Über diese Objekt
Wer NGC 3718 im Sternbild Großer Bär (Ursa Major) ansteuert, verlässt die klassischen Pfade der perfekten Spiralen. Diese Galaxie ist ein Paradebeispiel für die gewaltigen Kräfte, die wirken, wenn Galaxien einander zu nahe kommen. Was auf den ersten Blick wie ein verzerrtes „S“ wirkt, ist ein hochkomplexes astrophysikalisches System, das aufgrund seiner extremen Verformung in meine Kategorie für exotische Formen fällt.
Die Galaxie wird als Balkenspirale vom Typ SB(s)ab pec klassifiziert. Das markante Staubband, das sich untypisch quer über den hellen Kern zieht, und die weit ausladenden, schwachen Außenbereiche machen sie zu einem technisch anspruchsvollen Ziel für die Astrofotografie.
- Der Warp-Effekt: Die Gasscheibe ist in den äußeren Bereichen um fast 90° gegenüber der inneren Scheibe geneigt. Man vermutet, dass NGC 3718 vor langer Zeit eine gasreiche Zwerggalaxie verschluckt hat, deren Überreste nun senkrecht zur Hauptebene rotieren.
- Gezeiten-Drama: Die extrem verbogene S-Form ist das Resultat einer gravitativen Wechselwirkung mit der etwa 150.000 Lichtjahre entfernten Nachbargalaxie NGC 3729.
- Aktiver Kern: Als Seyfert-Galaxie (Typ L1.9) beherbergt sie ein supermassereiches schwarzes Loch, das aktiv Materie verschlingt und im Radiobereich deutlich nachweisbar ist.
- Arp 214: Im „Atlas of Peculiar Galaxies“ von Halton Arp ist sie als Objekt 214 gelistet – eine exklusive Sammlung für Galaxien, die „aus dem Rahmen fallen“.
- HCG 56 – Die kompakte Kulisse: Nur 7 Bogenminuten entfernt liegt die Hickson Compact Group 56. Die fünf Hintergrundgalaxien sind mit 400 Millionen Lichtjahren fast achtmal weiter entfernt und bieten einen genialen Tiefeneffekt auf dem Foto.
- Sternentstehungs-Vakuum: Trotz der starken Verformung ist die Sternentstehungsrate in den Außenbereichen gering; das meiste Gas konzentriert sich ungewöhnlicherweise im hellen Zentrum.
Objekt Details
| Katalognummer(n): | NGC 3718 / Arp 214 |
| Typ: | Balkenspiralgalaxie Pekuliäre Galaxie |
| Entfernung: | ca. 52 Mio Lj. |
| Ausdehnung: | ca. 120.000 Lj. |
| scheinbare Helligkeit: | ca. 10,6 mag |
| Sternbild: | Großer Bär |
Über diese Aufnahme
Mit insgesamt 7 Stunden und 40 Minuten Belichtungszeit konnte ich ordentlich Photonen sammeln. Bei diesem Objekt ist das auch bitter nötig: Während das Zentrum der Galaxie noch recht hell leuchtet, verblassen die weit ausladenden, verbogenen Arme sehr schnell im Hintergrundrauschen. Ich habe mich für Einzelbelichtungen von 120 Sekunden entschieden, um einerseits genug Tiefe für die schwachen Außenbereiche zu bekommen, aber gleichzeitig den extrem hellen aktiven Kern nicht komplett „ausbrennen“ zu lassen.
Es war eine dieser herrlich unaufgeregten Nächte, in denen man das Teleskop einfach laufen lassen kann. Wenn ich ganz kritisch hinschaue, merke ich allerdings, dass ich mein Teleskop demnächst mal wieder fein kollimieren muss. Bei der Abbildung der feinen Sterne in den Ecken sieht man das bei genauem Hinsehen ein wenig, aber für die Details in der Galaxie hat es zum Glück trotzdem gereicht. Das Ergebnis ist ein sauberer Datensatz, der die feinen, dunklen Staubadern und die markante S-Form der Galaxie richtig schön zur Geltung bringt. Sogar die winzige Galaxiengruppe HCG 56 im Hintergrund ist bei dieser Belichtungszeit schon richtig gut strukturiert zu erkennen.
Aufnahme Details
| Datum: | 17. 03. 2026 |
| Teleskop: | TS-Optics 10″ Astrograph* |
| Montierung: | PetrusII (Eigenbau) |
| Kamera: | Svbony SV405CC (Amazon🛒) |
| Filter: | Astronomik Luminanz UV-IR-Blockfilter L-2 2″* |
| Zubehör: | TS-Optics N-AGK3 Komakorrektor* |
| Aufnahmezeit : | 7h 40m |
| Anmerkung: |
Ältere Aufnahmen
Interessiert an der Entstehung? Hier findest du meine früheren Versionen dieses Objekts aus dem Astroarchiv
































