NGC 7380 – Der Zauberer-Nebel im Schein des abnehmenden Mondes

Astrometriert
Ausrichtung

Über diese Aufnahme

In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 2026 richtete ich mein Teleskop in der Kosmotheion Sternwarte in Roth auf den Emissionsnebel NGC 7380. Das Wetter zeigte sich überwiegend freundlich mit milden Temperaturen um die 10 °C.

Eine besondere Herausforderung stellte der Mond dar. Als stark leuchtender, abnehmender Mond (zu etwa 86% beleuchtet) ging er bereits gegen 20:07 Uhr im Nordosten auf und stieg im Verlauf der Nacht hoch an den Himmel. Das helle Mondlicht hellte den Himmelshintergrund merklich auf, weshalb ausnahmslos Schmalbandfilter zum Einsatz kamen.

In der siebenstündigen Gesamtsammelzeit bei Einzelbelichtungen von je 300 Sekunden zeigt sich der Nebel dennoch mit prägnanten Kontrasten und feinen Details. Bedingt durch mechanische Nachführprobleme an der Montierung mussten knapp zehn Lightframes aussortiert werden. Dennoch hebt das Bild die scharfen Dunkelwolken, die leuchtenden Wasserstoff-Kanten und die feinen Farbabstufungen zwischen den rot-orangen Emissionen und dem dunklen Umfeld sehr gut hervor.

Über diese Objekt

Wissenschaftliche Ebene

NGC 7380 bezeichnet ursprünglich einen offenen Sternhaufen, der tief eingebettet in ein ausgedehntes H-II-Gebiet liegt. Die gesamte Region wird aufgrund ihrer charakteristischen Silhouette auch als Zauberer-Nebel (Wizard Nebula) bezeichnet. Der Sternhaufen entstand vor schätzungsweise fünf Millionen Jahren aus dem kollabierenden Gas dieser Molekülwolke. Die massereichen, heißen Sterne des Haufens – allen voran das Mehrfachsternsystem DH Cephei – senden intensive ultraviolette Strahlung aus. Diese Ionisationsfronten regen das umliegende Wasserstoffgas zum Leuchten an und formen durch starke Sternwinde die komplexen Säulen, Höhlen und dunklen Staubstrukturen, die wir heute beobachten.

Astrofotografische Ebene

Für Astrofotografen ist NGC 7380 ein äußerst reizvolles Ziel, stellt aber auch gewisse Anforderungen. Da das Objekt überwiegend in den Wellenlängen von ionisiertem Wasserstoff (Ha) und Sauerstoff (OIII) strahlt, eignet es sich hervorragend für die Schmalbandfotografie und die Hubble-Palette (SHO) sowie für moderne Dual-Narrowband-Filter. Der helle Emissionsbereich bietet extrem feine Kanten und Dunkelnebel-Strukturen, während die äußeren Begrenzungsbereiche lichtschwächer sind. Durch die hohe Lage im Sternbild Kepheus steht das Objekt in Mitteleuropa fast das gesamte Jahr über günstig und erreicht im Herbst nahe dem Zenit eine optimale Position für langbelichtete Aufnahmen.

Hintergrund und wissenschaftliche Details

  • Zentraler Antrieb DH Cephei: Das Sternsystem DH Cephei besteht aus zwei spektroskopischen Doppelsternen (O-Sterne), die sich gegenseitig umkreisen. Die enorme Strahlung und die Winde dieses Systems sind der Hauptmotor für das Ionisieren und das Ausblasen der inneren Nebelhöhle.
  • Aktive Sternentstehung in den Säulen: Ähnlich wie in den berühmten „Säulen der Schöpfung“ im Adlernebel verbergen sich in den dichten Staubspitzen von NGC 7380 junge Protosterne, die durch den Druck der expandierenden Ionisationsfronten zur Implosion gebracht wurden (triggere Sternentstehung).
  • Entdeckungsgeschichte: Der Sternhaufen wurde 1787 von Caroline Herschel entdeckt. Ihr Bruder William Herschel nahm ihn später in seinen Katalog auf, wobei die Verbindung zum leuchtenden Gasnebel erst durch spätere fotografische Durchmusterungen vollständig erfasst wurde.
  • Infrarot-Einblicke durch Spitzer und WISE: Infrarotaufnahmen von Weltraumteleskopen enthüllen Tausende bisher verborgene, sehr junge Sterne innerhalb der Dunkelwolken, die im sichtbaren Licht komplett vom Staub verdeckt bleiben.

Objekt Details

Katalognummer(n):NGC 7380, Sharpless 2-142 (Sh2-142), C 2247+578
Typ:Open Star Cluster mit H-II-Emissionsnebel
Entfernung:ca. 8000 Lj.
Ausdehnung:ca. 100 Lj.
Scheinbare Helligkeit:ca. 7,2 mag
Scheinbare Ausdehnung:ca. 25′ × 18′
(etwas kleiner als der Vollmond mit ~30′)
Sternbild:Kepheus (Cepheus)

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