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Dieser Artikel ist Teil meines 60-Tage-Praxistests zum ZWO Seestar S50 Pro*. Das Testgerät wurde mir für diesen Zeitraum von Astroshop / NIMAX GmbH zur Verfügung gestellt. Es handelte sich um keine Schenkung, und es gab keinerlei inhaltliche Vorgaben oder Einflussnahme auf meine Bewertung. Sämtliche Eindrücke, Urteile und Testergebnisse spiegeln ausschließlich meine persönliche, unbeeinflusste Meinung als Astrofotograf wider.
Heute ist Tag 60 meines Praxistests mit dem Seestar S50 Pro. Zum Abschluss gibt es noch einen kurzen Blick auf das neue Video-Stacking, einen Rückblick auf die vergangenen zwei Monate und natürlich die Antwort auf die Frage, ob mich das kleine Smart-Teleskop überzeugen konnte.
Zum Abschluss noch ein kurzer Stacking-Test
Auf dem Heimweg habe ich heute bei einer Wolkenlücke noch einmal kurz angehalten, um das neue Video-Stacking auszuprobieren. Diesmal musste die Sonne als Testobjekt herhalten.

Die Bedienung ist erfreulich einfach. Man fährt das gewünschte Objekt, beispielsweise den Mond oder die Sonne, an, wechselt in den Video-Modus und stellt vor dem Start der Aufnahme das Format auf RAW um. Seestar empfiehlt dafür kurze Videos von ungefähr zehn Sekunden.
Anschließend öffnet man das Album, wählt die Videoaufnahme aus und tippt oben auf „Stapel“.

Nach knapp einer Minute war die Verarbeitung bei meinem Test abgeschlossen. Danach lässt sich das gestackte Bild direkt in der Seestar-App weiterbearbeiten. Dafür stehen unter anderem Regler für Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Schärfe zur Verfügung.
Diese Bearbeitungsmaske steht einem allerdings nur bei gestackten Bildern zur Verfügung. Einzelaufnahmen lassen sich innerhalb der App nicht auf dieselbe Weise bearbeiten.
Bei der Sonne ist der Unterschied zwischen Einzelaufnahme und gestapeltem Ergebnis durchaus deutlich zu erkennen. Natürlich war das nur ein kurzer Test unter nicht gerade optimalen Bedingungen. Für einen ersten Eindruck reicht es aber allemal.


Mein Rückblick auf 60 Tage Seestar S50 Pro
Als ich mit meinem Tagebuch zum Seestar S50 Pro begonnen habe, wollte ich das Gerät möglichst vielseitig im Alltag ausprobieren. Nach 60 Tagen muss ich allerdings feststellen, dass dieser Zeitraum dafür eigentlich zu kurz war.
Einige Funktionen konnte ich noch gar nicht oder nur unzureichend testen. Dazu gehören beispielsweise Startrails, das neue One-Tap-GoTo, dessen genaue Funktionsweise mir noch nicht vollständig klar ist, und vor allem das Kometen-Stacking. Gerade Letzteres hätte mich besonders interessiert.
Auch das Video-Stacking konnte ich in den 60 Tagen leider nur eingeschränkt testen. Beim Mond hatte ich bereits unter schlechten Bedingungen einen ersten Versuch unternommen, und eben heute folgte zum Abschluss noch die Sonne. Für einen ausführlichen Test reicht das natürlich nicht, aber zumindest konnte ich mir einen ersten Eindruck von der neuen Funktion verschaffen.
Ein vollständiger Testbericht lässt sich daraus noch nicht ableiten. Den werde ich in den kommenden Tagen nachholen und mir dafür mehr Zeit nehmen.
Was mich begeistert hat – und was weniger
Wenn ich die vergangenen zwei Monate Revue passieren lasse, gab es durchaus einige Höhen und Tiefen.
Beginnen wir mit dem Äußeren. Schon beim Unboxing war ich vom Design nicht gerade begeistert. Das S50 Pro ist kein Schmuckstück, sondern wirkt eher klobig und zweckmäßig. Das muss einen nicht stören, schön finde ich es trotzdem nicht.
