Über diese Aufnahme
Am 5. Oktober 2022 habe ich mich erneut an M57 versucht. Da Bildfeldrotation und eine nicht-parallaktische Nachführung bei längeren Belichtungszeiten die Sterne verziehen würden, habe ich gezielt auf eine Serie sehr kurzer Einzelbelichtungen gesetzt. Obwohl ich die genaue Zahl der Aufnahmen nicht mehr weiß und die Gesamtbelichtungszeit weniger als eine Stunde beträgt, hat dieser Ansatz hervorragend funktioniert. Der Weiße Zwerg im Zentrum ist klar definiert, und die Sternfarben und Gasstrukturen treten deutlich hervor. Es zeigt, dass man auch mit begrenzter Gesamtbelichtungszeit und gezielter Technik qualitativ hochwertige Deep-Sky-Aufnahmen erzielen kann.
Aufnahme Details
| Datum: | 05. 10. 2022 |
| Teleskop: | Meade LX200 ACF 3550/355* |
| Montierung: | |
| Kamera: | Canon EOS 1100D |
| Filter: | |
| Zubehör: | |
| Aufnahmezeit : | – |
| Anmerkung: |
Über diese Objekt
Stell dir vor, du blickst fast exakt von oben in die hohle Struktur eines Donut, dessen Materie ins All hinausgetragen wird. Genau dieses Phänomen beobachten wir bei Messier 57, dem Ringnebel. Es handelt sich um einen planetarischen Nebel – die abgestoßene Gasschülle eines sterbenden Sterns. Die scheinbare Ringform ist eine faszinierende optische Illusion: In Wirklichkeit handelt es sich um eine tonnen- oder zylinderartige Struktur, deren Öffnung wir direkt auf unserer Perspektive betrachten. Der Nebel leuchtet nur, weil der im Zentrum freigelegte, unglaublich heiße Weißer Zwerg das Gas durch seine ultraviolette Strahlung ionisiert. Es ist ein vergängliches Denkmal, das uns zeigt, was in Milliarden Jahren auch unserer Sonne bevorsteht.
Hintergrund und wissenschaftliche Details
- Komplexe Torus-Geometrie: Obwohl er oft nur als „Donut“ beschrieben wird, offenbaren hochauflösende Aufnahmen eine komplexe, prolat-sphäroidale Struktur mit tonnenförmiger Ausdehnung, die wir fast entlang der Symmetrieachse betrachten.
- Extreme Zentralstern-Temperatur: Der Weiße Zwerg im Zentrum ist ein winziges, planetengroßes Objekt, aber mit einer Oberflächentemperatur von weit über 100.000 Kelvin gehört er zu den heißesten bekannten Sternen. Seine Strahlung ist so energiereich, dass sie Emissionslinien von zweifach ionisiertem Sauerstoff ([O III]) im Nebel erzeugt, was für die grünlich-blaue Farbe im inneren Ring verantwortlich ist.
- Verborgenes Phänomen: Visuelle Beobachter sehen nur den hellen Hauptring. Fotografien, die tiefer belichten, können jedoch einen viel größeren, schwachen Halo sichtbar machen, der aus Materie besteht, die der Stern bereits Tausende von Jahren vor dem finalen Kollaps ausgestoßen hat.
- Dynamischer Zerfall: Die Gaswolke expandiert mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 bis 30 Kilometern pro Sekunde, was bedeutet, dass sich das Aussehen des Nebels über Tausende von Jahren hinweg messbar verändert.
Objekt Details
| Katalognummer(n): | M 57 / NGC 6720 |
| Typ: | planetarischer Nebel |
| Entfernung: | ca. 199 Lj. |
| Ausdehnung: | ca. 0,9 Lj. |
| scheinbare Helligkeit: | ca. 8,9 mag |
| Sternbild: | Leier |
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