Ein kleiner Disclaimer vorweg:
Bei der Astrofotografie führen bekanntlich viele Wege nach Rom. Die hier beschriebenen Schritte stellen einen bewährten Workflow dar – je nach persönlicher Präferenz, Software-Version oder Datenbasis können einzelne Teilschritte (wie das Entsternen oder die Farbkalibrierung) natürlich auch in einer leicht abweichenden Reihenfolge durchgeführt werden.
Hinweis zum gezeigten Ergebnis:Für diese Bildanleitung habe ich die Streckung des sternlosen Nebels nach „Quick and Dirty“-Manier durchgeführt, um den reinen Ablauf anschaulich und zügig zu demonstrieren. Mit etwas mehr Zeit und einer feingliedrigeren Ausarbeitung des Starless-Stretches lässt sich aus dem Nebel natürlich noch deutlich mehr Tiefe und Detail herauskitzeln!
Mehrere Belichtungsnächte?Falls ihr Daten aus verschiedenen Nächten verarbeiten möchtet, müsst ihr diese vorab separat kalibrieren und zusammenführen. Eine ausführliche Anleitung dazu findet ihr hier:Nur mit Skripte: Mehrere Nächte unter Siril kalibrieren und stacken

Arbeitsverzeichnis für die RGB-Daten wählen
Über das Haus-Symbol oben links wähle ich zuerst das Arbeitsverzeichnis aus. Hier liegen die Ordner mit meinen RGB-Aufnahmen – also die LIGHTs sowie eventuell vorhandene Kalibrierbilder wie darks, flats oder biases.

RGB-Bild stacken
Als Nächstes lasse ich das Bild stacken und wähle dafür über den Menüpunkt Skripte das passende Skript aus. Da ich mein RGB-Material zusammen mit Darks, Flats und Biases aufgenommen habe, nehme ich in meinem Fall das Skript OSC_Preprocessing.ssf.
Solltest du ohne Kalibrierbilder arbeiten, wählst du stattdessen das Skript OSC_Preprocessing_WithoutDBF aus.
Skripte → SIRIL Skriptdateien → OSC_Preprocessing.ssf

Arbeitsverzeichnis für die Dual-Narrowband-Daten wählen
Nachdem der RGB-Stack fertig ist, wechsle ich den Ordner. Über das Haus-Symbol oben links wähle ich diesmal das Arbeitsverzeichnis meiner Dual-Narrowband-Dateien aus. Auch hier liegen die Ordner mit den Schmalband-LIGHTs sowie eventuell vorhandene Kalibrierbilder wie darks,flats oder biases.

Schmalband-Bild stacken
Als Nächstes lasse ich das Schmalband-Bild stacken. Dazu wähle ich über den Menüpunkt Skripte das Skript OSC_Extract_HaOIII.ssf aus.
Dieses Skript ist ideal für Dual-Narrowband-Aufnahmen: Es zieht eventuell vorhandene Kalibrierbilder (Darks, Flats, Biases) ab und trennt beim Stacken die Farb-Pipeline direkt in zwei separate Dateien für Ha und OIII.
(Skripte → SIRIL Skriptdateien → OSC_Extract_HaOIII.ssf)

Arbeitsordner erstellen und Dateien zusammenführen
Im nächsten Schritt lege ich mir einen neuen Ordner an – ich nenne ihn einfach Arbeit. Der Name spielt hierbei keine Rolle, er dient nur als zentrale Anlaufstelle für die weiteren Schritte.
In diesen Ordner kopiere ich mir nun alle drei gestackten Ergebnisse zusammen:
- Das gestackte RGB-Bild (liegt im RGB-Hauptverzeichnis unter dem Namen result_xxxs.fit)
- Die beiden gestackten Ha- und OIII-Bilder (zu finden im Unterordner results des Schmalbandverzeichnisses unter den Namen result_Ha_xxxs.fit und result_OIII_xxxs.fit)

Arbeitsverzeichnis auf den Arbeitsordner wechseln
Nun wechsle ich in Siril abermals das Arbeitsverzeichnis. Dazu klicke ich oben links erneut auf das Haus-Symbol und wähle meinen neu angelegten Ordner Arbeit aus.
Ab jetzt liegen alle drei Dateien zentral an einem Ort bereit, damit ich sie im nächsten Schritt aufeinander ausrichten kann.

