DWARFLAB Draco: Schon bei deutschen Händlern vorbestellbar – Alle Fakten zum neuen Flaggschiff!

Nach den ersten vagen Teasern herrscht endlich Gewissheit: Die ersten internationalen Händler-Listings sind online und DWARFLAB hat die Katze aus dem Sack gelassen. Das neue Smart-Teleskop hört auf den Namen DWARFLAB Draco und markiert eine völlig neue Premium-Geräteklasse des Herstellers. Wer dachte, hier kommt nur ein leicht aufgebohrter DWARF 3, liegt gewaltig falsch.

Bildquelle: Astroshop.de*

Die veröffentlichten Spezifikationen und Patentrecherchen aus der Astro-Community zeigen ein extrem ambitioniertes System, das mit hochinteressanten Detaillösungen aufwartet – aber auch ein saftiges Preisschild trägt.

Was wir bisher sicher wissen: Die Hardware-Daten

Auf der offiziellen DWARFLAB Facebook-Seite sowie auf den ersten Händlerseiten wie Astroshop mit dem DWARFLAB MC 90/340 Draco* und DWARFLAB MC 90/340 Draco SHO* wurden die technischen Eckdaten offiziell bestätigt:

  • Optisches System: 90 mm Öffnung und 340 mm Brennweite. Das gefaltete, katadioptrische Spiegelsystem (Cassegrain-Bauart mit integriertem Reducer) sorgt für eine extrem schnelle Blende von f/3,8.
  • Aktiv gekühlter Sensor: Ein gekühlter CMOS-Farb-Kamera-Sensor (OSC) soll das thermische Rauschen bei langen Belichtungszeiten drastisch reduzieren.
  • Integriertes Filterrad: Die Version Draco SHO kommt ab Werk mit einem automatischen Dual-Filterrad für Schmalband-Fotografie.
  • Dual-Kamera-System: Eine zusätzliche Weitwinkel-Kamera an der Front übernimmt das Plate Solving und dient im Betrieb als integriertes Leitfernrohr (Built-in Guide Scope).
  • Der Preis: Die Standard-Variante wird bei den ersten Händlern für rund 1.800 € gelistet, während das voll ausgestattete SHO-Paket mit knapp 2.000 € zu Buche schlägt.

Der Sensor-Rotator: Genial gelöst oder mechanisches Wagnis?

Das spannendste Feature bleibt der integrierte CMOS-Sensor-Rotator. Bislang gingen viele Beobachter – mich eingeschlossen – davon aus, dass man das Teleskop für lange Belichtungszeiten zwingend auf eine Neigekeil (Wedge) schrauben müsste. DWARFLAB geht jedoch einen anderen Weg:

  • Feldrotation im Alt-Az-Betrieb: Der Sensor dreht sich im Gehäuse physisch mit, um die Erdrotation im normalen, aufrechten Stand auszugleichen. Ein zeitaufwendiges Einnorden (Polar Alignment) entfällt damit.
    • Der physikalische Haken bei der kontinuierlichen Drehung: Wenn sich der Sensor während einer laufenden 300-Sekunden-Einzelbelichtung physisch dreht, müsste sich das Zentrum der Sensor-Rotation exakt im optischen Mittelpunkt des Leitstern-Systems und der Optik befinden. Ist das nicht zu 100 % perfekt kalibriert, führt jede feine Eigenrotation der Kamera zwangsläufig zu leichten Strichspuren an den Bildrändern.
    • Wahrscheinlicheres Praxisszenario: Viele erfahrene Astrofotografen vermuten daher, dass die physische Rotation in erster Linie für das Framing vor der Aufnahme und für die Nachjustierung zwischen den einzelnen Kurzzeit-Frames (z. B. im 10- bis 30-Sekunden-Takt) dient. Dass ein System für knapp 2.000 € während einer durchgehenden 5-Minuten-Belichtung alle drei Achsen mikrometergenau und spielfrei synchronisiert, gilt in der Community bisher als sehr unwahrscheinlich.
  • Freies Framing: Der Rotator erlaubt es zudem, das rechteckige Bildfeld physisch an das Motiv anzupassen. Langgezogene Objekte wie die Andromeda-Galaxie lassen sich so optimal diagonal auf den Chip legen, ohne wertvolle Pixel per Software-Beschneidung zu verschenken.
  • Zusätzlicher EQ-Modus: Wer das absolute Maximum an Belichtungszeit herauskitzeln möchte, könne den Draco laut Händlerangaben dennoch auf einer Polhöhenwiege betreiben. In diesem Fall verbliebe der Rotator starr und diene rein der Bildkomposition.

