In meinem Artikel vom November war ich bezüglich des ZWO Seestar S30 Pro recht skeptisch [Link]. Meine Kritik bezog sich vor allem auf das Verhältnis von Preis und Leistung, da ich aufgrund der Technik von deutlich höheren Kosten ausging. Inzwischen liegen die Fakten auf dem Tisch: Mit einem Marktpreis von rund 750 € [Astroshop] ordnet ZWO das Gerät deutlich aggressiver ein als erwartet.

Die technischen Daten im Detail
Trotz des kompetitiven Preises hat ZWO die Hardware-Spezifikationen gegenüber den ersten Gerüchten sogar noch leicht verbessert. Besonders das duale Kamerasystem sticht hier hervor.
| Merkmal | Tele-Optik (Deep Sky) | Weitwinkel-Optik |
| Sensor | Sony IMX585 (1/1.2″) | Sony IMX586 (1/2″) |
| Auflösung | 8.3 MP (4K UHD) | bis zu 48 MP (nativ) |
| Brennweite / Blende | 160 mm / f/5.3 | 6 mm / f/1.75 |
| Sichtfeld (FOV) | 4.6° x 2.6° | 63° |
| Speicher | 128 GB eMMC | (gemeinsam genutzt) |
Die Weitwinkelkamera mit 48-Megapixel:
Der verbaute Sony IMX586-Sensor beherrscht nativ 48 Megapixel. In der alltäglichen Nutzung setzt ZWO jedoch auf Pixel Binning, um die Lichtempfindlichkeit bei Nacht zu erhöhen. Das resultierende Bild wird meist in 4K ausgegeben. Die volle 48-MP-Auflösung wird jedoch für das neue „8K Milky Way Stitching“ genutzt. Dabei werden mehrere Aufnahmen zu extrem hochauflösenden Panoramen zusammengesetzt.
Smarte Software-Modi:
Die Seestar-App bietet für das S30 Pro nun dedizierte Milky Way- und Star-Trail-Modi an. Ein technisches Highlight ist hier das „Landscape-Separation„-Feature (Landschafts-Stopp-Automatik). ZWO selber spricht hier von „den Boden einfrieren lassen. Das S30 Pro kann den statischen Vordergrund (die Landschaft) von den Sternen trennen. So bleiben die Sterne punktförmig scharf, während auch die Landschaft nicht durch die Nachführung verwischt – oder man nutzt es für Star-Trails, bei denen die Landschaft klar bleibt, während die Sterne ihre Bahnen ziehen.

Mobilität: S30 Pro vs. Dwarf Mini
Da ich mir kürzlich den Dwarf Mini für 430 € zugelegt habe, war mir ein Vergleich der Portabilität wichtig. Hier zeigt sich, dass beide Geräte unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
- Gewicht und Maße: Der Dwarf Mini ist mit 840 g ein echtes Leichtgewicht und fast halb so schwer wie das S30 Pro (1.650 g). Während das Seestar ein eigenes Case benötigt, passt der Dwarf Mini fast in eine große Jackentasche.
- Mechanik: Ein Vorteil des Dwarf Mini bleibt die Flexibilität. Er lässt sich unkompliziert auf einer Polhöhenwiege im EQ-Modus betreiben. Das S30 Pro ist für den Alt-Az-Betrieb konzipiert und gleicht die Bildfelddrehung primär über den großen Sensor und Software-Stitching aus.
Mein Fazit
Das Seestar S30 Pro ist zu dem nun bekannten Preis eine technisch sehr starke Lösung für den unkomplizierten Einstieg. Die Kombination aus dem lichtstarken IMX585-Sensor und der integrierten Anti-Tau-Heizung ist ein klares Statement.
Besonders gespannt bin ich auf die ersten echten Widefield-Aufnahmen. Es wird sich zeigen müssen, wie einfach das Landscape-Separation-Feature in der Praxis tatsächlich zu bedienen ist. Oft steht und fällt die Ästhetik solcher Bilder mit der Qualität der Software: Man darf gespannt sein, ob die Trennung zwischen Land und Himmel natürlich wirkt oder ob man der internen Verarbeitung die digitalen Kanten ansieht.
Bei einem Preis von rund 750€ kann man den fehlenden Bildfeldrotator meiner Meinung nach verschmerzen, da ZWO hier viel über Software und Sensorgröße abfängt. Aber wie seht ihr das? Wäre euch ein mechanischer Rotator wichtig genug, um stattdessen 999 € auf den Tisch zu legen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!
Vielen Dank fürs Lesen und allzeit Clear Skies
Euer Dimi




