HOO-Schmalbandbild zusammenbauen und ausrichten
Unter Bildbearbeitung → Komposition → RGB Zusammensetzung… öffne ich die Bildkomposition und weise die Monochrom-Dateien den einzelnen Farbkanälen zu:
- Rot-Kanal: Ich wähle die Datei result_Ha_xxxs.fit
- Grün-Kanal: Ich wähle die Datei result_OIII_xxxs.fit
- Blau-Kanal: Ich wähle ebenfalls die Datei result_OIII_xxxs.fit
Im Anschluss wähle ich unten als Ausrichtungs-Methode Deep Sky (zweistufige globale Stern-Registrierung) und klicke auf den Button Ausrichten. Siril richtet das Ha- und OIII-Bild nun exakt aufeinander aus.

Ausgerichtetes HOO-Bild manuell speichern
Da Siril über die Bildkomposition keine automatische Datei auf der Festplatte anlegt, speichere ich das Ergebnis manuell ab.
Dazu klicke ich oben rechts auf das Speichern-Symbol, vergebe einen eindeutigen Namen wie M27_HOO_ausgerichtet.fit und wähle im nachfolgenden Fenster das Format 32-Bit Fließkomma aus.

RGB-Bild und HOO-Bild in neue Sequenz laden
Im Anschluss daran wechsle ich im rechten Arbeitsfenster auf den Reiter Umrechnung.
Über das + Symbol (Dateien hinzufügen) wähle ich mein normales RGB-Bild result_xxxs.fit und das neu erstellte HOO-Bild M27_HOO_ausgerichtet.fit aus und füge beide Dateien der Liste hinzu.

Sequenz umwandeln
Danach gebe ich unter Name für die Sequenz einen eindeutigen Namen ein (wie z. B. final_align) und klicke auf die Schaltfläche Umwandeln.

Registrierung durchführen
Im Anschluss wechsle ich in den Reiter Registrierung.
Hier belasse ich die Einstellungen auf der Standardmethode Allgemeine Stern-Ausrichtung (Deep Sky) und klicke auf den blauen Button Führe Registrierung aus.
Siril vergleicht nun die Sterne auf beiden Bildern und richtet das RGB-Bild und das HOO-Bild absolut deckungsgleich aufeinander aus.

Gemeinsamen Zuschnitt durchführen
Um unschöne Registrierungsränder zu entfernen, schalte ich die Vorschau unten auf Auto-Stretch.
Ich ziehe mit der Maus ein Auswahlrechteck um das Objekt auf – mit ausreichend großzügigem Außenabstand zum Nebel. Per Rechtsklick ins Bild wähle ich im Kontextmenü Beschneiden → Zuschnitt auf gesamte Sequenz anwenden….
Siril schneidet nun sowohl das HOO-Bild als auch das RGB-Bild exakt an denselben Koordinaten zu. Die neu erzeugten Dateien erhalten das Präfix cropped_ (z. B. cropped_final_align_00001.fit).

Zuordnung prüfen und Dateien umbenennen
Um im Ordner nicht den Überblick über die Nummerierungen zu verlieren, öffne ich im Arbeitsverzeichnis die Textdatei final_align_conversion.txt.
Hier spickt Siril genau vor, welche Ursprungsdatei hinter welcher Nummer steckt:
final_align_00001.fitentspricht meinem HOO-Bildfinal_align_00002.fitentspricht meinem RGB-Bild
Anschließend benenne ich die fertig ausgerichteten und gecroppten Dateien im Ordner (die mit dem Präfix cropped_) direkt in eindeutige Namen wie HOO.fit und RGB.fit um.
Damit hast du jetzt zwei perfekt aufeinander ausgerichtete und identisch zugeschnittene Farbbilder im Ordner liegen.

