DWARFLAB Draco: Sensor-Rotator statt EQ-Keil! DWARFLAB mit cleverer Marktstrategie

Kaum war der erste Bericht zum Draco online, legt DWARFLAB nach und sorgt in der Astrofotografie-Community für Staunen. In einem brandneuen Video auf der offiziellen DWARFLAB Facebook-Seite präsentiert der Hersteller eine Funktion, die das Thema Feldrotation völlig neu aufrollen könnte: Einen im Gehäuse verbauten, rotierenden CMOS-Sensor!

Bildquelle: DWARFLAB auf Facebook

Unter dem Slogan „Less Setup. More Sky.“ verspricht der Hersteller lange Belichtungszeiten, ohne dass das Teleskop aufwendig eingenordet oder auf einen schrägen Neigekeil (Wedge) geschraubt werden müsste.

Was DWARFLAB offiziell angekündigt hat

In der Videobeschreibung bringt es der Hersteller folgendermaßen auf den Punkt:

  • Kein Polar Alignment erforderlich: Der Draco könne komplett aufrecht in der gewohnten Alt-Az-Position verbleiben.
  • Rotierender Sensor: Ein interner Mechanismus drehe den CMOS-Sensor mit, um die Feldrotation direkt an der Kamera auszugleichen.
  • Weniger Aufwand: Das Ausrichten auf den Himmelspol entfalle damit komplett.
  • Priority Access: Über eine freigeschaltete Aktionsseite sammelt DWARFLAB bereits E-Mails für den bevorstehenden Launch.

Der Sensor-Rotator: Geniale Innovation oder gewagtes Experiment?

Bislang gingen viele Beobachter – mich eingeschlossen – davon aus, dass DWARFLAB dem Draco einen klassischen EQ-Modus samt Polhöhenwiege spendieren würde. Das neue Feature stellt diese Vermutung jedoch auf den Kopf. Ein im Gehäuse rotierender Sensor böte enorm viel Komfort, wirft aus technischer Sicht aber auch berechtigte Fragen auf.

Müssen drei Achsen perfekt synchron laufen?

Sollte der Rotator die Feldrotation tatsächlich während einer laufenden Einzelbelichtung (von 60 bis 300 Sekunden) kontinuierlich ausgleichen, müsste die Mechanik extrem präzise arbeiten. Drei Achsen – Alt, Azimuth und der Sensor-Rotator – müssten absolut spielfrei und ruckelfrei aufeinander abgestimmt sein, damit Sterne nicht verzogen werden. Das erscheint mir für ein kompaktes Konsumenten-Gerät eher als unwahrscheinliche Variante.

Alternativ-Szenario: Schrittweiser Ausgleich zwischen den Frames?

Denkbarer und technisch einfacher umsetzbar wäre ein schrittweiser Ausgleich. Der Rotator könnte das Bildfeld jeweils zwischen den einzelnen Kurzzeitbelichtungen (z. B. nach allen 10 bis 15 Sekunden) nachjustieren.

Dies böte einen riesigen Vorteil, den ich mir schon beim Erscheinen anderer Smart-Teleskope sehnlichst gewünscht habe (siehe dazu auch meinen Bericht zum Seestar S30 Pro und dem fehlenden Bildfeldrotator). Beim stundenlangen Live-Stacking ginge kaum noch Bildfeld an den Rändern verloren, da die Aufnahmen nicht mehr per Software gedreht und beschnitten werden müssten.

Was wir derzeit nur vermuten können

Da ein detailliertes technisches Handbuch noch aussteht, sollte man die folgenden Punkte vorerst mit kritischer Distanz betrachten:

  • Der Rotator könnte prinzipiell auch für die Motiv-Ausrichtung (Framing) genutzt werden, um Nebel und Galaxien optimal im Bildfeld zu platzieren.
  • Ob das System bei sehr langen Belichtungszeiten tatsächlich nahtlos nachführen würde, müssten erste Praxistests unter realem Sternenhimmel erst noch unter Beweis stellen.
  • Es bliebe abzuwarten, wie stabil die Mechanik im Dauerbetrieb arbeitet und ob durch die zusätzliche Komponente ein höherer Stromverbrauch zu erwarten wäre.

Mein Fazit: Geniale Idee, cleveres Timing

Ich muss ganz ehrlich sein: So genial ein rotierender Sensor auf dem Papier auch klingt, ich kann mir derzeit noch schwer vorstellen, wie DWARFLAB diese präzise Drei-Achsen-Mechanik in einem kompakten Konsumenten-Gerät spielfrei und langlebig umsetzen möchte. Sollten die Entwickler das aber tatsächlich im Griff haben, wäre es ein echter Paukenschlag auf dem Markt der Smart-Teleskope.

Sehr auffällig ist auch das Timing dieser Ankündigung: Dass DWARFLAB die Voranmeldung auf der offiziellen Landingpage genau in dem Moment freischaltet, in dem das Seestar S50 Pro von ZWO bei vielen Händlern vergriffen ist, dürfte kein Zufall sein.

Offizielle Angaben zum Preis gibt es herstellerseitig übrigens noch immer nicht. Durch die Kombination aus 90-mm-Optik, aktiver Sensor-Kühlung und dem komplexen Sensor-Rotator ist es jedoch extrem wahrscheinlich, dass wir uns hier erstmals im vierstelligen Preissegment bewegen dürften.

Es bleibt extrem spannend zu beobachten, ob sich dieses Konzept in der Praxis bewähren wird. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies

Euer Dimi

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