So eine Sternwarte hat schon viel Positives! Man geht ein paar Schritte über den Hof oder, wie in meinem Fall, über den Balkon, öffnet eine Tür und findet alles wie auf einem Gabentisch vorbereitet. Man muss nichts mehr aufbauen, einnorden oder verkabeln. Soweit, so einfach! Aber seit der ersten Stunde meiner GFK-Sternwarte kämpfe ich regelmäßig einen relativ unfairen Kampf – den Kampf gegen Tau und Nässe.

Die erste Gegenmaßnahme war der Einbau eines Lüfters, um für reichlich Luftaustausch zwischen Umgebungsluft und Innenraum zu sorgen. Das brachte in den Herbst- und Frühjahrsmonaten aber so gut wie gar nichts. Eigentlich hätte ich mir das denken können, denn zu diesem Zeitpunkt war meine Sternwarte mehr als lüftig aufgebaut. Auch ohne Lüfter konnte die Luft schon von unten durchzirkulieren, da mein Sternwartenboden nur aus einem lockeren Dielenboden mit genügend Abstand zum eigentlichen Untergrund bestand.
Auch der Versuch, knapp ein halbes Jahr später das karge Plastik-Interieur mithilfe einer Holzverkleidung nicht nur optisch aufzuwerten, sondern auch effektiv vor Feuchtigkeit zu schützen, brachte nur mäßigen Erfolg [Link]. Dabei klang die Idee, dass das Holz überschüssige Feuchtigkeit binden soll, relativ logisch. Allerdings zeigte der nächste Herbst, dass ich mir die Arbeit hätte sparen können.

Wieder ein Jahr später habe ich absorbierende Materialien jeglicher Art in der Sternwarte verteilt. Von Säckchen gefüllt mit Feuchtigkeitsabsorber bis hin zu Behältern mit großen Nachfüllpacks – alles natürlich stromlos. Aber auch das hinderte die kalten Materialien der Optik nur mäßig daran, die Feuchtigkeit der Umgebungsluft zu binden [Link].

Mitte 2024 fand dann ein Komplettumbau der Sternwarte statt, einhergehend mit der vollständigen Isolierung und Dämmung [Link] – also genau das, wovon jeder ambitionierte Sternwarten-Besitzer abrät.