Viel wichtiger ist allerdings, was das Gerät am Himmel leistet. Und hier hat mich das Seestar schnell für sich eingenommen. Es ist erstaunlich unkompliziert, innerhalb kurzer Zeit ansprechende Astrofotos zu erzeugen. Genau das macht für mich einen großen Teil des Reizes aus.
Auch der Milchstraßen-Mosaikmodus hat mir viel Spaß gemacht. Die Möglichkeit, große Himmelsbereiche relativ einfach aufzunehmen, ist spannend. Allerdings zeigt sich dabei auch, wie wichtig ein wirklich dunkler Himmel für überzeugende Ergebnisse ist.
Ein weiterer wichtiger Schritt war für mich der EQ-Modus. Mit der passenden Ausrüstung lässt sich das S50 Pro vergleichsweise unkompliziert äquatorial betreiben. Dadurch kann ich länger belichten und einen größeren Anteil der Aufnahmezeit tatsächlich für die Bildgewinnung nutzen.
Natürlich lief nicht alles reibungslos. Besonders die Mosaikplanung hat mich einige Nerven gekostet. Die eingestellte Bildfelddrehung wurde zeitweise nicht so übernommen, wie ich es erwartet hatte. Über die Probleme hatte ich bereits ausführlicher berichtet (wenn die Mosaikplanung plötzlich anders denkt). Mit dem App-Update auf Version 3.4.0 gab es zwar Verbesserungen (die wichtigsten Neuerungen im Überblick), vollständig zufrieden bin ich mit der Planungslogik aber noch nicht.
Mein persönliches Aha-Erlebnis war allerdings der Remote-Modus. Dass ich das Seestar ohne zusätzliche Steuerungssoftware über das Mobilfunknetz bedienen kann, fand ich ausgesprochen praktisch. Gerade wenn man nicht direkt neben dem Teleskop steht, ist das eine Funktion, die ich nicht mehr missen möchte.
Sensor-Tilt: Ein Thema, das man nicht ignorieren sollte
Ein Thema, das in den vergangenen Wochen für Diskussionen gesorgt hat, ist der mögliche Sensor-Tilt beim S50 Pro. Auch ich habe mich damit beschäftigt und meine RAW-Daten mit ASTAP und Siril untersucht.
Bei der Auswertung meiner Aufnahmen zeigte sich zunächst ein deutlicher Unterschied zwischen den Bildecken. Besonders beim einzelnen RAW-Frame des Elefantenrüssels IC 1396A waren die HFD-Werte stark asymmetrisch. Im späteren EQ-Test mit M13 sah das jedoch ganz anders aus: Hier lagen die Werte deutlich näher beieinander und die Unterschiede waren mit rund sieben Prozent vergleichsweise gering. Auch bei SH2-142 konnte ich die auffällige Asymmetrie nicht reproduzieren.
Welches Ergebnis nun am aussagekräftigsten ist, kann ich nicht abschließend beurteilen. Allerdings sprechen meine späteren Messungen im EQ-Modus gegen eine ausgeprägte, dauerhaft wirksame Sensorverkippung. Bei einem deutlichen mechanischen Fehler würde ich erwarten, dass sich die Unterschiede zwischen den Bildecken reproduzierbar zeigen. Dass ich bei M13 im EQ-Test deutlich gleichmäßigere HFD-Werte ermittelt habe, passt nicht so recht zu dieser Annahme. Warum die auffällige Asymmetrie in manchen Aufnahmen auftritt, in anderen dagegen kaum oder gar nicht, bleibt für mich ein kleines Rätsel. Möglicherweise spielen auch der Fokus, das Seeing oder andere Aufnahmebedingungen eine Rolle.
Insgesamt halte ich einen ausgeprägten mechanischen Sensor-Tilt bei meinem Testgerät deshalb eher für unwahrscheinlich. Ganz ausschließen kann ich ihn mit meinen bisherigen Messungen allerdings nicht. Meine Beobachtungen und die Messwerte aus dem EQ-Test habe ich dort ausführlicher beschrieben. Das bedeutet natürlich nicht, dass andere Geräte nicht stärker betroffen sein können.