Meine technische Einordnung

Auch wenn die Datenblätter beeindruckend klingen, werfen die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Astrofotografie noch ein paar Fragen auf, die erst echte Praxistests beantworten können:

Wie präzise arbeitet der 3-Achsen-Lauf?

Eine kontinuierliche 3-Achsen-Synchronisation über 300 Sekunden ohne Strichspuren wäre eine mechanische Herkulesaufgabe. Realistischer ist ein stufenweiser Ausgleich zwischen den Kurzzeit-Frames – damit bliebe die volle Sensorfläche beim Live-Stacking erhalten, ohne die Mechanik zu überfordern (mehr dazu in meinem Bericht zum Seestar S30 Pro und dem fehlenden Bildfeldrotator).

Die Justage bei f/3,8

Bei einem schnellen Spiegelsystem von f/3,8 ist die optische Toleranz bezüglich Verkippung und Koma extrem gering. Da das System im Aluguss-Gehäuse werkseitig fest verbaut ist, müsste die Fertigungsqualität extrem hoch sein, da eine manuelle Kollimation durch den Nutzer vermutlich nicht vorgesehen ist.

Fangspiegel-Obskuration & Effektivität

Ein kompaktes Cassegrain-System mit Reducer benötigt einen relativ großen Fangspiegel. Die zentrale Obskuration dürfte bei etwa 45 bis 50 Prozent liegen. Zieht man die Spiegelfläche und die Reflexionsverluste ab, dürfte die effektive Lichtausbeute des 90-mm-Spiegels optisch etwa einem reinen 68- bis 70-mm-Linsenteleskop (APO) entsprechen. Dafür bleibt das Gehäuse jedoch unschlagbar kompakt.

Wie sinnvoll ist das SHO-Set am Farb-Sensor?

Ein schmalbandiger Schwefel-Filter (SII) lässt Licht durch, das auf einer Bayer-Matrix fast ausschließlich die roten Pixel erreicht – effektiv nutzt man bei einer Einzelbelichtung also nur 25 Prozent der Pixel. DWARFLAB löst dies vermutlich über zwei Duo-Schmalbandfilter im internen Filterrad (Ha + OIII sowie SII + OIII), die per Software zu einer Hubble-Palette zusammengerechnet werden. Das dürfte im lichtverschmutzten Vorgarten zwar funktionieren, würde aber entsprechend lange Gesamtbelichtungszeiten einfordern.

Mein Fazit: Hoher Preis, aber ein gewaltiger Ansage-Versuch!

Der Preis von rund 1.800€ (Astroshop*) bis 2000€ (Astroshop*) ist auf den ersten Blick definitiv ein Dämpfer. Hier wildert DWARFLAB keineswegs mehr im Einsteiger-Segment von ZWO, sondern stößt direkt in die Preisregionen von Vaonis (Vespera II* & Vespera III*) vor.

Schaut man sich die Ausstattung allerdings genauer an – 90 mm Öffnung, f/3,8, gekühlter Sensor, internes Filterrad, integriertes Guiding-Rohr und ein echter Sensor-Rotator –, bietet der Draco auf dem Papier deutlich mehr als die Konkurrenz in diesem Preissegment.

Dass DWARFLAB die Voranmeldung auf der offiziellen Landingpage genau in dem Moment freischaltet, in dem das Seestar S50 Pro vielerorts vergriffen ist, bleibt zudem ein cleverer Schachzug.

Ich bin extrem gespannt, wie sich diese gewagte Drei-Achsen-Mechanik unter realem Sternenhimmel schlagen wird. Am Ende zählt schließlich immer das, was als fertiges Summenbild auf dem Monitor landet!

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Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies

Euer Dimi

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