Seltsamerweise hatte ich damit den bisher deutlichsten Erfolg. Zwar war im kommenden Herbst die Kondensation an Optik und Gerätschaft nicht wirklich verschwunden, aber merklich besser geworden.
Der Gedanke, mit einem leichten Temperaturüberschuss in der Sternwarte die Feuchtigkeit in der Luft daran zu hindern, auszukondensieren, spukte schon länger in mir herum. Doch erst in diesem Jahr wurde er durch Zufall Realität.
Der Zufall war, dass ich noch eine dieser smarten Steckdosen (Amazon*) vom letzten Weihnachten herumliegen hatte. Sie wurden ursprünglich gekauft, um die weihnachtliche Beleuchtung im Haus einfach per App einzuschalten. Zur gleichen Zeit kaufte ich mir eher zum Spaß so einen WLAN Smart Thermometer Hygrometer (Amazon*) für ein paar Euro, um meine Sternwarte zumindest temperatur- und feuchtigkeitstechnisch zu überwachen.
Beides – die smarte Steckdose und der Thermo- und Hygrometer – wird über die gleiche App gesteuert bzw. ausgelesen. So lassen sich einfache Makros ausführen, zum Beispiel: „Schalte Steckdose ein, wenn es 18 Uhr ist und nach 30 Minuten wieder aus.“ Es sind aber auch komplexere Makros möglich: „Schalte Steckdose ein, wenn der Sensor bei einer bestimmten Raumluftfeuchte eine bestimmte Temperatur erreicht hat.“ Genau diese Art der programmierbaren Befehlskette brachte mich auf die Idee, einen vereinfachten Tauwächter zu installieren. Ich steckte einfach eine kleine 150W Heizung an die smarte Steckdose, die bei drohender Kondensatbildung einschaltet.
Jetzt ist die Berechnung von Taupunkten relativ komplex. Denn zur genauen Bestimmung benötigt man neben dem Raumtemperatursensor eigentlich auch einen Gegenstandstemperatursensor, welcher die Oberfläche des Objekts misst. Anhand dieser Werte und der Raumluftfeuchtigkeit kann dann genau bestimmt werden, ob es zu einer Kondensatbildung auf der Oberfläche kommen kann oder nicht.
Da mir das viel zu kompliziert ist, habe ich eine vereinfachte Tabelle entwerfen lassen, in der eine angenommene kritische Luftfeuchtigkeit für jede Temperatur angegeben wird, um die Heizung rechtzeitig vor der Kondensation zu aktivieren und wieder auszuschalten. Hierbei wird berücksichtigt, dass der Sensor sich direkt auf dem kalten Metall der Montierung befindet.
Entworfen wurde die Tabelle mithilfe einer KI, der ich alle erforderlichen Parameter mitgeteilt habe. Zusätzlich ließ ich einen konservativen Wert ermitteln (in Klammern), welcher davon ausgeht, dass sich der Sensor im Raum befindet. Ich selbst habe dann einen Wert dazwischen gewählt, denn die Wahrheit liegt ja bekanntlich irgendwo in der Mitte 🤣.
| Teleskop-Temperatur (TScope in ∘C) | RLF-Schwelle zum Einschalten (1∘C Puffer) (%) | RLF-Schwelle zum Ausschalten (2∘C Puffer) (%) |
| 20 | 93 (83) | 88 |
| 17 | 93 (83) | 88 |
| 14 | 93 (82) | 87 |
| 11 | 92 (82) | 87 |
| 8 | 92 (81) | 86 |
| 5 | 91 (80) | 86 |
| 2 | 91 (79) | 85 |
| -1 | 90 (79) | 85 |
| -4 | 90 (78) | 84 |
Damit es an manchen Tagen dennoch nicht zu unnötig langen Heizzyklen kommt, habe ich zusätzlich die Schaltdauer auf 45 Minuten begrenzt. Sprich, sollte die Heizung eingeschaltet werden, schaltet sie sich nach 45 Minuten automatisch wieder aus. Sollte die Luftfeuchtigkeit so hoch sein, dass 45 Minuten nicht ausreichen, dann habe ich an diesem Tag halt Pech gehabt.
Fazit
Diese Art der Kondenswasser-Unterbindung läuft bei mir seit etwa drei Monaten (Oktober bis Dezember). Bisher konnte ich außer an zwei Tagen keinen Tau auf dem Teleskop noch auf der Montierung feststellen. An diesen zwei Tagen war das Teleskop samt seiner Technik, wie Kamera und Stromverteiler, trocken. Einzig an der Montierung konnte stellenweise ein ganz feiner Anflug von Tau festgestellt werden. Das Ganze funktioniert deshalb vielleicht auch so gut, weil die Heizung direkt unter das mit einem Tuch abgedeckte Teleskop bläst und so die Wärme auf einen kleinen Bereich rund um das Teleskop konzentriert wird. Mein aktueller Verbrauch liegt im Monat bei nur etwa 5 bis 12 kWh, was in etwa 2 bis 5 Euro ausmacht. Ein Preis, den ich gerne zahle, damit alles Wichtige schön trocken bleibt. Zumal es ja wirklich nur die Herbst und Frühjahrsmonate betrifft.































Hab ich das richtig verstanden, daß die Heizung für den Ruhezustand gedacht ist, bei der Beobachtung aber abgeschalten wird? Edgar
Hallo Edgar,
Ja, dass hast du richtig verstanden. Wenn ich weiß das ich nachts aufnehme, ziehe ich den Stecker für die Heizung schon ein paar Stunden vor der Aufnahme. Zusätzlich öffne ich auch ein paar Stunden vorher die Tür und den Kuppelspalt der Sternwarte, damit alles auskühlen kann, bzw. sich die Temperatur der Optik anpassen kann.
Grüße Dimi