Ich kann nachvollziehen, dass manche Interessenten angesichts der Diskussionen ihre Bestellung überdenken. Für mich persönlich ist das aber kein Grund, das gesamte Gerät infrage zu stellen. Man sollte die Ergebnisse ernst nehmen, sie sauber untersuchen und die Kirche trotzdem im Dorf lassen. Schließlich sprechen wir hier über ein kompaktes Einsteigergerät für die Astrofotografie und nicht über einen professionellen Astrographen, an den man dieselben Maßstäbe anlegen muss.
Meine Entscheidung: Ich werde das Seestar S50 Pro kaufen
Damit kommen wir zur wichtigsten Frage: Hat mich das Seestar S50 Pro überzeugt?
Ja, das hat es. Ich werde das Gerät nach dem Ende des Testzeitraums regulär kaufen.
Das mag angesichts der angesprochenen Kritikpunkte zunächst widersprüchlich klingen. Für mich überwiegen jedoch die Vorteile. Das S50 Pro ist unkompliziert, schnell einsatzbereit und bietet mir viele Möglichkeiten, ohne dass ich jedes Mal meine große Astro-Ausrüstung aufbauen muss.
Es ersetzt meine klassische Astrofotografie nicht. Das soll es aber auch gar nicht. Vielmehr ergänzt es meine vorhandene Ausrüstung um eine flexible Möglichkeit, spontan auf klare Abschnitte zu reagieren, neue Funktionen auszuprobieren oder einfach mit wenig Aufwand ein paar Photonen zu sammeln.
Mit dem DwarfLab Draco* steht bereits ein nominell sehr interessantes Konkurrenzgerät in den Startlöchern. Auf dem Papier bietet es einige spannende Möglichkeiten. Aber Papier ist geduldig, und technische Daten allein sagen noch wenig darüber aus, wie sich ein Gerät im Alltag schlägt. Das Draco muss sich erst noch in der Praxis beweisen. Bis dahin weiß ich beim S50 Pro*, was ich bekomme und wo seine Stärken und Schwächen liegen.
Wie geht es weiter?
Mit Tag 60 endet meine Tagebuchreihe, nicht aber meine Beschäftigung mit dem Seestar S50 Pro.
Ein ausführlicher Testbericht wird noch folgen. Darin werde ich meine Erfahrungen zusammenführen und die verschiedenen Aspekte noch einmal systematisch betrachten. Der Bericht wird dabei für sich stehen und auch ohne die vorherige Lektüre des Tagebuchs einen umfassenden Eindruck vom Seestar S50 Pro vermitteln. Ich werde darauf eingehen, welche Funktionen sich bewährt haben, wo Verbesserungsbedarf besteht und für wen sich das Gerät aus meiner Sicht lohnt.
Bis dahin bleibt mein Fazit recht einfach: Das S50 Pro ist nicht perfekt, aber es macht Spaß. Und genau das ist für mich ein wichtiger Punkt.
Vielen Dank an alle, die mein Tagebuch verfolgt, kommentiert und ihre eigenen Erfahrungen beigesteuert haben. Ein besonderer Dank geht auch an Astroshop / NIMAX GmbH, die mir das Gerät für diesen 60-tägigen Praxistest zur Verfügung gestellt haben.
Clear Skies!
Euer Dimi





























Hallo Dimi
Sehr schöner ehrlicher Bericht der sicher vielen Interessenten weiter helfen wird und die Kaufentscheidungen erleichtert.
Mit dem Draco müssen wir halt warten, so lange behalte ich mein S50.
Gruß Ceule
Hallo Ceule,
vielen Dank! 😊 Genau das sehe ich beim Draco auch so. Die technischen Daten sind interessant, aber letztlich muss sich das Gerät erst in der Praxis beweisen. Bis dahin ist es sicher keine schlechte Entscheidung, das bewährte S50 weiter zu nutzen.
Viele Grüße
Dimi