Messier 05 – Der prächtige Kugelsternhaufen im Kopf der Schlange

Über diese Aufnahme

In der Nacht zum 9. Mai 2026 zeigten sich die typischen Tücken des unbeständigen Frühlingswetters in Roth. Bei kühlen Temperaturen von etwa 8 °C zog der Himmel zwar zunächst auf, blieb jedoch extrem unberechenbar. Eine spürbare, kühle Brise wehte aus Süden, welche dank des schützenden Kuppelbaus der Kosmotheion Sternwarte die Montierung völlig unbeeindruckt ließ.
Das unbeständige Maiwetter machte die Session dennoch zu einem reinen Geduldsspiel, da schnell heranziehende Wolkenfelder den klaren Nachthimmel binnen Minuten komplett dichtmachten.

Der Mond stand in dieser Nacht als abnehmender Halbmond (Letztes Viertel, zu etwa 54 % beleuchtet) recht tief am Horizont und ging erst in der zweiten Nachthälfte auf. Die heranziehende Bewölkung zwang mich jedoch, das Projekt vorzeitig abzubrechen. Nach exakt 60 Einzelaufnahmen zu je 120 Sekunden – was einer Gesamtbelichtungszeit von genau 2 Stunden entspricht – musste ich den Kuppelspalt wieder schließen. Das finale Bild überzeugt trotz der kurzen Belichtungszeit mit einer sehr guten Tiefe. Die Sterne sind bis weit in das dichte Zentrum hinein sauber aufgelöst, und die feinen Sternketten in den Außenbereichen treten plastisch hervor.

Aufnahme Details

Datum:09. 05. 2025
Teleskop:TS-Optics 10″ Astrograph*
Montierung:PetrusII (Eigenbau)
Kamera:Svbony SV405CC (Amazon🛒)
Filter:Astronomik Luminanz UV-IR-Blockfilter L-2 2″*
Zubehör:TS-Optics N-AGK3 Komakorrektor*
Aufnahmezeit :2h 00m
Anmerkung:

Über diese Objekt

Wissenschaftliche Ebene

Messier 5 (NGC 5904) zählt zu den ältesten, größten und massereichsten Kugelsternhaufen unserer Milchstraße. Das Objekt wurde im Jahr 1702 von Gottfried Kirch entdeckt und 1764 von Charles Messier katalogisiert. Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich um eine gigantische, gravitativ gebundene Ansammlung von mehreren hunderttausend Sternen im Halo unserer Galaxis. Da die Sterne eines Kugelsternhaufens nahezu zeitgleich aus derselben Gaswolke entstanden sind, dient M5 Astrophysikern als exzellentes kosmisches Labor. Die Erforschung seiner Sternpopulationen liefert wichtige Erkenntnisse über die Sternevolution, das Alter des Universums und die chemische Entwicklung der frühen Milchstraße.

Astrofotografische Ebene

Für die Astrofotografie ist Messier 5 ein überaus dankbares, aber auch anspruchsvolles Deep-Sky-Objekt. Seine hohe scheinbare Helligkeit macht ihn bereits bei kurzen Belichtungszeiten zu einem spektakulären Motiv. Die größte Herausforderung liegt in der extremen Dynamik des Objekts. Während die schwachen Sternketten der Außenbereiche ausreichend Belichtung benötigen, brennt das extrem dichte Zentrum bei zu langen Einzelbelichtungen leicht aus.

Hintergrund und wissenschaftliche Details

  • Extremes Alter: M5 wird auf ein Alter von etwa 13 Milliarden Jahren geschätzt. Er entstand somit in der absoluten Frühphase des Universums, nur rund eine Milliarde Jahre nach dem Urknall.
  • Hort der veränderlichen Sterne: Der Kugelsternhaufen ist ein absoluter Spitzenreiter bei der Anzahl veränderlicher Sterne. Bisher wurden weit über 100 Variablen identifiziert, größtenteils vom Typ RR-Lyrae, die der Wissenschaft als Standardkerzen zur präzisen Entfernungsbestimmung im Kosmos dienen.
  • Deutliche Elliptizität: Im Gegensatz zu vielen perfekt runden Kugelsternhaufen weist M5 eine leicht elliptische Form auf. Es wird vermutet, dass Gezeitenkräfte der Milchstraße den Haufen bei seinen wiederholten Passagen durch die galaktische Scheibe im Laufe der Jahrmilliarden verformt haben.
  • Geheimnisvolle Blaue Nachzügler: In M5 existiert eine ungewöhnlich große Population von sogenannten „Blue Stragglers“. Diese Sterne wirken deutlich blauer und massereicher, als es das hohe Alter des Haufens erlauben dürfte. Jüngste Forschungen und Simulationen deuten darauf hin, dass sie durch direkte Sternkollisionen oder Massentransfer in extrem engen Doppelsternsystemen im dichten Zentrum entstanden sind.

Objekt Details

Katalognummer(n):M5 / NGC 5904
Typ:Kugelsternhaufen
Entfernung:ca. 24.500 Lj.
Ausdehnung:ca. 165 Lj.
scheinbare Helligkeit:ca. 5,6 mag
scheinbare Größe:23 Bogenminuten
Sternbild:Schlange

Weitere Aufnahmen

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