RGB-Sterne mit StarNet++ isolieren
Als Nächstes öffne ich in Siril die Datei RGB.fit, um die Sterne des RGB-Bildes vom Hintergrund zu trennen.
Unter Bildbearbeitung → Sternbearbeitung → StarNet Sternentfernung… öffne ich das Starnet-Fenster. Da sich das Bild noch im linearen Zustand befindet, aktiviere ich die Option Lineares Bild vordehnen. Zudem stelle ich sicher, dass das Häkchen bei Generiere Sternmaske gesetzt ist.
Mit einem Klick auf Ausführen trennt StarNet das Bild in das sternlose RGB-Bild und die reine Sternenmaske (starmask_RGB.fit).
(Bildbearbeitung – Sternbearbeitung – Starnet Sternentfernung)

HOO-Schmalbandbild entsternen
Als Nächstes öffne ich in Siril die Datei HOO.fit, um auch hier eine saubere Sternentfernung durchzuführen.
Unter Bildbearbeitung → Sternbearbeitung → StarNet Sternentfernung… wähle ich erneut die Option Lineares Bild vordehnen.
Nach einem Klick auf Ausführen erhalte ich das reine, sternlose Schmalbandbild (starless_HOO.fit). Dieses bildet nun die perfekte Grundlage, um den Nebel, seine Strukturen und den Hintergrund separat und ohne aufgeblähte Sterne auszuarbeiten.
(Bildbearbeitung – Sternbearbeitung – Starnet Sternentfernung)

HOO-Hintergrund (sternlos) stretchen und ausarbeiten
Der nächste Schritt besteht darin, das sternlose HOO-Bild (starless_HOO.fit) zu stretchen und farblich sowie kontrastscharf auszuarbeiten.
Da der Arbeitsablauf zum Strecken (z. B. via Hyperbolic Stretch oder GHS), Entrauschen und Nachschärfen identisch mit der regulären Bildbearbeitung ist, verzichte ich an dieser Stelle auf eine doppelte Erklärung.
Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu findet ihr direkt auf meinem Blog:

Bearbeitetes HOO-Bild abspeichern
Nachdem der sternlose HOO-Hintergrund fertig gestreckt, entrauscht und farblich ausgearbeitet ist, speichere ich das Ergebnis unbedingt als 32-Bit FITS unter dem Namen starless_HOO_Final.fit ab.

Astrometrie (Platesolving) der RGB-Sternenmaske
Bevor die reinen RGB-Sterne gestreckt werden, bringe ich sie geometrisch und farblich auf Stand.
Dazu öffne ich die Datei starmask_RGB.fit in Siril:
- Ich rufe das Menü Werkzeuge → Astrometrie → Astrometrische Lösung… auf.
- Falls notwendig, gebe ich im Suchfeld mein Objekt (z. B. M27) ein, um Siril die passenden Startkoordinaten zu liefern.
- Sehr wichtig!!!: Ich deaktiviere die Optionen „Bild bei Bedarf spiegeln“ und „Automatischer Crop“, damit die Geometrie und Ausrichtung der Sternenmaske exakt deckungsgleich zum HOO-Bild bleiben!
- Mit einem Klick auf OK führt Siril die astrometrische Lösung sauber durch.
(Werkzeuge – Astrometrie – Astrometrische Lösung)

Spektrofotometrische Farbkalibrierung (SPCC) durchführen
Im Anschluss führe ich die Farbkalibrierung für naturgetreue Farben durch.
(Bildbearbeitung – Farbkalibrierung – Spektrofotometrische Farbkalibrierung)

RGB-Sterne abspeichern
Nach der erfolgreichen Farbkalibrierung (ggf. vorher noch Grünrauschen entfernen und die Farbsättigung leicht anheben) speichere ich die Sternenmaske im 32-Bit FITS-Format unter dem Namen starmask_RGB_Final.fit ab.

Stern-Neuzusammensetzung durchführen
Danach füge ich das gestreckte sternlose Bild und die lineare Sternenmaske über das Werkzeug Stern-Neuzusammensetzung wieder zusammen.
Ich wähle links das bereits gestreckte Nebelbild (starless_HOO_Final.fit) und rechts die lineare Sternenmaske (starmask_RGB_Final.fit) aus.
Über die Regler auf der rechten Seite strecke ich die Sternenmaske nun schrittweise und gefühlvoll, bis das Gesamtbild perfekt harmoniert. Durch dieses kontrollierte Vorgehen verhindere ich, dass die Sterne schlagartig ausbrennen, ihre natürlichen RGB-Farben verlieren oder sich unschön aufblähen.
(Bildbearbeitung – Sternbearbeitung – Starnet Stern-Neuzusammensetzung)

Das fertige Bild abspeichern
Zum Schluss speichere ich das zusammengesetzte Bild als FITS (z. B. M27.fit) sowie für die Weiterverwendung, Veröffentlichung oder Präsentation in gängigen Formaten wie TIFF oder PNG ab.
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Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies
Euer Dimi




















