich sagen: Nach Plate Solving, horizontaler Kalibrierung und Autofokus lief bereits nach knapp 3 Minuten der allererste Frame des Mosaiks durch das Stacking!

Erstes Frame geschafft: Schon nach 3 Minuten saß die Ausrichtung und das Mosaik-Stacking lief an.

Hier muss ich der Software ein riesiges Lob aussprechen – das läuft beim Seestar extrem geschmeidig. Beim DWARFLAB Dwarf Mini war genau das oft ein Geduldsspiel: Selbst wenn ich ein Objekt nahe dem Zenit ausgewählt hatte, wollte das Mini seinen Plate Solve stur unten in der Horizontalen durchführen. Wenn dann genau am Horizont ein Haus oder Bäume im Weg standen, ging gar nichts mehr und ich musste manuell nachhelfen. ZWO hat die interne Software (die spürbar auf einer abgespeckten ASIAir-Architektur basiert) einfach hervorragend im Griff. Das läuft runder als bei der Konkurrenz. Auch wenn ich mir ehrlich wünsche, dass Mitbewerber aufholen. Vielleicht wird es mit dem kommenden Dwarf Draco wieder spannender.

181 Minuten Netto-Signal unter Mondlicht

Am Ende der Nacht standen netto 181 Minuten (also gut 3 Stunden) tatsächlich gestackte Belichtungszeit auf der Uhr.

Das finale Ergebnis aus der Nacht: Der komplette Schleiernebel-Komplex (Sh2-103) als 1,7x Mosaik im AZ-Modus nach 181 Minuten Netto-Belichtung.

Angesichts der Rahmenbedingungen ist das ein richtig guter Wert:

  1. Wir hatten einen fast 90 % stehenden Mond am Himmel.
  2. Es zogen immer wieder feine Schleierwolken durch die Nacht.
  3. Und vor allem: Es war ein Mosaik!

Wer mit Smart-Teleskopen Mosaike aufnimmt, sollte folgendes bedenken: Durch das ständige Anfahren der Einzelpanele, das Verwerfen von Grenz-Frames und das Overlap-Berechnen bleibt von der eigentlichen Brutto-Laufzeit meist nur etwa ein Drittel an reiner Netto-Belichtungszeit übrig.

Das finale Bild aus der App kann sich absolut sehen lassen! Die feinen Filamente des Hexenbesens und des Ostnebels kommen trotz Mondlicht fantastisch heraus. Für mich bleibt ein Smart-Teleskop zwar primär ein entspanntes Zweitgerät neben meinem Haupt-Equipment, aber was das S50 Pro hier im reinen Alt-Az-Modus abliefert, ist extrem beeindruckend. Ich kann es mir mittlerweile richtig gut vorstellen, das Teil im EQ-Modus als kompakten Reise-Astrographen einzupacken und die Lights dann auch mal sauber mit Siril durchzurechnen.

Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies

Euer Dimi


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2 Kommentare zu „S50 Pro Test – Tag 6: Erstes Mosaik unter schweren Bedingungen – und eine Enttäuschung, die eigentlich keine ist“

    • Hallo Frank,

      vielen Dank dir für das tolle Feedback! Freut mich riesig, dass dir das Tagebuch-Format gefällt. Es stehen noch ein paar spannende Nächte und Tests an – du darfst also gespannt sein, was da noch kommt!

      Bester Gruß und allzeit Clear Skies,
      Dimi

      Antworten

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